• vom 18.11.2014, 10:12 Uhr

Weltpolitik

Update: 18.11.2014, 10:12 Uhr

Fukushima

Japan liebäugelt wieder mit Atomkraft




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Von WZ-Korrespondentin Sonja Blaschke

  • Für die aus der Umgebung von Fukushima Evakuierten bleibt ein normaler Alltag in weiter Ferne.

Der Künstler Takeshi Ohno hat die Katastrophe von Fukushima in seinen Holzschnitten verarbeitet.

Der Künstler Takeshi Ohno hat die Katastrophe von Fukushima in seinen Holzschnitten verarbeitet.© Vienna Art Week Der Künstler Takeshi Ohno hat die Katastrophe von Fukushima in seinen Holzschnitten verarbeitet.© Vienna Art Week

Wien/Tokio. Sie erinnere sich noch an alle Schritte, wie ihr verstorbener Mann früher Stoff einfärbte, erzählt eine ältere Frau. Er stellte zum Beispiel farbenfrohe Fahnen für Boote her, die den Fischern einen reichen Fang bescheren sollten. Bei einem der wenigen Kurzbesuche in ihrem alten Zuhause in der Kleinstadt Futaba packte sie einige der gefärbten Tücher ein, um sie in ihrem neuen Zuhause aufzuhängen - einem Klassenzimmer in einer Schule in der Stadt Kazo, 200 Kilometer südwestlich. Für die aus der Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi Evakuierten bleibt ein "normaler" Alltag in weiter Ferne.

1111 Tage lang sollte sie das Klassenzimmer mit mehreren anderen älteren Leuten teilen und unter Umständen ausharren, die der Filmemacher Atsushi Funahashi als nicht menschenwürdig beschreibt. In seinem neuen Film "Nuclear Nation II", der Fortsetzung zu seiner Dokumentation "Nuclear Nation I", die 2012 auf dem Filmfestival in Berlin lief, folgt er erneut früheren Bewohnern von Futaba, der Heimatgemeinde des nur fünf Kilometer entfernten Unglückskraftwerks Fukushima Daiichi.


Japan will Reaktoren schnell wieder ans Netz bringen
Bald vier Jahre, nachdem ein Beben der Stärke 9,0 und haushohe Tsunami-Wellen zum schlimmsten Reaktorunglück seit Tschernobyl 1986 führten, leben noch immer mehr als 90.000 Menschen in Nordjapan in Behelfsunterkünften: weil der Wiederaufbau in den vom Tsunami betroffenen Gebieten nicht vorankommt, wegen der hohen Radioaktivität, oder aus beiden Gründen. Die Gefahr, die von den havarierten Reaktoren ausgeht, ist keineswegs gebannt. Weiter tritt Radioaktivität in die Luft und ins Grundwasser aus.

Es ist ungeklärt, ob nicht etwa schon das Erdbeben am 11. März 2011 die Katastrophe in Gang setzte. Trotzdem setzt die japanische Regierung weiter auf die Atomkraft. In ihrem aktuellen Energieplan ist sie eine wichtige Quelle für die Bereitstellung von Grundlaststrom. De facto ist Japan jedoch seit September 2013 völlig atomstromfrei; alle AKW sind zu Prüfzwecken heruntergefahren. Die Regulierungsbehörde für die Atomenergie (NRA) bearbeitet mit wachsender Verspätung mehr als ein Dutzend Anträge von Stromfirmen, die ihre Reaktoren wieder ans Netz bringen wollen, angeblich auf Basis der "strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt".

Zwei Reaktoren des AKW Sendai in der südjapanischen Präfektur Kagoshima sollen als Erste wieder hochgefahren werden. War dafür zunächst dieser Herbst angepeilt, wird es wohl frühestens im Frühjahr 2015 dazu kommen. Zwar haben inzwischen die lokale Gemeinde sowie der Gouverneur von Kagoshima zugestimmt. Andere Gemeinden in der Nähe lehnen den Plan jedoch völlig ab, die Katastrophenschutzmaßnahmen seien unzureichend.

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Schlagwörter

Fukushima, Japan, Atomkraft

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-11-17 18:20:10
Letzte Änderung am 2014-11-18 10:12:45


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