• vom 29.08.2016, 17:54 Uhr

Weltpolitik


Türkei

In den Mühlen des Syrien-Krieges




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  • Die Türkei geht gegen Kurdenmilizen vor - und zeigt sich von US-Kritik unbeeindruckt.

Präsident Erdogan (l.) schickt die türkische Armee in den Syrien-Krieg.

Präsident Erdogan (l.) schickt die türkische Armee in den Syrien-Krieg.© apa/afp/turkish presidency press office Präsident Erdogan (l.) schickt die türkische Armee in den Syrien-Krieg.© apa/afp/turkish presidency press office

Ankara/Damaskus/Washington. Die türkische Armee schoss am Tag fünf ihrer Offensive aus allen Rohren. Man habe in Nordsyrien auf 16 Ziele gefeuert, und das mit schwerem Kaliber, hieß es aus Ankara. Ins Visier geraten seien "terroristische Gruppen" - wobei aus der Meldung nicht hervorgeht, ob damit bewaffnete kurdische Brigaden oder der IS gemeint sind.

Deutlich erkennbar ist, dass es der Türkei in erster Linie um die Schwächung der kurdischen Kampfeinheiten YPG geht. Im Einsatz gegen die Kurden sind auch syrische Rebellen, die den Großteil der Bodenkämpfe bestreiten sollen. Die Türkei will die kurdischen Einheiten hinter den Euphrat zurückdrängen. Vorbilder für die neue türkische Strategie gibt es. Auch Russland hat offiziell die Terroristen des IS bekämpfen wollen - dann aber vor allem der Armee Bashar al-Assads den Weg freigebombt und dabei auch moderate syrische Kräfte angegriffen.


Erster toter türkischer Soldat
Die Türkei hat die Operation "Euphrat Shield" am Mittwoch gestartet, es geht um das Abdrängen jener kurdischen Kräfte, die zuletzt mit Hilfe der USA den IS aus der Stadt Manbidsch vertrieben haben. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass man sich auf einen längeren Einsatz gefasst macht - auch wenn das offiziell dementiert wird. Mit den Panzern rollen Ambulanzwägen über die syrisch-türkische Grenze, Behandlungszelte und Container werden aufgestellt. Am Samstag hat es den ersten toten türkischen Soldaten gegeben, nachdem ein Panzer schwer getroffen worden war. Bei türkischen Luftangriffen waren Zivilisten getötet worden.

Eine neue Front neben den unzähligen bereits existenten hat sich in Syrien aufgetan. Die Lösung des Konflikts wird dadurch noch komplizierter.

In Washington ist man mit einem üblen Dilemma konfrontiert. Die, die man aufgerüstet hat - die Kurden -, werden vom wichtigsten Verbündeten in der Region - den Türken - angegriffen und dezimiert. Die USA haben die Kämpfe zwischen Kurden und Türken in Gebieten, in denen es keinen IS gebe, bereits als "inakzeptabel" kritisiert.

Die Kurden Syriens sind mehr als alarmiert, man fühlt sich von Washington verraten und bereitet sich auf die Verteidigung von Manbidsch vor. Von der Türkei unterstützte Rebellen hatten erklärt, man bereite die Eroberung der Stadt vor. Derzeit rüsten örtlichen Rebellengruppen in Manbidsch auf, so ein Kurdensprecher. Die YPG will daran nicht beteiligt sein, man bleibe östlich des Euphrat, heißt es. Aus Insiderkreisen hatte es zuvor geheißen, YPG-Kämpfer brächten Waffen und Personal in die Stadt.

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Schlagwörter

Türkei, PKK, Kurden, Syrien, USA

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Dokument erstellt am 2016-08-29 17:59:04


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