• vom 19.02.2018, 18:04 Uhr

Weltpolitik

Update: 19.02.2018, 21:57 Uhr

Syrien

Türkischer Vorstoß auf Afrin bleibt stecken




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Von Michael Schmölzer

  • Milizen des Assad-Regimes könnten den Kurden zu Hilfe kommen. Ankara will eine militärische Konfrontation vermeiden.

Türkische Soldaten versuchen Kontrolle über die kurdische Enklave Afrin zu erhalten.

Türkische Soldaten versuchen Kontrolle über die kurdische Enklave Afrin zu erhalten.© AP Türkische Soldaten versuchen Kontrolle über die kurdische Enklave Afrin zu erhalten.© AP

Ankara/Damaskus/München. Die Türkei stößt in Nordsyrien auf neue Probleme. Die Kurdenmiliz YPG, die von Ankara bekämpft wird, bekommt jetzt Unterstützung von der syrischen Armee oder von regierungstreuen Milizen. Die Führung in Damaskus hat den türkischen Einmarsch auf ihr Territorium als kriegerischen Akt gewertet und scharf verurteilt. Bereits am Montag sollen erste syrische Kämpfer in Richtung Afrin marschiert sein. Schon in den vergangenen Tagen hatten dort die Kurden über einen südöstlichen Korridor Richtung Aleppo Verstärkung erhalten - mit Billigung des syrischen Regimes.

Die Frage ist, ob die syrische Armee die YPG kontrollieren will, oder ob Einheiten von Präsident Bashar al-Assad gemeinsam mit den Kurden gegen die Türkei kämpfen. Im ersten Fall könnte Ankara den türkischen Einmarsch als Erfolg verkaufen, ein autonomes Kurdistan wäre dann stark in Gefahr. Tritt Zweiteres ein, hat der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit militärischer Gewalt auch gegen Assads Armee gedroht.


Es ist aber nicht davon auszugehen, dass die Türkei eine direkte Konfrontation sucht. Das schon deshalb, weil die Regimekräfte vom Kreml unterstützt werden. Somit stünden die Türken in Syrien nicht nur den USA gegenüber, sondern auch Russland. Am Montag telefonierten der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin, um die gefährliche Situation zu entschärfen.

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Grafik zum Vergößern bitte anklicken.© APA, Wiener Zeitung Grafik zum Vergößern bitte anklicken.© APA, Wiener Zeitung

Die syrischen Truppen und die YPG haben bis jetzt militärische Zusammenstöße vermieden. Assad will allerdings die Kontrolle über das ganze Land wiedererlangen, die Kurden fordern einen autonomen Staat im Norden, wo sie sich festgesetzt haben. Sie werden von den USA unterstützt, die hoffen, künftig eine Rolle zu spielen, und den wachsenden Einfluss des Iran für gefährlich halten.

Die vom Iran unterstützte Hisbollah kämpft Seite an Seite mit der syrischen Armee und Russland gegen die Rebellen. Besonders beunruhigt ist Israel. Premier Benjamin Netanjahu hat in München auch einen direkten Angriff auf den Iran nicht ausgeschlossen. Hier glaubt man, dass Teheran die Region mit einem Netz an Stellvertretern (wie die Hisbollah) überziehe.

Der türkische Vorstoß auf Afrin ist jedenfalls stecken geblieben, die Stadt ist in kurdischen Händen. Das Terrain ist gebirgig, die Kurden kennen hier jeden Quadratmeter. Dazu kommt, dass die YPG-Einheiten aus hochmotivierten Kämpfern bestehen. Die Türkei beklagt dutzende Gefallene, die kurdischen Verluste betragen ein Vielfaches. Durch die türkischen Luftangriffe sollen auch Zivilisten getötet worden sein. Das Ziel, die Provinz Afrin dauerhaft zu kontrollieren, dürfte Ankara trotzdem nicht erreichen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-19 18:08:27
Letzte Änderung am 2018-02-19 21:57:21


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