• vom 11.01.2019, 17:26 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.01.2019, 20:38 Uhr

Shutdown

Ein wilder Westen




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Von Konstanze Walther

  • Eine historische Durststrecke: Der derzeitige Shutdown in den USA treibt absurde Blüten.

Ein Wilder Westen - © REUTERS

Ein Wilder Westen © REUTERS




© M. Hirsch © M. Hirsch

Washington. Im 19. Jahrhundert war Europa fest im Griff der Romantik - und damit der Hochstilisierung von antiken und humanistischen Idealen.

Zur selben Zeit, als Goethe seinen Faust ("erster Teil") fertigstellte, brachen in der Neuen Welt Jäger, Fallensteller und Abenteurer in bisher für sie unerschlossenes Gebiet vor - an und über die "Frontier", die Grenze von Regionen, die bisher noch ausschließlich von Indianern bevölkert wurden.

Die schrittweise Kolonialisierung dieser Gebiete wurde später zur eigenen Idee der Romantik in den USA: Der Wilde Westen war geboren. Eine Zeit, in der das Faustrecht herrschte, mutige Kopfgeldjäger im Alleingang Städte retteten und der Staat ganz und gar nichts zu melden hatte; er war weit weg, die Menschen waren auf sich alleine gestellt.

Für einen Teil der Republikaner - die man zuletzt unter dem Sammelbegriff "Tea Party" zusammengefasst hat - sowie für die kleine Fraktion der libertären US-Amerikaner ist das nach wie vor der Idealzustand: So wenig Staat wie möglich. Hand in Hand damit geht natürlich die Affinität derselben Kreise zum sogenannten zweiten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten: Jeder US-Amerikaner darf Waffen besitzen und tragen. Zur Selbstverteidigung gegenüber dem Staat, falls der faschistoide Züge bekommt, zur Notwehr gegen Kriminelle und in gewisser Weise wohl auch alles, was hinter einer "Frontier" so lauert.

Für jene US-Amerikaner, die am liebsten so wenig Staat wie möglich haben, hat vor zwanzig Tagen wieder ein Goldenes Zeitalter angefangen: US-Präsident Donald Trump hat mit dem 22. Dezember den wohl längsten Shutdown der Geschichte eingeläutet. Am Freitag war es schon Tag 20, ein Ende ist nicht in Sicht. Mit Sonntag ist es offiziell: Noch nie standen in den USA in der jüngeren Zeit so lange Teile der Regierung still.

Küstenwache schlägt Flohmarkt als Überbrückung vor

Der Shutdown bedeutet: kein Budget für neun der 15 US-Ministerien, darunter die Ressorts für Landwirtschaft, Heimatschutz, Verkehr, Inneres und Justiz.

Etwa 850.000 Personen, die Hälfte aller Bundesbediensteten, ist auf Zwangsurlaub geschickt. Bundesmuseen sind geschlossen. Nationalparks werden nicht gepflegt, sondern zugemüllt.

Das Magazin "Vanity Fair" berichtet von einem Info-Blatt, das die Küstenwache an seine unbezahlten Mitarbeiter ausgehändigt hat. Darin werden Tipps zum Überleben während des Shutdowns gegeben. Man solle doch nicht mehr benötigte Sachen verkaufen, auf einem Flohmarkt oder annonciert in der Zeitung beziehungsweise im Internet. Zudem könne man doch in der Zwischenzeit Geld mit Kinderbetreuung oder mit dem Gassi-Gehen von Hunden verdienen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-11 17:38:25
Letzte Änderung am 2019-01-11 20:38:45


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