• vom 06.03.2013, 17:45 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.03.2013, 18:23 Uhr

Armeeführung versichert Vizepräsident Maduro Loyalität

"Wir wollen nur Chávez"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

  • Anhänger des venezolanischen Präsidenten trauern auf den Straßen

Zur offiziellen Trauerzeremonie für die Symbolfigur der Linken in Lateinamerika werden am Freitag zahlreiche Staatschefs aus der Region erwartet. In Venezuela gilt eine siebentägige Staatstrauer für den "Comandante". - © APAweb/EPA/David Fernandez

Zur offiziellen Trauerzeremonie für die Symbolfigur der Linken in Lateinamerika werden am Freitag zahlreiche Staatschefs aus der Region erwartet. In Venezuela gilt eine siebentägige Staatstrauer für den "Comandante". © APAweb/EPA/David Fernandez

Caracas. Der Tag danach begann am frühen Morgen mit 21 Salutschüssen zu Ehren des verstorbenen Präsidenten. Venezuela verabschiedet sich mit einer mehrtägigen Staatstrauer von Hugo Chávez. In den frühen Morgenstunden hatten trauernde Chávez-Anhänger zu Tausenden die Straßen geflutet, um dem Präsidenten die letzte Ehre zu erweisen. Diesmal ist es keine organisierte Demonstration, für die "Chávistas" in Staatsbetrieben frei und ein paar Bolivar in die Hand bekommen. Es sind spontane, ehrliche und authentische Emotionen.


"Wir wollen Chávez, nur Chávez", riefen weinende Anhänger in den Straßen der Hauptstadt Caracas. Viele stellten Kerzen ab und legten Blumen an Orten nieder, die sie mit dem politischen Wirken des Präsidenten verbinden. Autos trugen Trauerflor an ihren Antennen, in den Hochhäusern der Armenviertel hängen noch mehr Bilder des "Comandante" in den Fenstern als sonst. Hier hatte der wegen seiner milliardenschweren Sozialprogramme populäre Chávez seine Machtbasis. Die Menschen umarmen sich und beten gemeinsam, auch eine Tochter von Chávezist hier. Sie haben Chávez-Bilder dabei, die Szene erinnert an eine katholische Prozession. Zugleich tauchen in radikalen Medien die ersten Verschwörungstheorien auf, die USA hätten Chávez mit Krebszellen infiziert.

Ein letzter Gruß des "Comandante" - und viele Tränen.

Ein letzter Gruß des "Comandante" - und viele Tränen.© ap Ein letzter Gruß des "Comandante" - und viele Tränen.© ap

Es kommt zu rührenden Szenen im ganzen Land, die deutlich machen, dass der Erfolg der Sozialisten vor allem ein Erfolg der Person Hugo Chávez war. Sein Charisma überstrahlt auch diese Stunden der Trauer. Soldaten halten bei einer Versammlung kleine Chávez-Puppen in Armee-Uniform in die Höhe, andere stehen nur still da. Im sonst politisch so lauten Venezuela, in dem dröhnende Lautsprecher Botschaften hinausposaunen, ist es ein ungewohnter Moment der Stille. Es ist der Abschied einer Epoche, die eine historische Zäsur in Venezuela und ganz Lateinamerika kennzeichnet - oder, wie die Tageszeitung "El Universal" schrieb - der erste Tag nach der Ära Hugo Chavez.

In einigen Fällen soll es zu Übergriffen gekommen sein. Eine Reporterin eines regierungskritischen Senders berichtet über Attacken von Chávez-Anhängern. Es kursieren auch Bilder einer blutüberströmten kolumbianischen TV-Reporterin in den Medien. Dass es bei vereinzelten Vorfällen bleibt, dazu tragen auch die beiden Kontrahenten der nächsten Wochen bei. Vize-Präsident Nicolas Maduro, der am Dienstagnachmittag Ortszeit unter Tränen den Tod von Chávez bekanntgab, und Oppositionsführer Henrique Capriles schlugen in geschichtsträchtigen Stunden betont versöhnliche Töne an, beide wissen um die explosive Stimmung vor allem in der Hauptstadt.

weiterlesen auf Seite 2 von 2



1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-03-06 17:47:07
Letzte Änderung am 2013-03-06 18:23:44


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Überraschung bei Präsidentschaftswahlen
  2. Russland sieht Verhältnis zu Israel beschädigt
  3. Alternativ-Nobelpreis thematisiert Menschenrechte
  4. Neue Anschuldigungen gegen Richterkandidat Kavanaugh
  5. Peking verbietet Unabhängigkeitspartei
  6. Neue Sonderzölle in Kraft
  7. Moskau will Flugabwehrsystem nach Syrien liefern

Werbung




Werbung