• vom 21.02.2016, 11:26 Uhr

Weltpolitik

Update: 21.02.2016, 18:30 Uhr

Syrien

Mindestens 88 Menschen bei Anschlägen in Syrien getötet




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, AFP, dpa, Reuters

  • IS bekannte sich zu den Taten in Homs, Assad bereit zu einer Waffenruhe.

Homs/Damaskus. Bei schweren Anschlägen auf religiöse Minderheiten in den syrischen Großstädten Homs und Damaskus sind am Sonntag mindestens 88 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden.

Insgesamt erschütterten am Sonntag wenigstens fünf Explosionen ein Viertel der Alawiten-Minderheit in Homs und einen Schiitenbezirk im Süden der Hauptstadt Damaskus, wie die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich am Abend zu dem Anschlag in Homs, wer für die Taten in Damaskus verantwortlich ist, war zunächst unklar.

Unter den 57 Todesopfern von zwei Autobomben im Stadtteil Sahraa in Homs, in dem vor allem Anhänger der religiösen Minderheit der Alawiten wohnen, waren am Sonntagmorgen wenigstens 39 Zivilisten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach zunächst insgesamt von mindestens 32 Toten und 39 Verletzten in der zentralsyrischen Stadt.

Am südlichen Stadtrand der Hauptstadt Damaskus rissen am Nachmittag drei weitere Bomben mindestens 31 Menschen in den Tod. Die der Opposition nahestehende Beobachtungsstelle berichtete zudem von Dutzenden Verletzen. Im Schiitenbezirk Sajeda Sainab sei eine Autobombe explodiert, zudem hätten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Erst Ende Jänner war es in beiden betroffenen Gebieten zu ähnlichen Anschlägen mit Dutzenden Toten gekommen. Beide Male bekannte sich die Terrormiliz IS zu den Taten. Die sunnitischen Dschihadisten sehen Angehörige anderer muslimischer Glaubensrichtungen als Abtrünnige. Sowohl das Alawiten-Viertel in Homs als auch der Schiitenbezirk in Damaskus werden von Regimetruppen kontrolliert.

Machthaber Assad hatte sich zuvor unter Bedingungen "bereit" zu einer Waffenruhe in seinem Land erklärt. Diese dürfe aber nicht von "den Terroristen" ausgenutzt werden, um ihre Stellung zu verbessern, sagte Syriens Präsident in einem Interview mit der spanischen Zeitung "El Pais", das am Samstag auf deren Website veröffentlicht wurde. Zudem müssten andere Länder, "vor allem die Türkei", daran gehindert werden, "mehr Rekruten, mehr Terroristen, mehr Waffen oder jegliche Art von logistischer Unterstützung für diese Terroristen" zu schicken, sagte Assad weiter. Die Führung in Damaskus bezeichnet alle Rebellengruppen als "Terroristen".

"Brauchen diese Hilfe"

Die Unterstützung durch Russland und den Iran sei "wesentlich" für den Vormarsch seiner Truppen, sagte Assad "El Pais". "Wir brauchen diese Hilfe (...), weil 80 Länder die Terroristen auf verschiedene Weise unterstützen." Einige Länder gäben den Oppositionskräften "direkte Hilfe - mit Geld, logistischer Unterstützung, Waffen oder Kämpfern", sagte Assad weiter. Bei anderen Ländern gehe es um "politische Unterstützung in verschiedenen internationalen Foren".

Russland hatte zuvor der syrischen Armee weitere militärische Unterstützung zugesichert. Moskau setze seine "konsequente Linie" fort, den syrischen Streitkräfte bei ihren "offensiven Aktionen gegen Terroristen und terroristische Organisationen" zu helfen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Samstag.

Angesichts der andauernden Kämpfe in Syrien setzte sich US-Außenminister John Kerry am Samstag bei seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow erneut für eine rasche Feuerpause ein. In einem Telefongespräch mit Lawrow verurteilte Kerry erneut die russischen Luftangriffe zur Unterstützung der syrischen Regierungsarmee, die auch Zivilisten treffen, wie ein Sprecher Kerrys mitteilte. Beide sprachen demnach auch über die diplomatischen Bemühungen um eine Lösung für den Syrien-Konflikt sowie über humanitäre Hilfe für die Bevölkerung.





Schlagwörter

Syrien, Homs, Bashar al-Assad

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-02-21 11:34:13
Letzte Änderung am 2016-02-21 18:30:21


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Papst Franziskus verurteilt "reiche Prasser"
  2. Proteste gegen Migranten in mexikanischer Grenzstadt Tijuana
  3. Trump wirft Beraterin raus
  4. Bin Salman gerät im Fall Kashoggi unter Druck
  5. Wahlkrimi in Florida beendet
  6. CIA: Mordauftrag kam von Kronzprinz Salman
  7. Erstmals Hoffnung für den Jemen

Werbung




Werbung