• vom 22.11.1999, 00:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.04.2005, 17:54 Uhr

Erwin Leder rettete mehrere Juden

Posthume Ehrung für österreichischen Arzt




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  • Zwei Jahre nach seinem Tod ist der österreichische Arzt Erwin Leder Donnerstagabend in Wien von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter der Völker" geehrt worden. Leder
  • hatte im Zweiten Weltkrieg als Militärarzt bei der deutschen Wehrmacht in einem Gefangenenlager in Weißrussland einem Mediziner aus der Sowjetunion und weiteren Juden das Leben gerettet.

Für den Verstorbenen nahm sein Sohn Norbert Leder die Auszeichnung entgegen.

Der 1914 geborene Erwin Leder war ab Herbst 1941 Standortarzt in einem deutschen Gefangenenlager in der weißrussischen Stadt Sluzk, wo er den jüdischen Mediziner aus der Sowjetunion, Dr. Rafael P.


Gabovich, der sich als Ukrainer ausgab, zu seinem Assistenten und Dolmetscher machte. Auf diese Weise rettete er den Kollegen, der zuvor als Militärarzt in der Roten Armee gedient hatte, vor dem Tod.

Andere Gefangene erhielten mit seiner Duldung Dokumente verstorbener nicht-jüdischer Häftlinge. In einem 1998 in Tel Aviv verfassten Bericht schilderte Gabovich zudem, wie sich Leder in

außerordentlich vorbildhafter Weise der Krankenfürsorge und der Verpflegung der Lagerinsassen widmete.

Dem Bericht Gabovichs zufolge warnte Leder die Bewohner des jüdischen Ghettos von Sluzk auch einmal vor einer drohenden Massenliquidierung. Zudem ließ er Medikamente in das Ghetto schmuggeln. Die

Aktion flog aber auf. Leder wurde strafweise an die Ostfront versetzt. Nach dem Krieg arbeitete er als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Ybbs an der Donau und Wien.

Wiens Gesundheitstadtrat Sepp Rieder sagte in einer Würdigung, die Unmenschlichkeit und Bestialität der Nazizeit könne durch die Leistungen jener Menschen, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens

Juden gerettet hätten, nicht gemildert oder aufgewogen werden. Das Gedenken an diese Menschen sei aber deshalb so wichtig, weil sie Kronzeugen dafür seien, dass die Menschlichkeit vor keinem noch so

totalitärem Regime kapitulieren muss.

Bis heute wurden weltweit 15.670 Menschen als "Gerechte der Völker" geehrt · unter ihnen mehr als 80 Österreicher.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 1999-11-22 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-06 17:54:00

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