• vom 07.01.2014, 16:39 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.01.2014, 17:29 Uhr

Amtsantritt

Die neuen Robin Hoods




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Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

  • Die "Occupy Wall Street"-Bewegung ist in der Demokratischen Partei angekommen
  • New Yorker Bürgermeister setzt Kurs für Linksliberale.

Zeigt, wo es langgeht: Bürgermeister de Blasio.

Zeigt, wo es langgeht: Bürgermeister de Blasio.© epa/Jason Szenes Zeigt, wo es langgeht: Bürgermeister de Blasio.© epa/Jason Szenes

New York/Washington. Bill de Blasio ist es gewohnt, dass die Leute zu ihm aufschauen. Der gelernte Anwalt misst 1,96 Meter. Wenn er, wie jüngst im Rahmen seiner zum Jahreswechsel erfolgten Angelobung als neuer Bürgermeister der Stadt New York, in der Menge badet, hat das nicht zuletzt deshalb etwas ganz und gar Erlöserhaftes. Selbst Bill Clinton, der beliebteste Bannerträger des Linksliberalismus im Land, der de Blasio den Amteid abnahm, musste dem Höhenunterschied Tribut zollen. Selber kein kleiner Mann (Clinton misst 1,88), wirkte der Ex-Präsident bei der Zeremonie wie ein Uniprofessor, der einem ehemaligen Studenten, der ihn in mancher Hinsicht überflügelt hat, eine Auszeichnung verleiht.


Tatsächlich bot der Einzug von de Blasio in Gracie Mansion, dem traditionellen Sitz des New Yorker Bürgermeisters, dem demokratischen Establishment wie den Repräsentanten des linken Randes der Partei ausreichend Anlass zur Profilierung. "Der Lange" gilt schließlich seit seiner überlegen gewonnenen Wahl (rund zwei Drittel der Wahlberechtigten stimmten für ihn) auch auf nationaler Ebene als Hoffnungsträger.

Vertreter des linken Flügels
De Blasio steht für eine neue, für die Verhältnisse der Partei nahezu linkspopulistische Politik: Rauf mit den Steuern für Reiche, höhere Abgaben auf den Besitz von Häusern, Grund und Boden, Investitionen in die Vorschulbildung, die öffentliche Hand als Garant für leistbare Wohnungen für Arme und Mittelschicht, Legalisierung von Marihuana, et cetera, et cetera. Alles bloß Rhetorik? Mitnichten, betonte de Blasio im Rahmen seiner Antrittsrede, das alles sei ihm ganz ernst und dass ihm schon klar sei, dass das alles nicht so leicht gehen werde, aber dass er "alles dafür tun werde, dass die Einkommensschere nicht weiter auseinandergeht".

Nun ist der Spielraum eines Bürgermeisters in den USA freilich eingeschränkt, auch wenn er der der größten Stadt des Landes ist. Dem Vernehmen nach wird eine Mehrheit im Parlament des Bundesstaats New York, wo die auch für New York City entscheidenden Gesetze gemacht werden, alles dafür tun, um de Blasios Pläne zu sabotieren. Dort bilden nicht erst seit gestern Republikaner und rechte Demokraten unheilige Allianzen.

Aber vielleicht - und so dürfte auch insgeheim das Kalkül des 52-Jährigen lauten - ist das gar nicht so wichtig, solange er sich weiterhin als Robin Hood in einer Welt verkaufen kann, die von den Sheriffs von Nottingham regiert wird: Als führender Kopf einer Art von "neuen Linken" innerhalb der Demokratischen Partei, der langsam aber sicher den Boden aufbereitet für eine kämpferische Politik, die mit dem, was derzeit in Washington passiert, nichts mehr zu tun hat.

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Dokument erstellt am 2014-01-07 16:44:06
Letzte Änderung am 2014-01-07 17:29:49


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