• vom 10.03.2017, 14:05 Uhr

Weltpolitik


Irak

"Alles ist zerstört"




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Von WZ-Korrespondent Markus Schauta

  • Vom Al-Salam-Krankenhaus in Mossul ist wenig übrig. Die Zerstörungen dort zeigen, wie heftig die Kämpfe zwischen der irakischen Armee und dem Islamischen Staat sind. Ein Lokalaugenschein.

Das Al-Salam Hospital von außen und von innen.

Das Al-Salam Hospital von außen und von innen.© M. Schauta Das Al-Salam Hospital von außen und von innen.© M. Schauta

Mossul. An einem Wintertag betritt Mohammed Ali zum ersten Mal seit Wochen das Areal des Al-Salam Hospitals in Mossul. 34 Jahre hat er hier als PC-Techniker gearbeitet. Doch jetzt ist vom einst größten Krankenhaus der Stadt nur eine ausgebrannte Ruine übrig. Der Parkplatz ist übersät mit Teilen der Fassade und Papierfetzen. "Ich bin erschüttert", sagt der graubärtige Mann. "Das Spital war mein zweites Zuhause." Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Freiwilliger schafft der 59-Jährige weg, was vom Krankenhaus-Inventar noch zu gebrauchen ist.

Das Spital war Schauplatz heftiger Kämpfe bei der Rückeroberung von Ost-Mossul. Der Islamische Staat (IS) hatte die zweitgrößte Stadt des Iraks Mitte 2014 eingenommen. Nun läuft die Operation der irakischen Streitkräfte, mit der die Stadt zurückgewonnen werden soll.


Anfang Jänner drangen Teile der 9. Division der Armee auf das Areal des Krankenhauses vor. Zu rasch, wie es heißt, denn die Soldaten gerieten in einen Hinterhalt. Die Dschihadisten des IS griffen über Dächer an, nutzten Tunnelsysteme und schickten Sprengstoffautos. Bei den schweren Gefechten starben dutzende Soldaten der Streitkräfte, ein halbes Dutzend Panzerfahrzeuge wurde zerstört. Die Armee musste sich zurückziehen. Erst durch den Einsatz irakischer Spezialeinheiten, unterstützt durch die US-Luftwaffe, konnte der IS zurückgeschlagen werden. Insgesamt waren 25 Bomben auf den Spitals-komplex abgeworfen worden.

Colonel Khaled Whadia - Tarnanzug, schwarze Haube, Handschuhe - gehört zur Spezialeinheit, die am Sturm auf das Krankenhaus beteiligt war. Jetzt ist er für den Abtransport des noch intakten Inventars verantwortlich.

In der verwüsteten Rezeption des Al-Salam Hospitals zieht der Colonel eine Pluderhose aus dem Schutt. "Daish", sagt er. Als die Dschihadisten flohen, zogen sie zivile Kleidung an und ließen alles zurück, was sie verraten könnte - neben ihrer Kampfausrüstung sind das auch die typischen Hosen. Auf die Frage, wie viele Soldaten der irakischen Armee ihr Leben beim Kampf um das Hospital verloren, will der Colonel nicht antworten.

In den dunklen Korridoren hängen Metallteile und Kabel von der Decke, Glas knirscht unter den Sohlen. Hier finden sich immer noch Zeugen der schweren Gefechte. Patronen unterschiedlicher Kaliber liegen am Boden verstreut, dazwischen Munitionskisten und die verkohlten Reste einer letzten Mahlzeit: Schmelzkäse und Datteln. Im Stiegenhaus die Leichen zweier IS-Kämpfer. Feuer hat die Körper verbrannt. "Die starben bei den Luftangriffen", sagt der Colonel. Sie zu begraben sei nicht seine Aufgabe. "Das machen andere."

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Schlagwörter

Irak, IS, Mossul

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Dokument erstellt am 2017-03-10 14:09:06


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