• vom 12.01.2018, 07:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 12.01.2018, 10:49 Uhr

Haiti

Das Wunder von Port-au-Prince




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Von WZ-Korrespondent Philipp Hedemann

  • Vor acht Jahren erschütterte eines der verheerendsten Erdbeben Haiti. Eine Unternehmerin trotzt der Zerstörung.

"Viele lagen wie ich unter den Trümmern. Viele haben noch Schlimmeres durchgemacht als ich", erzählt Nadine Cardozo-Riedl.

"Viele lagen wie ich unter den Trümmern. Viele haben noch Schlimmeres durchgemacht als ich", erzählt Nadine Cardozo-Riedl. "Viele lagen wie ich unter den Trümmern. Viele haben noch Schlimmeres durchgemacht als ich", erzählt Nadine Cardozo-Riedl.

Port-au-Prince. Rund 316.000 Menschen starben, hunderttausende wurden verletzt - fast zwei Millionen fanden sich in der Obdachlosigkeit wieder. Zu den Opfern des Bebens der Stärke 7,0 am 12. Januar auf Haiti gehörte auch Nadine Cardozo-Riedl. 105 Stunden lag die mit einem Zahnarzt aus dem bayerischen Bad Aibling verheiratete Frau schwer verletzt unter den Trümmern ihres Luxushotels, dann wurde sie lebendig geborgen. Heute baut sie das "Montana", in dem bereits US-Präsident Bill Clinton, UN-Generalsekretär Kofi Annan, Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Hollywood-Stars wie Brad Pitt und Angelina Jolie zu Gast waren, wieder auf. Die starke Unternehmerin macht dem immer wieder von Naturkatastrophen erschütterten ärmsten Land der westlichen Hemisphäre Mut. Ihre Kraft zeugt vom unzerstörbaren Überlebenswillen der Haitianer.

"Höhlenforscherin werde ich wohl nicht mehr. Vier Tage unter der Erde haben mir für den Rest des Lebens vollkommen gereicht." Das Beben hat Nadine Cardozo-Riedl fast getötet, ihren Humor hat es ihr nicht nehmen können. Kerzengerade sitzt die elegante 70-Jährige auf der Terrasse ihres Hotels und berichtet in perfektem Deutsch von jenen verhängnisvollen Tagen, über die sie eigentlich nicht mehr sprechen wollte. "Ich bin 70 Jahre alt. Davon habe ich 105 Stunden unter den Trümmern meines Hotels verbracht. Diese vier Tage sollen nicht den Rest meines Lebens dominieren", sagt die gebürtige Haitianerin, die ihren Mann bei den Olympischen Sommerspielen in München 1972 kennengelernt hat.



"Viele lagen wie ich unter den Trümmern. Viele haben noch Schlimmeres durchgemacht als ich. Ich will mich mit meiner Geschichte nicht über andere erheben", sagt die Hotelmanagerin. Von sich aus spricht sie nie über das Beben. Sie schaut lieber nach vorne - und doch bestimmt die Katastrophe vom 12. Januar 2010 seither ihr Leben. Am späten Nachmittag jenes Dienstages sitzt sie mit ihrem Generalmanager Nicolas in ihrem Büro neben der Rezeption und bespricht die Buchungen der nächsten Wochen. Die Zahlen sind gut. Cardozo-Riedl ist zufrieden.

Baut ihr verwüstetes Hotel wieder auf: Nadine Cardozo-Riedl (oben) gibt nicht auf.

Baut ihr verwüstetes Hotel wieder auf: Nadine Cardozo-Riedl (oben) gibt nicht auf.© Hedemann/Cardozo-Riedl Baut ihr verwüstetes Hotel wieder auf: Nadine Cardozo-Riedl (oben) gibt nicht auf.© Hedemann/Cardozo-Riedl

Dann bricht die Katastrophe über Haiti herein. Um 16.53 Uhr verschieben sich rund 25 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince die nordamerikanische und die karibische Platte, lassen hundertausende Gebäude im ärmsten Karibikstaat einstürzen, auch das "Montana". Als Nadine Cardozo-Riedl wieder zu sich kommt, liegt sie unter einer eisernen Tür. Über sich hat die 1,75 Meter große Frau gerade einmal fünf Zentimeter Luft, darüber türmen sich die Trümmer von vier Stockwerken. Ein Stahlträger hat sich in ihr Bein gebohrt.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-11 16:03:10
Letzte ─nderung am 2018-01-12 10:49:11



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