• vom 03.08.2015, 17:57 Uhr

Weltpolitik

Update: 03.08.2015, 22:02 Uhr

Terrorismus

Jüdischer Terrorismus schockiert Israel




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  • Nach den tödlichen Angriffen billigt Israel härtere Verhörmethoden gegen jüdische Extremisten.

Jerusalem. Ein ultraorthodoxer Jude sticht Teilnehmer der Gay-Parade nieder, nur einen Tag später zünden mutmaßlich radikale Siedler ein Haus an und töten ein palästinensisches Baby. Nach diesen beiden Anschlägen in der Vorwoche diskutiert Israel ein bisher weitgehend verdrängtes Phänomen: jüdischen Terrorismus. Mit dem 18 Monate alten Ali Dawabsheh und der 16-jährigen Schülerin Schira Banki, die drei Tage nach der Messerattacke am Sonntagabend im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag, haben die Opfer jüdischen Terrorismus plötzlich ein Gesicht bekommen.

Israel-Beobachter kritisieren schon länger, dass die israelische Gesellschaft die Radikalisierung und wachsende Militanz ultraorthodoxer und ultranationalistischer Juden weitgehend tatenlos hinnimmt. Ein Aufschrei blieb aus, solange sich die Angriffe der Siedlerbewegung gegen Kirchen oder Moscheen in mehrheitlich von Arabern bewohnten Gebieten richteten und lediglich Sachschäden verursachten.


Die Schicksale von Ali und Schira haben dies geändert. Tausende Israelis demonstrierten am Wochenende gegen Hassgewalt. Politiker fast aller Parteien verurteilten die Taten aufs Schärfste. Staatspräsident Reuven Rivlin sprach von Flammen des Hasses, die in Israel um sich griffen. "Es gibt Leute, die sich nicht scheuen, diese Flammen anzufachen, die sogar ein Baby verbrennen und Hass und Terror nur weiter verschärfen", sagte Rivlin. Noch deutlicher wurde Zahawa Galon, die Chefin der linken Meretz-Partei: "Der Messerangriff auf die Demonstranten und der Brandanschlag von Duma müssen als das bezeichnet werden, was es ist: Das ist jüdischer Terrorismus, das ist der jüdische IS."

Am Montag hat Israel härtere Verhörmethoden nun auch gegen jüdische Verdächtige genehmigt. Das Sicherheitskabinett habe grünes Licht etwa für gewaltsames Schütteln bei Verhören gegeben, sagte der Minister für Innere Sicherheit, Gilad Erdan. Bisher waren solche Methoden nur bei Verhören palästinensischer Terrorverdächtiger zulässig.

Am Montag hat es die erste Festnahme gegeben. Wie ein Sprecher des israelischen Inlandsgeheimdiensts mitteilte wurde im Norden Israels Meir Ettinger, der Chef einer ultranationalistischen jüdischen Gruppe gefasst. Ettingers Großvater ist der rechtsextreme Rabbiner Meir Kahane, der 1968 die Jüdische Verteidigungsliga gründete.




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Dokument erstellt am 2015-08-03 18:02:08
Letzte Änderung am 2015-08-03 22:02:03


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