• vom 16.02.2004, 00:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 29.03.2005, 10:12 Uhr

Klestil würdigt tschechischen Botschafter Jiri Grusa bei Abschiedsbesuch

Ein besonders wichtiger Botschafter




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  • Seine große Wertschätzung hat am Freitag Bundespräsident Thomas Klestil dem vor der Ablöse stehenden tschechischen Botschafter Jiri Grusa in der Hofburg ausgesprochen. Höhepunkt des Abschiedsbesuches des Diplomaten war die Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, die der Bundespräsident persönlich vornahm.

Grusa sei "in den letzten Jahren ein besonders wichtiger Botschafter in Österreich gewesen", sagte Klestil in einer kurzen Erklärung im Anschluss an die Verleihung. Grusa habe großes Verständnis für Österreich und Tschechien, aber auch für die Spannungen zwischen beiden Ländern gezeigt und einen "wesentlichen Beitrag zum Dialog" geleistet, würdigte Klestil den Schriftsteller und Diplomaten. Die persönliche Überreichung des Ordens durch den Bundespräsidenten gilt zudem als Zeichen außergewöhnlicher Wertschätzung.


Der Botschafter sagte gegenüber der APA, er sei zunächst "überrascht" gewesen, "denn ich habe mir geschworen, nie einen Orden zu tragen". Letztendlich habe er allerdings "große Freude" über die Auszeichnung empfunden. Grusa wertete den Orden unter anderem als Beweis für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.

Über seinen Abschied als Botschafter in Österreich zeigte sich Grusa ein wenig wehmütig. Er habe sich nicht vorgestellt, dass ihm dieser so schwer fallen würde. "Ich halte mich für einen erfahrenen Pessimisten, den nichts überraschen sollte". In Anspielung auf den an ihn verliehenen Orden sagte der Diplomat, er, Grusa, sei "gewissermassen auch am Bande von Wien und Österreich". Es bestehe eine "kleine Hoffnung", dass er in seiner Funktion als Präsident des PEN-Clubs die Agenden von Wien aus führen könne. Grusa stellte in Zusammenhang mit seinen Aufgaben für die weltweite Autorenvereinigung zudem ein mitteleuropäisches Projekt in Aussicht.

1938 in Pardubice (Pardubitz) geboren, studierte Grusa zunächst an der Prager Karlsuniversität Philosophie und Geschichte und gründete in den 60er Jahren die erste nicht-kommunistische Literaturzeitschrift "Tvar", die später verboten wurde. 1968 wirkte Grusa beim Prager Frühling mit und wurde wegen seines Romans "Dotaznik" ("Der 16. Fragebogen") 1978 für zwei Monate inhaftiert.

Während einer Auslandsreise in die USA wurde der Schriftsteller 1981 aus der damaligen Tschechoslowakei ausgebürgert. Grusa lebte daraufhin lange Zeit in Deutschland, wo er nach 1990 auch als Botschafter tätig war. Ab 1998 vertrat er Tschechien in Wien. Nachfolger Grusas wird der derzeitige tschechische Vizeaußenminister Rudolf Jindrak.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2004-02-16 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-29 10:12:00

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