• vom 12.02.2018, 16:32 Uhr

Weltpolitik

Update: 12.02.2018, 16:47 Uhr

Afghanen

Tausende Afghanen kämpfen als Söldner in Syrien




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Von Anne Chaon

  • Iranische Revolutionsgarden werben vor allem schiitische Hazara an.

Iran behandelt Rekruten "wie Sklaven".

Iran behandelt Rekruten "wie Sklaven".© reuters Iran behandelt Rekruten "wie Sklaven".© reuters

Kabul/Bagdad. (afp) Für Shams ging es "nur ums Geld" in Syrien. Wie tausende andere schiitische Afghanen hat er sich vom Iran als Söldner anwerben lassen, um die syrische Regierung von Bashar al-Assad zu verteidigen. "Für mich war es eine Frage des Geldes. Ich habe dort niemals jemand getroffen, der aus religiösen Gründen gekämpft hat", sagt der junge Schiit der Volksgruppe der Hazara.

Er war 2016 zwei Mal zum Kämpfen in Syrien, inzwischen ist er aber nach Kabul zurückgekehrt. Rund 15.000 Afghanen sollen zur Brigade der Fatimiden gehören, die im Sold des Iran in Syrien kämpft. Nachdem die iranischen Revolutionsgarden zunächst afghanische Flüchtlinge im Iran rekrutiert hatten, werben sie heute auch schiitische Hazara in Afghanistan an. Viele Angehörige dieser seit langem diskriminierten Volksgruppe sind in ihrer Heimat ohne Arbeit und daher leicht zu rekrutieren.


"Sie sagen dir, du wirst die heiligen Stätten verteidigen, du wirst ein Freiheitskämpfer sein", sagt Shams, der eigentlich anders heißt. Was ihn aber wirklich gelockt habe, sein Leben in einem Krieg zu riskieren, der nicht der Seine ist und den er nicht verstand, sei das Versprechen auf eine zehnjährige Arbeitserlaubnis im Iran gewesen und einen Sold von drei Millionen Toman (750 Euro).

Shams war eigentlich auf der Suche nach Arbeit in den Iran gekommen, doch da er nichts fand, ließ sich der 25-Jährige für den Kampf in Syrien anwerben. Zunächst wurde er zur Ausbildung südlich von Teheran geschickt, wo die Revolutionsgarden ihn und afghanische Landsleute "zwischen 14 und 60 Jahren" im Umgang mit einer Kalaschnikow unterwiesen. Anschließend ging es in einem Flugzeug der Revolutionsgarden nach Syrien, wo er im Mai und Juni 2016 eine Kaserne bei Damaskus bewachte. Der Einsatz verlief ohne Zwischenfälle, weshalb er im September entschied, ein zweites Mal nach Syrien zurückzukehren. Diesmal ging es jedoch direkt an die Front in der umkämpften Stadt Aleppo, wo er den Dschihadisten der Al-Nusra-Front gegenüberstand.

"In Aleppo sind wir in einen Hinterhalt geraten. Von hundert Kämpfern haben nur 15 überlebt", berichtet Shams. "Wenn du stirbst, schicken sie deine Leiche in den Iran." Die Familien in Afghanistan erhalten zwar den Sold des Gefallenen, doch seine Leiche bekommen sie nicht. Ihnen bleibt nur eine Trauerfeier ohne Sarg.

Der Forscher Ali Alfoneh vom Atlantic Council hat seit September 2013 mehr als 760 Afghanen gezählt, die in Syrien gefallen sind. Laut Human Rights Watch (HRW) zählt die afghanische Brigade der Fatimiden rund 15.000 Kämpfer, die pakistanische Brigade Zeinabjun rund tausend. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da die iranischen Revolutionsgarden zu dem Thema eisern schweigen. Auch viele Kämpfer wollen nicht sprechen. Das Thema ist in Syrien ebenso sensibel wie im Iran und in Afghanistan. "Ihre Zahl ist ein Militärgeheimnis", sagt der Hazara-Abgeordnete Ramasan Bashardost in Kabul. Der Iran behandele die Rekruten wie Sklaven, während sich die afghanische Regierung nicht zuständig fühle für "das Unglück und den Hunger der Leute", auch wenn das Thema mehrfach im Parlament diskutiert worden sei.

Nach einem HRW-Bericht zur Rekrutierung von Minderjährigen rief Kabul den Iran immerhin auf, keine Jugendlichen mehr nach Syrien zu schicken. Der Sold und die Aussicht auf eine Arbeitserlaubnis sind aber ein starker Anreiz für Menschen, die weder Arbeit noch Geld haben. Shams jedoch will in Kabul bleiben und hofft, einen Laden zu eröffnen. "Wenn einer hier einen Job hat, würde ich ihm niemals raten zu gehen", sagt der junge Mann.




Schlagwörter

Afghanen, Söldner, Hazara, Syrien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-12 16:35:24
Letzte Änderung am 2018-02-12 16:47:21


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