• vom 03.01.2018, 18:02 Uhr

Weltpolitik

Update: 03.01.2018, 18:23 Uhr

USA

Wer ist der Stärkere?




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Klaus Huhold

  • Trump liefert sich das nächste verbale Scharmützel mit Nordkoreas Führer Kim Jong-un.



Washington/Wien. Das Duell zwischen Donald Trump und Kim Jong-un erinnert an eine Auseinandersetzung auf einem Schulhof: Die zwei Streithähne nehmen drohende Posen ein, beschimpfen einander, machen sich über den Gegner lustig und rühmen sich der eigenen Stärke. Der jüngste Akt: Trump hat Kim per Kurznachrichtendienst Twitter darauf hingewiesen, dass sein Atomwaffenknopf "größer und mächtiger" sei. "Und meiner funktioniert", fügte er hinzu. Zuvor hatte Kim in seiner Neujahrsansprache gesagt, sein Atomwaffenknopf befinde sich immer auf seinem Schreibtisch. Die gesamten USA seien in Reichweite der nordkoreanischen Atomwaffen.

Mit Trump und Kim stehen sich aber keine zwei Schulburschen gegenüber, sondern der Präsident der Vereinigten Staaten und das Staatsoberhaupt des kommunistischen Nordkorea. Damit sind sie die zwei wichtigsten Akteure in einem Konflikt, der auch 2018 zu einem der potenziell gefährlichsten der Welt zählen wird. Die große Frage lautet: Schlägt tatsächlich einer der beiden Kontrahenten zu?


Nordkorea, so sind sich die meisten Beobachter einig, hat wenig Anlass dazu. Denn auch wenn das Regime in Pjöngjang große Zerstörungen - vor allem in dem mit den USA verbündeten Nachbarland Südkorea - anrichten könnte, würde es vernichtet werden, weil Nordkorea auf lange Sicht militärisch unterlegen ist.



Etwas anders verhält es sich bei den USA. Zwar können auch diese wenig Interesse an einem Krieg haben, der Ostasien in Schutt und Asche legen und unabsehbare Folgen haben würde. Gleichzeitig will Trump aber unbedingt verhindern, dass sich die Bedrohung durch Nordkorea noch vergrößert - Experten bezweifeln aber, dass Pjöngjang tatsächlich mit Atomsprengköpfen bestückte Raketen zielgenau Richtung USA abfeuern kann, aber bald könnte es so weit sein.

Süd- und Nordkorea stellen Telefonverbindung wieder her



Mike Mullen, der frühere US-Generalstabschef, fürchtet sogar, dass die Vereinigten Staaten "einem Nuklearkrieg mit Nordkorea näher sind als jemals zuvor". Mullen sagte kürzlich dem Fernsehsender ABC, die Rhetorik Trumps deute darauf hin, dass er aggressiver gegen Nordkorea vorgehen wolle. Davon hätten ihn bisher wohl lediglich seine Berater abhalten können.

Die Unberechenbarkeit Trumps löst auch in Südkorea große Befürchtungen aus. Seoul und Washington befinden sich auch in unterschiedlichen Positionen: Während die USA Kim in die Schranken weisen wollen, ist das wesentlich stärker bedrohte Südkorea mehr daran interessiert, dass sich die Lage entspannt.

Genau hier will nun Kim einen Keil hineintreiben, warnen konservative südkoreanische Kommentatoren, aber auch US-Diplomaten. Denn gegenüber Seoul gibt er sich plötzlich konziliant.

Nicht nur hatte Kim bei seiner Neujahrsansprache Gespräche mit dem Süden vorgeschlagen - woraufhin Seoul ein ähnliches Angebot unterbreitete, weshalb nächste Woche bereits verhandelt werden könnte. Unter anderem darüber, ob Nordkorea ein Team zu den Olympischen Winterspielen nach Pyeongchang schickt, was die Wahrscheinlichkeit einer nordkoreanischen Störaktion verringern würde.

Darüber hinaus haben Nord- und Südkorea am Mittwoch zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren wieder über ihre Telefonleitung an der Grenze miteinander kommuniziert. Nordkorea hatte die Leitung damals geschlossen, weil Südkorea sich wegen Kims Politik aus dem gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong zurückgezogen hatte. Dass diese Leitung wieder offen ist, hat weit mehr als symbolische Bedeutung. In heiklen Situationen kann sie über Krieg und Frieden entscheiden. Wenn es an der Grenze zu Zwischenfällen, etwa einem Scharmützel zwischen Soldaten kommt, macht es enormen Unterschied, ob Nord- und Südkorea über einen Kommunikationskanal verfügen, um die Situation vielleicht noch zu bereinigen. Oder ob sie nur noch aufeinander schießen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-03 18:08:11
Letzte Änderung am 2018-01-03 18:23:55


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Überraschung bei Präsidentschaftswahlen
  2. Russland sieht Verhältnis zu Israel beschädigt
  3. Neue Anschuldigungen gegen Richterkandidat Kavanaugh
  4. Alternativ-Nobelpreis thematisiert Menschenrechte
  5. Peking verbietet Unabhängigkeitspartei
  6. Neue Sonderzölle in Kraft
  7. Agentur: Moskau will S-300-Flugabwehrsystem nach Syrien liefern

Werbung




Werbung