• vom 13.12.2017, 15:03 Uhr

Weltpolitik

Update: 28.12.2017, 18:32 Uhr

Peru

"Für mich ist Cusco der Himmel"




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Von Lisz Hirn

  • Jenseits von Meerschweinchen, Machu Picchu und bunten Ponchos versucht Peru, den wirtschaftlichen Aufstieg zu schaffen, die Armut zu reduzieren und ein politisch ernst zu nehmender Partner in Südamerika zu werden.





Lima. Manuele lebt seit elf Jahren in Cusco, einer der höchstgelegenen Städte der Welt. Auf fast 3400 Metern liegt der einstige "Nabel" des Inkareichs inmitten der Anden. Und in dieser Stadt macht man mit den Inkas noch immer ein gutes Geschäft. Aus diesem Grund ist Manuele endgültig in Peru geblieben. Seine Heimat Italien sieht er selten. "Die Flugpreise von Europa nach Peru sind unglaublich hoch. Außerdem müsste ich meine ganze Familie mitnehmen, zumindest meine Ex und unseren Sohn." Manuele war bis vor einigen Jahren mit einer Cuzqueña verheiratet. Aus Liebe, wie er beteuert. "Die sind die besten Mütter überhaupt", gibt er sich überzeugt, aber etwas ist zwischen die beiden gekommen: "Ihre Familie. Ich werde hier als Ernährer ihrer gesamten Familie gesehen. Der Druck war einfach zu groß. Aber sie sorgt gut für meinen Sohn, damit bin ich zufrieden."

Manuele lebt in dem Hostel, in dem er auch Reisetouren zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Perus anbietet. Ein kleiner Schreibtisch mit einem klapprigen Stuhl im Innenhof und ein alter Computer - das ist sein Büro. "Für mich ist Cusco der Himmel. Ich kann gut von der Provision leben. Dinge wie den Titicacasee oder Machu Picchu will einfach jeder sehen." Und wer nach Machu Picchu will, der kommt an der Andenstadt Cusco mit ihren prachtvollen Sakralbauten nicht vorbei. Sie bezeugen die jahrhundertelange Anwesenheit der katholischen Kirche.


"Alles ist besser als Keiko"

Carmen Zavala (o.), Yerist.

Carmen Zavala (o.), Yerist. Carmen Zavala (o.), Yerist.

"Der Katholizismus ist ein großes Übel", sagt José Maúrtua und deutet dabei auf ein riesiges Plakat, das an einer Kirchenfassade hängt. Es kündigt den Besuch des Papstes im Jänner 2018 an. "Die katholische Kirche ist noch immer sehr stark. Sie verstärkt unter anderem den bestehenden Machismo." José unterrichtet Philosophie an einer der staatlichen Universitäten. Jahrelang hat er sich aktiv gegen den Einfluss der Kirche gestellt. "Heute mag ich nicht mehr. Das sollen andere tun."



Auch von der Politik gibt sich José enttäuscht, obwohl der einstige Diktator und Präsident Alberto Fujimori seit längerem hinter Schloss und Riegel ist. Seine Tochter Keiko wurde bei der Wahl 2016 abgewählt. Zu stark wirkte das negative Andenken ihres Vaters Alberto nach. Als peruanischer Präsident von 1990 bis 2000 besiegte Alberto zwar die Terrororganisation "Leuchtender Pfad" und legte mit zahlreichen Reformen den Grundstein für das Wirtschaftswachstum, griff dabei aber selbst tief in die Landeskasse. Die Vorwürfe gegen Alberto Fujimori reichen von Bestechung bis Mord. Gegen Keiko gibt es ähnliche Vorwürfe.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-13 15:08:15
Letzte Änderung am 2017-12-28 18:32:12


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