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Weltpolitik

Update: 28.11.2017, 20:56 Uhr

Afrika

Chinas neue Insel




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Von Markus Schauta

  • Rund eine Million Chinesen sind in den vergangenen zehn Jahren nach Afrika gekommen. Die Investitionen sprudeln.

Madagaskar im Osten Afrikas ist reich an Edelsteinen - und bietet damit Arbeitsplätze in den Bergwerken.

Madagaskar im Osten Afrikas ist reich an Edelsteinen - und bietet damit Arbeitsplätze in den Bergwerken.© Lihee Avidan/Getty Images Madagaskar im Osten Afrikas ist reich an Edelsteinen - und bietet damit Arbeitsplätze in den Bergwerken.© Lihee Avidan/Getty Images

Antananarivo. Als Gao Honggang vor 25 Jahren nach Madagaskar kam, sprach der Hongkong-Chinese weder Malagasy noch Französisch. Zu Fuß geht er drei Stunden vom Flughafen in die Hauptstadt. Ein Taxi will er sich nicht leisten. In Antananarivo helfen ihm andere Chinesen weiter, geben Tipps, vermitteln Kontakte. Honggang setzt auf das, worin er Meister ist: Kung Fu. In den 1990ern eröffnet er seine erste Kampfsportschule. Der Präsident des Inselstaates wird auf ihn aufmerksam, betraut ihn mit der Ausbildung der Garde. Heute sitzt der 58-Jährige im Maßanzug auf der Ledercouch seines klimatisierten Büros. An den Wänden chinesische Malereien. Als Generalsekretär der Gesellschaft für Chinesisch-Madagassische Beziehungen ist er erster Ansprechpartner für chinesische Geschäftsleute, die auf Madagaskar investieren wollen.

Seit dem Putsch im Jahr 2009 gilt Madagaskar als politisch instabil. Hinzu kommen Korruption, ein marodes Straßennetz und Stromarmut - Herausforderungen, denen sich Investoren stellen müssen. Dennoch, die Insel im Osten Afrikas ist reich an fruchtbaren Böden und Rohstoffen: Vanille und seltene Hölzer, Nickel, Cobalt und Edelsteine, um nur einige zu nennen. Bei den für Madagaskar wichtigsten Exportländern liegt China hinter Frankreich, den USA und Deutschland auf Platz vier. Bei den Importgeschäften ist es jedoch führender Handelspartner des Inselstaates: 23 Prozent der importierten Waren kamen 2016 aus China.


Die ersten chinesischen Einwanderer kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Madagaskar. Arbeit fanden sie in den Projekten der französischen Kolonialadministration; beim Straßen- und Eisenbahnbau und in den Plantagen. Ende der 1990er folgte die zweite große Einwanderungswelle. Die Neuzugewanderten arbeiteten nicht mehr als Bauern oder Hilfsarbeiter. Sie kamen, um zu investieren und Handel zu treiben. Zwischen 60.000 und 100.000 chinesische Staatsbürger sollen heute auf Madagaskar leben. Fest steht, dass die Insel die größte chinesische Community Afrikas beherbergt.

Schwärmt aus!
2001 trat China der Welthandelsorganisation (WTO) bei. Im selben Jahr gab die Regierung den zukünftigen Kurs der Wirtschaftsmacht vor. "Schwärmt aus!", rief sie den Einwohnern des bevölkerungsreichsten Staates der Welt zu. Und die Handelsfahrt begann. Rund eine Million Chinesen seien in den vergangenen zehn Jahren nach Afrika gekommen, schätzt der Journalist Howard French. Auf zahlreichen Reisen durch Sub-Sahara-Afrika hat der US-Amerikaner mit chinesischen Auswanderern gesprochen und die Ergebnisse seiner Recherchen im Buch "China’s Second Continent" (2015) veröffentlicht. Die Möglichkeiten für chinesische Zuwanderer seien groß. Nicht nur international agierende Unternehmen oder Staatsfirmen investieren in Afrika. Auch kleine Händler, Bauern und Angestellte setzen auf Chinas neuen Kontinent, so French. "Der Markt in China ist übersättigt", sagt Honggang. So sei es schwer, Geschäfte in der Kohle- oder Stahlindustrie zu machen. Anders in Afrika. Industriezweige, die in China vor 30 Jahren boomten, tun es in Afrika immer noch. Auch beim Stand der Technik sei die Entwicklung unterschiedlich: "Maschinen, die in China als veraltet gelten, kann man auf Madagaskar immer noch verkaufen."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-28 17:05:05
Letzte Änderung am 2017-11-28 20:56:05


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