• vom 11.01.2019, 10:06 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.01.2019, 14:29 Uhr

Syrien

US-Militärkoalition beginnt Syrien-Abzug




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, AFP

  • Trump will alle Soldaten abziehen. Israel ist besorgt, das Feld nun dem Iran und Russland zu überlassen.

Ein Konvoi von kurdischen Kämpfern und US-Einheiten, aufgenommen im April 2017. - © APAweb, Reuters, Rodi Said

Ein Konvoi von kurdischen Kämpfern und US-Einheiten, aufgenommen im April 2017. © APAweb, Reuters, Rodi Said


© APAweb © APAweb

Beirut. Die US-geführte Militärkoalition gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Beginn des Abzugs der Truppen aus Syrien am Freitag offiziell bekanntgegeben. Die Anti-IS-Koalition habe "den Prozess des gezielten Abzugs aus Syrien begonnen", erklärte Oberst Sean Ryan, ein Sprecher des Bündnisses.

Aus Sicherheitsgründen würden keine Angaben zum Zeitplan, zu konkreten Orten oder Truppenbewegungen gemacht, hieß es. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) berichtete, dass rund zehn gepanzerte Fahrzeuge und weitere Maschinen von der US-Basis Rmeilan in der ostsyrischen Provinz Al-Hasaka (Hassaka) abgezogen worden seien. Es handle sich dabei um die ersten Truppen, die Syrien seit Trumps Ankündigung vor Weihnachten verlassen, erklärte die in Großbritannien ansässige Organisation, die sich auf ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort stützt.

Israel besorgt über US-Abzug

Die Erklärung der Anti-IS-Koalition erfolgte weniger als einen Monat nach der überraschenden Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, alle 2.000 US-Soldaten aus dem Bürgerkriegsland abzuziehen, da der Kampf gegen die IS-Miliz gewonnen sei. US-Verteidigungsminister Jim Mattis trat daraufhin aus Protest zurück.

Angesichts von Kritik seiner Berater und Verbündeten schränkte Trump inzwischen seine Ankündigung ein und erklärte, der Abzug werde "vorsichtig" und in "angemessenem Tempo" vollzogen. Es wurde befürchtet, dass ein überstürzter Abzug der IS-Miliz erlauben würde, sich erneut zu sammeln. Zudem ist insbesondere Israel besorgt, dass die USA mit einem voreiligen Abzug dem Iran und Russland das Feld in Syrien überlassen würden.

Die Türkei dagegen begrüßte die Entscheidung. Sie kritisiert schon seit Jahren die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Kampf gegen die IS-Miliz. Ankara sieht die syrische Kurdenmiliz als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Ankara ist wiederholt militärisch gegen sie vorgegangen.

Wütende Rede Erdogans

Angesichts von Drohungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit einer neuen Offensive gegen die YPG, machte Trumps Sicherheitsberater John Bolton am Sonntag einen Abzug der Truppen von Garantien der Türkei für die Sicherheit der Kurdenmiliz abhängig. Bei einem Besuch in Ankara am Dienstag stieß Bolton damit aber auf scharfe Ablehnung, und Erdogan nannte seine Bedingung in einer wütenden Rede "nicht akzeptabel".

Die Türkei warf Bolton und anderen Regierungsvertretern vor, Trumps Entscheidung zum Abzug zu unterlaufen. US-Außenminister Mike Pompeo betonte bei einem Besuch in Kairo am Donnerstag dann, die Entscheidung gelte weiter. Die Erklärung der Anti-IS-Koalition bestätigte dies nun. Pompeo forderte des Weiteren mehr Verantwortung der Länder der arabischen Welt im Kampf gegen den islamistischen Extremismus.

Die russische Regierung, die den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad unterstützt, erklärte, man habe den Eindruck, die USA wollten trotz ihrer Ankündigung in Syrien bleiben und rief die Regierung in Damaskus und die syrischen Kurden zu Gesprächen auf. Die Sprecherin des Außenministeriums sagte, das bisher von US-Truppen kontrollierte Gebiet solle unter Aufsicht der syrischen Regierung gestellt werden. Der Dialog zwischen Kurden und syrischer Regierung habe eine besondere Bedeutung. "Schließlich sind die Kurden ein integraler Teil der syrischen Gesellschaft."

Die US-geführte Anti-IS-Koalition unterhält mehrere Stützpunkte in Syrien. Ob die ebenfalls in Syrien eingesetzten französischen und britischen Spezialkräfte nach einem Abzug der US-Truppen im Land bleiben, ist unklar.

Noch kontrolliert die IS-Miliz mehrere Dörfer an der Grenze zum Irak sowie Teile der weitläufigen Badija-Wüste. Trump hat versichert, dass die USA den Kampf von ihren Stützpunkten im Irak fortführen würden. Nach Ansicht von Beobachtern hat die Ankündigung zum Abzug bereits das Kräfteverhältnis verändert. "Der Schaden ist angerichtet. Vor Ort ist die Ankündigung zum Abzug so, als wäre er bereits erfolgt", sagte der Syrien-Experte Fabrice Balanche.





Schlagwörter

Syrien, USA, Truppenabzug

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-11 10:17:20
Letzte Änderung am 2019-01-11 14:29:39


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Erdbeben in Chile
  2. Eine kleine Insel der Demokratie im südchinesischen Meer
  3. Trump bietet für Mauer-Finanzierung Zugeständnisse bei "Dreamers"
  4. Schiffsunglück vor Libyen
  5. Präsident stoppt Friedensprozess mit Rebellen
  6. Tausende beim Women's March gegen Trump
  7. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Werbung




Werbung