• vom 07.01.2018, 08:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.01.2018, 18:10 Uhr

USA

Der Preis des Irrsinns




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Von Klaus Stimeder

  • Das zweite Jahr seiner Amtszeit wird allem Ermessen nach zum entscheidenden für US-Präsident Trump.


© Wolfgang Ammer © Wolfgang Ammer

Der Mensch an sich mag von Natur aus ein Gewohnheitstier sein; aber sich an einen US-Präsidenten Donald Trump zu gewöhnen, so viel steht am Ende seines ersten Jahres im Weißen Haus fest, gebietet in puncto Anpassungsfähigkeit einen Kraftakt, der die Mehrheit der US-Bürger schlicht und einfach überfordert. Sämtliche aussagekräftigen Studien, die sich der Auswirkungen der Präsidentschaft des 70-jährigen Ex-Reality-TV-Stars auf die nationale Psyche annehmen, kommen zum gleichen, eindeutigen Ergebnis. Nach einem Jahr Präsident Trump ist das US-Stresslevel so hoch wie nie zuvor, und das bei weitem nicht nur unter von der Deportation bedrohten illegalen Einwanderern.

Jüngsten Erhebungen der American Psychological Association (mit rund 118.000 Mitgliedern ist sie die mit Abstand größte und wichtigste Standesorganisation professioneller US-Seelenklempner) zufolge stellt die aktuelle politische Situation für 57 Prozent der US-Einwohner einen "signifikanten Stressfaktor" dar. Diese Zahl stellt den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2007 dar. Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Ergebnisses gab die Organisation eine offizielle Empfehlung ab, wie Leute, denen die täglichen verbalen und politischen Entgleisungen des New Yorker Immobilienmagnaten zu sehr zusetzt, ihre Lebensqualität aufrechterhalten respektive verbessern könnten.



Das Rezept der Psychologen könnte sich simpler kaum darstellen: So gut es geht alles ausblenden, was in Washington passiert, jegliche Form von politischen Nachrichten bewusst nur in homöopathischen Dosen konsumieren - und selbst das nur dann, wenn es einem wirklich unbedingt notwendig erscheint. Der Umstand, dass es mit dem Fortschritt der Zeit offenbar immer mehr Menschen gelingt, diesem Rat zu folgen, ändert freilich nichts an der normativen Kraft des real existierenden Trumpismus, der ungeachtet jeder objektiven Wirklichkeit täglich neue alternative Fakten schafft.


2018 könnte als das erste Jahr in die US-Geschichte eingehen, in dem diesem an der Wahlurne erstmals in signifikantem Umfang Einhalt geboten wird (Stichwort Midterms) - aber Garantie gibt es dafür längst keine. Und selbst wenn es die Demokraten wider Erwarten schaffen sollten, eine der beiden Kongresskammern zurückzuerobern, ist der im Jahr eins des Donald Trump entstandene Schaden für die USA im In- und Ausland bereits jetzt in vieler Hinsicht irreparabel.

Rechtsstaat von innen unter systematischem Beschuss
Auch wenn sich das Gros der professionellen politischen und publizistischen Klasse des Landes immer noch schwer mit diesem Eingeständnis tut: Der Rechtsstaat steht in den USA heute unter systematischem Beschuss von innen, und da und dort ist er bereits außer Kraft gesetzt. Wenn ein Verbrecher und amtlich verbürgter Folterknecht wie Ex-Sheriff Joe Arpaio vom Präsidenten höchstselbst eine Garantie auf eine Begnadigung bekommt, noch bevor das Urteil über seine Untaten Rechtskraft erlangt hat, hat das eine Qualität, die nicht einmal von den übelsten Bananenrepubliken dieser Welt unterboten wird.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-28 15:41:08
Letzte Änderung am 2018-01-07 18:10:23


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