• vom 20.01.2010, 17:13 Uhr

Weltpolitik

Update: 20.01.2010, 21:15 Uhr

Gewalt in Nigeria: "Eine Krise zu viel"




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  • Hinter Unruhen steht nicht nur ein Religionskonflikt.
  • Abuja. (gf) 2001 gab es 1000 Tote, im November 2008 nach lokalen Wahlen 700, und jetzt sollen es nach Angaben einer Menschenrechtgruppe bereits mehr als 450 Tote sein - Jos, Hauptstadt der nigerianischen Provinz Plateau, ist seit Ende der Militärherrschaft immer wieder Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Das, was jetzt passiere, sei "eine Krise zu viel", erklärte Vizepräsident Goodluck Jonathan, der den herzkranken Präsidenten Umaru YarAdua vertritt.

Dass dieser seit Ende November in einem saudiarabischen Krankenhaus liegt, nährt die Befürchtung vor einem gefährlichen Machtvakuum, die auch Jonathan hegt: "Das Land kann sich diese ständigen Gewaltausbrüche nicht leisten", sie würden die Einheit des Landes gefährden, sagte er. Mittlerweile hat sich die Lage in Jos dank Ausgangssperre und von Jonathan entsendeten Einheiten des Militärs entspannt, mittlerweile sollen aber Unruhen in der 100 Kilometer entfernten Stadt Pankshin ausgebrochen sein.


Der Bundesstaat Plateau liegt genau an der Grenze zwischen dem muslimischen Norden und dem von Christentum und Naturreligionen geprägten Süden Nigerias. In zwölf nördlichen Teilstaaten gilt die islamische Rechtssprechung Scharia. Zusätzlich sorgen die selbst ernannten afrikanischen Taliban namens Boko Harem ("Erziehung ist Sünde") für Unruhe.

Allerdings sind die Gründe für die Gewalt "mehr ethnischer und politischer denn religiöser Natur", sagt der Erzbischof von Jos, Ignatius Ayau Kaigama. Er dementiert auch die Polizeiaussage, dass das Niederbrennen einer Kirche durch Muslime die jüngsten Unruhen ausgelöst hätte.

Hinter solchen Konflikten stehen oft Armut und lokale Streitigkeiten um die Nutzung von Land. Laut Kaigama geht es nun um Versuche der islamischen Volksgruppe der Hausa und der christlichen Einheimischen, die politische Kontrolle über die Stadt zu gewinnen. Ein Sprecher des Erzbistums Abuja meint, dass Christen versucht hätten, die Rückkehr von Moslems zu verhindern, die die Stadt nach dem Gewaltausbruch 2008 verlassen hatten. Eine Mehrheit hat keine der in der Stadt vertretenen 30 Volksgruppen.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-01-20 17:13:25
Letzte Änderung am 2010-01-20 21:15:00

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