• vom 09.08.2010, 19:53 Uhr

Weltpolitik

Update: 09.08.2010, 19:54 Uhr

Mit Hilfe österreichischer Intervention wurde ein mutmaßlicher israelischer Spion in Libyen freigelassen

Die Schattenspiele der Diplomaten




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Von Alexander U. Mathé

  • Außenminister Lieberman war zu Blitzbesuch in Wien.
  • Streng geheime Verhandlungen im Hintergrund.
  • Wien. Israels Außenminister holt in Wien einen aus libyscher Haft entlassenen Landsmann ab. Als diese Meldung bei den Medien am Montag eintrudelte, war Avigdor Lieberman mit dem wegen Spionage festgenommenen Rafael Haddad auch fast schon wieder weg. Alles lief sauber ab: schnell, sicher und vor allem unauffällig. Lieberman landete am Sonntag in Wien und flog am nächsten Tag in aller Früh in Begleitung Haddads wieder ab. Eine erfolgreiche Befreiungsaktion.
  • Tauziehen um israelischen Agenten

Ende zäher Verhandlungen: Israels Außenminister Lieberman holt den mutmaßlichen Spion Haddad in Wien ab. - © epa

Ende zäher Verhandlungen: Israels Außenminister Lieberman holt den mutmaßlichen Spion Haddad in Wien ab. © epa

Was sich der Öffentlichkeit als kurze, wenn auch sensationelle Meldung präsentiert, ist - wie so oft in solchen Fällen - nur die Kirsche auf einem mit ungeheurem Aufwand, Geheimhaltung und harten Verhandlungen im Hintergrund von Politikern und Diplomaten gebackenen Kuchen. Das wahre Ausmaß kann man auch viel später oft nur erahnen.


Wenn die Diplomatie übernehmen muss

Im Fall Haddad begann es damit, dass es gar keinen Fall Haddad gab. Sein Verschwinden vor fünf Monaten, als er angeblich versuchte, das jüdische Erbe in Libyen fotografisch zu dokumentieren, unterlag nämlich strenger Zensur; er galt als verschollen. Doch im Hintergrund arbeiteten die Regierungsstellen in Jerusalem heftig daran, Haddad nach Hause zu holen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wandte sich an seine Kollegen in Frankreich, Italien und sogar in den USA mit der Bitte um Hilfe.

Wenn die Politik am Ende ist, schlägt die Stunde der Diplomaten. Nur allzu oft ist das größte Problem, dass zwei Parteien mit einander reden müssten, obwohl sie das offiziell, beziehungsweise aus politischen Gründen, gar nicht dürfen. Wie etwa im Fall von Israel und Libyen oder zwischen Ost und West zur Zeit des Kalten Krieges.

In solchen Fällen wird gerne nach vertrauenswürdigen Vermittlern gesucht, die über gute Kontakte zu beiden Seiten verfügen. In der österreichischen Geschichte haben auf diesem Gebiet die Sixtus-Briefe Berühmtheit erlangt. Während des Ersten Weltkriegs versuchte Kaiser Karl hinter den Kulissen Frieden auszuhandeln. Vermittelt wurde von den belgischen Prinzen Sixtus Ferdinand von Bourbon-Parma und Franz Xavier von Bourbon-Parma, die beide Brüder seiner Frau Zita waren.

Heute fast täglich aktuell sind die geheimen Verhandlungen einer Regierung bei Geiselnahmen durch Terroristen. Kein Staatenlenker der Welt kann es sich leisten, offiziell mit solchen Leuten zu verhandeln. Denn eine Einigung würde bei anderen Terroristen nur die Lust auf Nachahmung wecken. Als Resultat vernimmt man nur allzu oft die Nachricht von wunderbaren Freilassungen, bei denen es zu keinerlei Gegenleistung gekommen sein soll. Auch wenn diplomatisches Geschick oftmals auf sanfte Weise Türen zu öffnen weiß, an denen sich andere mit der Brechstange versucht haben.

Ein Mann mit Erfahrung auf diesem Gebiet ist der österreichische Botschafter Anton Prohaska, dem es dank seiner ausgezeichneten Beziehungen zu Entscheidungsträgern in der arabischen Welt gelang, die Freilassung der österreichischen Geiseln in Mali vor zwei Jahren in die Wege zu leiten. Bereits davor war er auf mehreren Missionen im Nahen Osten und spielte unter anderem bei der Befreiung amerikanischer und israelischer Geiseln im Libanon eine wichtige Rolle.

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Dokument erstellt am 2010-08-09 19:53:35
Letzte Änderung am 2010-08-09 19:54:00

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