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Weltpolitik

Update: 19.01.2018, 16:07 Uhr

Marihuana

Schönes neues Grasland




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Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

  • Seit Jahresbeginn ist der Besitz und Verkauf von Marihuana in Kalifornien nahezu vollständig legal.

Arbeiter in Oakland, Kalifornien - bei der Herstellung von Schokolade.

Arbeiter in Oakland, Kalifornien - bei der Herstellung von Schokolade.© afp Arbeiter in Oakland, Kalifornien - bei der Herstellung von Schokolade.© afp

Pasadena/Los Angeles. Er schaut ein bisschen verloren aus, aber der Eindruck täuscht. Wie jeden Nachmittag, an dem er Vorlesungen hat - im aktuellen Wintersemester jeden Tag außer Mittwoch -, sitzt Ezra C. am Rand der sogenannten Mirror Pools, einem Brunnenensemble, das den Campus des Pasadena City College zum Colorado Boulevard hin begrenzt.

Ein sehr amerikanischer Ort, an wenigen anderen fühlt man sich dem westlichen Ende des Kontinents näher als hier. Über der Straße weist ein Schild darauf hin, dass sich die Autofahrer auf dem letzten Abschnitt der alten Route 66 befinden, während sich an ihren Rändern klassische Fast-Food-Händler wie McDonald’s und Jack-in-the-Box mit vietnamesischen und chinesischen auffädeln. Jackie Robinson, der erste schwarze Profi-Baseballer, hat hier studiert, der Schauspieler Nick Nolte, Gitarrengott Eddie van Halen und die Science-Fiction-Schriftstellerin Octavia Butler.

Ezra hat für das Erbe der Institution wenig übrig. Seiner täglichen Routine entsprechend, hat sich der Student ein Tofu-Sandwich und einen Eistee gekauft und jetzt sitzt er da und wartet auf Kundschaft. Er hat den letzten Bissen noch nicht runter, als die erste erscheint. Eine junge Latina, die sich vor der Yoga-Klasse noch schnell für den Rest der Woche eindecken will. 35 Dollar für fünf Gramm, die Transaktion erfolgt fast wortlos. Das Geschäftsmodell des 20-jährigen Ezra ist einfach: Er macht das Angebot, die Kommilitonen bestimmen die Nachfrage. Das war bis Ende 2017 so und, glaubt man ihm, wird das auch in Zukunft so bleiben. "Klar sind die Leute über die Legalisierung erleichtert. Aber das heißt nicht, dass sie deswegen jetzt alle in die Weed-Shops rennen. Und davon abgesehen, dass ich viele Stammkunden habe, ist es dort teurer als bei mir."

Sessions fordert null Toleranz
Wenn das mal Justizminister Jeff Sessions hört. Der 71-jährige Ex-Senator von Alabama, seit seiner Entscheidung, sich aus der Untersuchung der Russland-Affäre herauszuhalten, bei Präsident Trump in Ungnade gefallen, gab dieser Tage eine folgenreiche Weisung aus. Nachdem Washington den Gebrauch und Verkauf von Marihuana nach wie vor unter Strafe stellt, forderte Sessions die Bundes-Staatsanwälte auf, diesbezüglich keine Gnade mehr walten zu lassen. Damit handelte er sich nicht nur einen Shitstorm auf Social Media ein, sondern verprellte sogar manche seiner eigenen Parteigänger. Allen voran Cory Gardner, den konservativen Gouverneur Colorados - seit 2014 der erste Bundesstaat, der den Verkauf der Droge legalisierte und dessen Landeskassa jetzt vor Steuereinnahmen nur so übersprudelt.

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Dokument erstellt am 2018-01-19 08:44:13
Letzte Änderung am 2018-01-19 16:07:04