• vom 06.02.2019, 19:15 Uhr

Weltpolitik


USA

Lachen als Waffe - Frauen gegen Trump




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  • Der US-Präsident versucht sich im Kongress - wenig glaubhaft - in der Rolle des Versöhners.

Statement gegen Trump: Weibliche US-Abgeordnete erschienen weiß gekleidet im Kongress.

Statement gegen Trump: Weibliche US-Abgeordnete erschienen weiß gekleidet im Kongress.© afp/Garcia Statement gegen Trump: Weibliche US-Abgeordnete erschienen weiß gekleidet im Kongress.© afp/Garcia

Washington. (schmoe/ag.) Dutzende Frauen in Weiß sitzen Donald Trump im Halbrund des Repräsentantenhauses gegenüber. Es sind überwiegend weibliche Abgeordnete der Opposition, die während der Rede des US-Präsidenten an die Nation ein optisches Signal für die Frauenrechte aussenden: Mit ihrer Garderobe erinnern sie an die Aktivistinnen, die Suffragetten, die vor 100 Jahren in den USA das volle Wahlrecht für Frauen erkämpften.

Für die Politikerinnen ist Weiß ein Signal gegen den US-Präsidenten, der in ihren Kreisen als Sexist gilt. Die Oppositionsfrauen - viele von ihnen sind neu im Kongress - verfolgen die Rede am Dienstag über weite Strecken mit versteinerten Gesichtern. Die flammenden Aufrufe zu Kompromissen im erbitterten Streit um den Staatshaushalt und die Einwanderungspolitik prallen an ihnen ab. Es wird deutlich, dass sie dem Präsidenten das Versöhnungspathos nicht abkaufen.


"Ich bekomme meine Mauer"
Als Trump die Rekordzahl von Frauen im neu gewählten Kongress würdigt, klatschen sie sich gegenseitig ab und lachen. Laut und ein wenig unbotmäßig. Applaus für Trumps Bemerkung ist das einerseits, der US-Präsident wird aber auch verlacht - etwas, was den Mann mit den autoritären Zügen sichtlich verunsichert. Die Freude der Frauen wird schließlich von "USA! USA!"-Rufen abgelöst, die sowohl von Demokraten als auch Republikanern kommen. Ein Moment parteiübergreifender Euphorie - der aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Trump mit seiner Rede nichts dazu beiträgt, die extreme politische Polarisierung zu überwinden. Seine Aufrufe, jahrzehntelange "Spaltungen zu überbrücken" und "neue Koalitionen zu bauen", entbehren von vornherein der Glaubwürdigkeit. Das nimmt ihm niemand ab, zu viel ist in den vergangenen zwei Jahren passiert. Trump hat Kreide gegessen, doch das passt zu wenig zu seinem üblichen Haudrauf-Modus. Trump hält die ungewohnte Rolle des Versöhners keine 30 Minuten durch, er führt sie in anderen Redepassagen ad absurdum, in denen er auf seinen festgefahrenen Positionen beharrt.

So hält der US-Präsident halsstarrig an seinem Projekt einer Mauer an der Grenze zu Mexiko fest: "Ich bekomme sie gebaut", ruft der Präsident mehr trotzig als bestimmt.

Der Mauer-Streit hatte die Budgetsperre ausgelöst, die fünf Wochen lang die Bundesbehörden großteils lahmlegte - und Trumps Popularitätswerte sinken ließ. Und ein weiterer "Shutdown" droht, sollten Trump und der seit Jahresanfang teilweise von den Demokraten beherrschte Kongress nicht rasch einen Kompromiss finden. Bis 15. Februar läuft ein Übergangsetat. Doch Trump hat sich mit seinem Mauer-Projekt selbst eingemauert: Er steht mit dem Vorhaben bei seiner Kernwählerschaft im Wort. Und deshalb zieht er auch in dieser Rede polemisch gegen die illegale Zuwanderung vom Leder.

Von Frauen in Weiß umzingelt
Die massive Gegenwehr aus dem Parlament, mit der sich Trump konfrontiert sieht, illustriert nicht nur der weiße Frauenblock, sondern auch eine weitere weiß gekleidete Parlamentarierin, die während der Rede in seinem Rücken sitzt. Oppositionschefin Nancy Pelosi, die seit Jänner dem Repräsentantenhaus vorsteht, hatte wegen der Etatsperre Trumps Rede im Repräsentantenhaus verschoben - und ihm damit ihre neue Macht vorgeführt. Die Frauen in Weiß - so sieht es zumindest an diesem Abend aus - haben Donald John Trump umzingelt.




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USA, Donald Trump.Rede

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Dokument erstellt am 2019-02-06 17:59:52



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