• vom 14.01.2019, 17:08 Uhr

Weltpolitik

Update: 14.01.2019, 20:15 Uhr

Cesaro Battisti

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Von WZ-Korrespondent Julius Müller-Meiningen

  • Der wegen Linksterrors zu lebenslanger Haft verurteilte Battisti wurde nach Italien geholt.

Battisti steigt unter strenger Beobachtung aus dem Flieger.

Battisti steigt unter strenger Beobachtung aus dem Flieger.© reu/Rossi Battisti steigt unter strenger Beobachtung aus dem Flieger.© reu/Rossi

Rom. Es war nicht ganz eindeutig, wer da mit einem abwesenden Lächeln am Montagvormittag auf dem römischen Flughafen Ciampino landete: ein zu lebenslanger Haft verurteilter Ex-Terrorist, der jahrzehntelang vor seiner Bestrafung weggelaufen war, oder ein menschliches Wrack. 37 Jahre nach seiner Flucht aus einem italienischen Provinzgefängnis kehrte der heute 64-jährige Cesare Battisti am Montag nicht nur in seine Heimat Italien, sondern in die Hände der italienischen Justiz zurück. Die Regierung schlachtete das Ereignis politisch aus.

"Ich warte seit 37 Jahren auf diesen Moment, das ist ein großer Tag für Italien", behauptete der rechtspopulistische Innenminister Matteo Salvini. "Heute sagen wir der Welt, dass sich niemand der italienischen Justiz entziehen kann", meinte der der Fünf-Sterne-Bewegung nahestehende Justizminister Alfonso Bonafede. Beide waren zur Landung Battistis am römischen Flughafen Ciampino gekommen, auf Salivinis Facebook-Account konnte man die gesamte Ankunft mitverfolgen.


Der ehemalige Linksterrorist war 1991 in Abwesenheit für vier Ende der 70er Jahre begangene Morde zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Battisti gestand, ein Mitglied der "Bewaffneten Proletarier für den Kommunismus" (PAC) gewesen zu sein, bestreitet aber bis heute, in die Morde an einem Juwelier, einem Metzger und zwei Polizisten verstrickt gewesen zu sein. Erst in der Haft soll der frühere Kleinkriminelle sich den Extremisten angeschlossen haben.

Bei seiner letztinstanzlichen Verurteilung wegen vierfachen Mordes war Battisti bereits ein Jahrzehnt auf der Flucht. Dass er eines Tages wieder ein italienisches Gefängnis betreten würde, war lange Zeit nicht absehbar. Seine Flucht und sein immer wieder von ihm selbst zur Schau gestelltes Leben in der Ferne provozierten auch bei der Rückkehr extreme Reaktionen. Als "kommunistischen Mörder, Verbrecher, Widerling, Feigling, der nie um Entschuldigung gebeten hat", bezeichnete ihn der Innenminister. Salvini sagte außerdem, Battisti möge "in der Haft verfaulen". In seiner krassen Wortwahl fühlte sich der Innenminister offenbar von tief liegenden Reflexen im Volk legitimiert.

Odyssee endete in Bolivien
Nach seiner Flucht aus einem italienischen Provinzgefängnis 1981, in dem er wegen Mitgliedschaft in einer bewaffneten Gruppe einsaß, überquerte Battisti zu Fuß die Alpen und setzte sich nach Frankreich und später nach Mexiko ab. Als der damalige französische Präsident Francois Mitterrand 1990 politisches Asyl für italienische Linksterroristen der sogenannten bleiernen Jahre anbot, suchte Battisti Zuflucht in Frankreich und baute sich eine Existenz als erfolgreicher Krimi-Schriftsteller auf, der eigene Erlebnisse mit Fiktion vermischte und 15 Bücher veröffentlichte. Dass ihn Linksintellektuelle als Opfer der italienischen Justiz verteidigten, empörte nicht nur die Angehörigen der Ermordeten. Battisti ließ sich bis zuletzt willig als Spielball der Ideologien instrumentalisieren. Als der französische Innenminister und spätere Präsident Nicholas Sarkozy Battisti im Jahr 2004 an Italien ausliefern wollte, setzte sich der Italiener nach Brasilien ab. Dort genoss er jahrelang politischen Schutz durch die Links-Regierungen von Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff.

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Dokument erstellt am 2019-01-14 17:20:25
Letzte Änderung am 2019-01-14 20:15:28



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