• vom 26.07.2013, 18:35 Uhr

Weltpolitik

Update: 26.07.2013, 19:18 Uhr

Ein US-Ehepaar hat in Jordanien einen Kindergarten für traumatisierte syrische Flüchtlingskinder aufgemacht

Hort der leeren Blicke




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Über zwei Millionen Kinder sind vom Bürgerkrieg unmittelbar betroffen.

Syrien, Land der Waisen: Ahmed (M.) hat seinen Vater verloren, der Rebell ist im Kampf mit Armeesoldaten gefallen.

Syrien, Land der Waisen: Ahmed (M.) hat seinen Vater verloren, der Rebell ist im Kampf mit Armeesoldaten gefallen.© ap Syrien, Land der Waisen: Ahmed (M.) hat seinen Vater verloren, der Rebell ist im Kampf mit Armeesoldaten gefallen.© ap

Mafraq. Ihr Name ist Warda - die Rose - und so sieht sie auch aus. Sie trägt eine rote Bluse und eine lange Perlenkette, zwei schüchterne, braune Augen schauen die Besucherin an. Sprechen wolle sie nicht, nur spielen, sagt die Fünfjährige leise. "Ich komme aus Daraa in Syrien und mein Vater ist tot." Am Anfang habe sie nur geweint, erklärt Daniel das Verhalten des Mädchens, wollte nicht alleine im Kindergarten bleiben. Doch die Mutter habe intensiv mit ihr gearbeitet, fährt Kim fort. "Jetzt kommt sie auch alleine und fängt an, mit den anderen zu spielen."

Kim und Daniel Harrison aus Chicago haben vor drei Monaten ein bisher einzigartiges Projekt in Jordanien ins Leben gerufen. Im Auftrag der deutschen NGO Vision Hope, die bereits im Jemen und in Afghanistan tätig ist, haben die beiden einen Kindergarten für traumatisierte syrische Flüchtlingskinder aufgebaut. Bis zu 50 Kinder zwischen vier und fünf Jahren kommen nun täglich in das kleine Haus im Dorf Manshia, unweit der Stadt Mafraq, wo 360 syrische Familien Unterschlupf gefunden haben. Und jedes der Kinder hat eine eigene, schreckliche Geschichte.

Kindergarten - Kim kümmert sich um Traumaopfer.

Kindergarten - Kim kümmert sich um Traumaopfer.© svensson Kindergarten - Kim kümmert sich um Traumaopfer.© svensson

Wardas Vater war Mitglied der Freien Syrischen Armee. Eines Tages kam jemand ins Haus und berichtete erfreut, dass "ein Märtyrer" mehrere Panzer der Regierungstruppen hochgehen ließ und dabei selbst ums Leben kam. Wie sich schnell herausstellte, handelte es sich um Wardas Vater. "Wenn wir zu Hause sind, weinen wir", erzählt die Mutter.


Nun hofft sie, dass Warda im Kindergarten vielleicht ein bisschen vergessen kann. Doch so weit ist die Tochter noch nicht. Die kleine Rose ist noch sehr nach innen gekehrt. Auch andere Kinder sitzen stumm da und starren vor sich hin. Ausgelassenheit und Unbeschwertheit scheinen ihnen fremd. Sie habe mehr Aggression erwartet, gibt Kim zu - eine Art, ein Trauma zu verarbeiten. Stattdessen herrscht im Kindergarten eine ruhige, etwas gedrückte Atmosphäre.

Beredte Kinderzeichnungen
Die Maltherapeutin aus Freiburg versucht, den Kindern ein Ventil zu geben, damit sie ihre Erlebnisse artikulieren lernen. Sie malen Soldaten, Gewehre, Panzer und Flugzeuge, Menschen im Gefängnis. Kim und Daniel haben in der jordanischen Hauptstadt Amman eine Therapeutin gefunden, die den syrischen Kindergärtnerinnen in Manshia beibringt, wie man Trauma-Symptome erkennt und die Kinder dazu bringt, darüber zu sprechen, wie man den sogenannten Trigger herausfindet, das Schlüsselerlebnis, das zu der Krankheit führte.

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Dokument erstellt am 2013-07-26 18:38:06
Letzte Änderung am 2013-07-26 19:18:13


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