• vom 26.05.2016, 17:58 Uhr

Weltpolitik

Update: 26.05.2016, 18:50 Uhr

Interview

"Jetzt geht es um Nachhaltigkeit"




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Von Markus Schauta

  • Oberst Bernd Prill, Leiter des deutschen Einsatzkontingents im Nordirak, über Aufrüstung und Training der Peschmerga.

"Mit der Lieferung alleine ist es nicht getan", so Oberst Prill.

"Mit der Lieferung alleine ist es nicht getan", so Oberst Prill.© Lisa Köppl "Mit der Lieferung alleine ist es nicht getan", so Oberst Prill.© Lisa Köppl

"Wiener Zeitung": Die Peschmerga haben in den vergangenen Monaten tonnenweise Waffen und Ausrüstung erhalten. Wie ist die Verteilung organisiert?

Oberst Bernd Prill: Es gibt ein Zentrallager, dort gehen alle Hilfslieferungen hin. Dieses Lager wird von den Peschmerga verwaltet. Je nach Bedarf werden Waffen oder weiteres geliefertes Material in Verantwortung der kurdischen Regionalregierung ausgegeben.

Information

Zur Person

Oberst Bernd Prill führt das deutsche Einsatzkommando im irakischen Erbil. Der 51-jährige Panzergrenadier war bei der Panzerlehrbrigade 9 im niedersächsischen Munster tätig, bevor er Erbil im November 2015 übernahm.

Viele Staaten liefern Kriegsmaterial. Ist die uneinheitliche Ausstattung ein Problem bei der Ausbildung?

Der erste Schritt der unterstützenden Nationen war es, möglichst rasch Waffen und Munition zu liefern, damit die Peschmerga im Kampf gegen den IS bestehen können. Wir haben daher quer durch die Bank unterschiedliche Waffen und Ausrüstung. Damit wurde dem dringendsten ersten Bedarf Rechnung getragen. Jetzt geht es um Nachhaltigkeit. Es muss eine Versorgungskette aufgebaut werden, in der nicht nur der weitere Nachschub geregelt wird, sondern auch Wartung und Instandsetzung. Im Zentrallager gibt es bereits eine Ausbildungswerkstatt. Dort lernen Peschmerga, Fahrzeuge instandzuhalten und die Lieferung von Ersatzteilen zu organisieren. Die beiden Brigaden, die wir selbst gerade ausbilden, sind einheitlich mit US-Gerät ausgestattet. Das macht die Sache insgesamt natürlich einfacher, sowohl für unsere Ausbilder und die Peschmerga, als auch was Wartung und Nachschub anbelangt.

Gibt es Überlegungen, die Peschmerga mit schweren Geräten wie Panzern zu beliefern?

Innerhalb der momentan auszubildenden Brigaden gibt es motorisierte Kräfte mit schweren US-Maschinengewehren vom Kaliber 50 und Mörsern, um auch auf weite Entfernung wirken zu können. Aber es ist seitens der Amerikaner und anderer Nationen nicht geplant, Panzer oder Ähnliches zu liefern. Mit der Lieferung alleine ist es ja auch nicht getan. Panzerfahrer müssen ausgebildet und die hochkomplexen Systeme gewartet werden.

Welche Rolle spielen die Peschmerga bei der Mossul-Offensive?

Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen den offiziellen irakischen Streitkräften, die unter anderem reine kurdische Bataillone eingegliedert haben, und den Sicherheitskräften der kurdischen Regionalregierung im Nordirak. Die Letzteren werden landestypisch "Peschmerga" genannt. Was die Mossul-Offensive betrifft, kann man sagen, dass sie zu 80 Prozent von den irakischen Streitkräften getragen wird. Die Peschmerga werden sicher ihren Beitrag leisten, vielleicht in einer Art Blocking-Position.





Schlagwörter

Interview, Irak, Erbil, Peschmerga

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-05-26 18:02:05
Letzte Änderung am 2016-05-26 18:50:08


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