• vom 21.04.2000, 00:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.04.2005, 17:45 Uhr

Ex-Premier nach Polizeiverhör wieder freigelassen

Amtsmissbrauch: Festnahme Meciars




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  • Preßburg - Der frühere slowakische Ministerpräsident Vladimir Meciar ist am Donnerstag vorübergehend festgenommen und den Ermittlungsbehörden in Preßburg vorgeführt worden. Zu Mittag wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihm wird wegen der Zahlung von Prämien an die Minister seiner Regierungen (1993 bis 1994 und 1995 bis 1998) in der Gesamthöhe von 13,8 Millionen Kronen (331.731 Euro/4,56 Mill. Schilling) Amtsmissbrauch und Betrug vorgeworfen.

Meciar verweigerte gegenüber den Ermittlern jede Aussage und bezeichnete sich als "vollkommen unschuldig".


Die Festnahme ereignete sich Donnerstag früh an seinem Wohnort in Trencianske Teplice unter dramatischen Umständen. Nachdem sich Meciar weigerte, der Polizei die Türe zu öffnen, verschaffte sich eine Spezialeinheit unter Verwendung von Sprengstoff gewaltsam Zutritt. Meciar wurde anschließend - entgegen unsprünglichen Behauptungen - ohne Handschellen abgeführt und mit einem Polizeibus nach Preßburg gebracht, wo er zwei Stunden verhört wurde.

Innenminister Ladislav Pittner widersprach der Darstellung, dass Meciar verhaftet worden sei. Der Ex-Premier sei lediglich den Ermittlern vorgeführt worden, wie das vom Gesetz vorgesehen sei, so der Minister. Staatspräsident Rudolf Schuster kritisierte hingegen, die für die Festnahme genannten Gründe seien "nicht adäquat" gewesen.

Bis zuletzt herrschte Unklarheit, ob auch die Entführung von Michal Kovac jr. im September 1995 ein Thema der Befragung von Meciar war. Der Ex-Premier ignoriert seit Wochen eine gerichtliche Ladung in dieser Angelegenheit. Er argumentiert, dass er auf Grund der von ihm selbst 1998 erlassenen Amnestie in dieser Causa nicht als Zeuge befragt werden könne. In die Entführung von Kovac jr., dem Sohn des damaligen Präsidenten und schärfsten Gegners Meciars Michal Kovac, war der slowakische Geheimdienst unter der Führung des Meciar-Vertrauten Ivan Lexa verwickelt.



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Dokument erstellt am 2000-04-21 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 17:45:00


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