• vom 13.02.2018, 18:14 Uhr

Weltpolitik

Update: 13.02.2018, 20:34 Uhr

Südafrika

Das Ende eines Überlebenskünstlers




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Klaus Huhold

  • Die Tage von Jacob Zuma als Südafrikas Präsident sind gezählt. Seine eigene Partei, der ANC, hat sich von ihm abgewandt.

Zuma ist nach einem hohen Aufstieg tief gefallen. - © reuters/Siphiwe Sibeko

Zuma ist nach einem hohen Aufstieg tief gefallen. © reuters/Siphiwe Sibeko

Zum Vergrößern bitte anklicken.

Zum Vergrößern bitte anklicken. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Pretoria/Wien. Es gab Zeiten, in denen konnte Jacob Zuma die Massen begeistern. Da sang er sein ebenso berühmtes wie berüchtigtes Lied "Bring mir mein Maschinengewehr" - ein Anti-Apartheid-Song, in dem zur Jagd auf Buren aufgerufen wird -, und ganze Hallen tanzten mit. Als er 2007 zum Vorsitzenden der Regierungspartei African National Congress (ANC) gewählt wurde, hatte er den Großteil der Provinzen, die Jugend- und Frauenliga der Partei sowie einflussreiche Gewerkschafter hinter sich.

Nun, zehn Jahre später, ist es einsam um den 75-Jährigen geworden. In der Öffentlichkeit ist er in den vergangenen Tagen nur noch sehr selten aufgetreten, er hat sich großteils hinter die eigenen vier Wände zurückgezogen. Dort bekam der Staatschef immer wieder Besuch von Parteikollgen, die ihm wenig erfreuliche Nachrichten überbrachten: Sie forderten Zuma dazu auf, als Präsident zurückzutreten. Am Dienstag hat der ANC dieses Ansinnen, das bisher parteiintern besprochen wurde, auch öffentlich gemacht: Der Staatschef müsse im Interesse des Landes rasch seinen Amtsverzicht erklären, verkündete Generalsekretär Ace Magashule bei einer Pressekonferenz.

Grafik zum Vergrößern bitte anklicken.

Grafik zum Vergrößern bitte anklicken. Grafik zum Vergrößern bitte anklicken.

Auch Zumas Nachfolger steht schon fest: Der ANC hat offenbar bereits beschlossen, dass Vizepräsident Cyrill Ramaphosa das Präsidentenamt übernehmen soll. Der frühere Gewerkschaftschef, der später als Unternehmer einer der reichsten Männer Südafrikas wurde, ist beim ANC-Kongress im Dezember bereits zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Zuma hatte damals Nkosazana Dlamini-Zuma - die langjährige Politikerin ist eine der vier Ehefrauen des polygamen Zuma - für seine Nachfolge in Stellung gebracht. Doch diese unterlag bei der Abstimmung Ramaphosa.


Seitdem war klar, dass Zuma viele Unterstützer und damit seine Machtbasis in der Partei verloren hatte. Die Frage lautete seitdem eigentlich nicht mehr, ob, sondern wann er abtreten muss.

Großer Druck aus der Partei
Nun ist es so weit. Doch Zuma sträubt sich offenbar. Südafrikanischen Medien zufolge hat er sich zwar bereit erklärt zurückzutreten. Doch will er sich damit noch drei bis sechs Monate Zeit lassen. Zuma habe gesagt, dass er nicht gleich weichen wolle, weil er nichts Falsches gemacht habe, berichtete die Zeitung "Mail & Guardian" unter Berufung auf ein hochrangiges ANC-Mitglied. Die Partei fordert jedoch, dass er sofort geht.

Ob der (Noch-)Präsident tatsächlich um sein Amt kämpfen oder nur den Preis für seinen Rückzug in die Höhe treiben will, blieb vorerst unklar. Jedenfalls spielt Zuma mit dem Feuer. Denn die Opposition will am Freitag einen Misstrauensantrag gegen Zuma stellen. Wenn es so weit kommt, könnten auch ANC-Mitglieder gegen Zuma stimmen und den eigenen Präsidenten stürzen, was eine Blamage für diesen wäre. ANC-Generalsekretär Ace Magashule sagte, dass die Partei den Abgang Zumas "mit größtmöglicher Würde" gestalten wolle. Und dass er erwarte, dass sich Zuma am Mittwoch zu seiner Zukunft äußere.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-13 18:17:24
Letzte Änderung am 2018-02-13 20:34:16


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Trump erhebt schwere Vorwürfe
  2. Das Imperium wird zurückschlagen
  3. Es wird enger für Wikileaks-Gründer Assange
  4. Ahlams Traum
  5. Neuer Ärger für Trump
  6. Hamas rief Gaza-Waffenruhe mit Israel aus
  7. Jedes Sandkorn zählt

Werbung




Werbung