• vom 02.05.2017, 17:53 Uhr

Weltpolitik

Update: 03.05.2017, 08:45 Uhr

Südkorea

Angeknackstes Urvertrauen




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Von WZ-Korrespondent Fabian Kretschmer

  • Die Beziehungen zwischen Südkorea und den USA leiden unter den Spannungen in der Region.

Das THAAD-Raketenabwehrsystem ist seit Dienstag einsatzbereit - sehr zum Missfallen Pekings, das einen sofortigen Stopp fordert.

Das THAAD-Raketenabwehrsystem ist seit Dienstag einsatzbereit - sehr zum Missfallen Pekings, das einen sofortigen Stopp fordert.© ap Das THAAD-Raketenabwehrsystem ist seit Dienstag einsatzbereit - sehr zum Missfallen Pekings, das einen sofortigen Stopp fordert.© ap

Seoul. Nun reiht sich also auch Kim Jong Un in die Reihe jener autokratischen Machthaber ein, die vom US-Präsidenten lobende Anerkennung finden. Zuvor wurde bereits Syriens Bashar al-Assad, Ägyptens Fatih al-Sisi und dem philippinische Präsidenten Rodrigo Duterte diese fragwürdige Ehre zuteil. Donald Trump bezeichnete den nordkoreanischen Diktator in aktuellen Interviews als "kluges Köpfchen", der bereits in jungen Jahren zur Machtergreifung fähig war, und den zu treffen er sich "geehrt" fühlen würde.

Ob beabsichtigt oder nicht: der mediale Aufschrei auf Trumps Äußerungen folgte prompt. Doch es drängt sich auch ein durchaus interessanter historischer Vergleich auf: Anfang der 70er war es US-Präsident Richard Nixon, der trotz erbitterten Feindschaft zum Reich der Mitte Mao Zedong besucht hat. Dass Trump nun eine ähnliche Annäherung zu Nordkorea erreichen könnte, vielleicht zum Einfrieren des Nuklearprogramms beitragen und gar Anreize für Reformen nach chinesischem Vorbild setzen könnte, scheint das denkbar beste Szenario für die derzeit überaus konfliktbeladene Region in Ostasien.


Gleichzeitig besteht aber natürlich die Gefahr, dass das alles bloßes Wunschdenken bleibt, denn Trumps Gesprächsangebot reiht sich keinesfalls in eine auch nur ansatzweise konsistente Geopolitik ein. Ganz im Gegenteil: In den vergangenen Wochen und Monaten hat der US-Präsident vom einen Tag auf den nächsten vom zündelnden Dr. Strangelove zum versöhnlichen Salomon und wieder zurück gewechselt.

Mit seiner absoluten Unberechenbarkeit hat Trump ausgerechnet Südkorea, den jahrzehntelangen Alliierten, nachhaltig verunsichert. Allein in den letzten paar Wochen hat sich der Republikaner bereits mehr faux pas erlaubt als sein Vorgänger Barack Obama während dessen gesamter Amtszeit: In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" vom 12. April behauptete er etwa beiläufig, Korea sei "früher ein Teil von China gewesen" - eine Aussage, die nicht nur ein diplomatisches Fettnäpfchen sondergleichen ist, sondern in ihrer Vereinfachung auch schlicht unrichtig. Vergangenen Donnerstag verkündete Trump - entgegen einer gültigen Vereinbarung -, dass Südkorea für die Kosten des Ende April installierten Raketenabwehrsystems THAAD aufkommen solle.

Der Großteil der Südkoreaner lehnt das umstrittene US-Militärsystem allerdings ab. Zum einen schützt es das Land am Han-Fluss keinesfalls vor nordkoreanischen Kurz- und Mittelstreckenraketen. Zudem beschädigt es nachhaltig die Beziehung zum wichtigsten Handelspartner China. Nur Stunden, nachdem Washington am Dienstag den Raketenschild für vollkommen einsatzbereit erklärt hat, verlangte Peking einen unmittelbaren Stopp von THAAD. "Wir werden nötige Maßnahmen einleiten, um unsere Interessen aufrecht zu halten", heißt es in einer vage formulierten Stellungnahme des chinesischen Außenministeriums. Peking wertet den Raketenschirm als Eingriff in die nationale Souveränität, zudem sieht es das militärische Gleichgewicht in der Region dadurch aus der Balance geworfen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-02 18:00:06
Letzte Änderung am 2017-05-03 08:45:22


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