• vom 28.02.2018, 17:29 Uhr

Weltpolitik

Update: 28.02.2018, 17:35 Uhr

Ägypten

Nubische Hoffnungen




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Von Markus Schauta

  • Knapp 5000 Hektar Land und einige Millionen Pfund hat der ägyptische Präsident den Nubiern in Aussicht gestellt. Wende in den seit Jahrzehnten angespannten Beziehung zwischen Regierung und Minderheit oder Wahlkampfrhetorik?

Kaffeepause im Nubischen Dorf El Salam. - © David Degner/Getty Images

Kaffeepause im Nubischen Dorf El Salam. © David Degner/Getty Images

Kairo. Das Gebiet südlich von Aswan bis weit in den Sudan hinein gilt als Land der Nubier. Schon zur Zeit des alten Ägypten leben sie am Ufer des Nil, als 25. Dynastie herrschen Nubier als Pharaonen über Ägypten. Heute ist ein großer Teil des traditionellen nubischen Siedlungsgebietes im Wasser des Nasser-Stausees versunken. Im Zuge der Bauarbeiten am Staudamm ließ die ägyptische Regierung 1964 etwa 50.000 Nubier umsiedeln. Ihre Dörfer und Palmen, Friedhöfe und heiligen Orte versanken im 500 Kilometer langen und bis zu 35 Kilometer breiten Stausee. Der damalige Präsident Gamal Abdel Nasser versprach, dass die Umsiedelung nur für kurze Dauer sei und sie später neues Land am Ufer des Stausees erhalten würden. Doch Nasser starb und sein Versprechen wurde bis heute nicht eingelöst.

Frust frisst Hoffnung
Als Ägypten im Jänner 2014 eine neue Verfassung erhält, knüpfen sich die Hoffnungen der Nubier an den darin enthaltenen Artikel 236. Der Artikel verpflichtet den Staat, der nubischen Bevölkerung im Süden Ägyptens innerhalb von zehn Jahren Land entlang des Stausees zu übertragen und dieses mit der notwendigen Infrastruktur auszustatten. Fatma Emam kennt den Wortlaut von Artikel 236 genau. Die in Kairo lebende Übersetzerin und Frauenrechtlerin war 2014 eine Beraterin des nubischen Schriftstellers Haggag Addoul, der an der Ausarbeitung des Verfassungstextes beteiligt war. Doch aus Hoffnung wurde Frustration. "Seit die neue Verfassung vor vier Jahren in Kraft trat, haben sich die Dinge verschlechtert", sagt die 35-Jährige. Denn noch im selben Jahr, in dem Ägypten seine neue Verfassung erhielt, gibt es einen Erlass von Präsident Abd al-Fattah as-Sisi, der Land an der Grenze zum Sudan zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Land, das die Nubier als Siedlungsgebiet beanspruchen und das jetzt weder bewohnt noch als Farmland genutzt werden darf.


Dabei bleibt es nicht. In einem weiteren Erlass gibt die Regierung 2016 rund 390 Hektar altes nubisches Siedlungsgebiet südlich von Aswan zum Verkauf an ägyptische und ausländische Investoren frei. Es kommt zu Protesten. Der Verkauf des Landes wird abgebrochen. "Zumindest behauptet die Regierung das", so Emam. "Ob sie das Land im Geheimen dennoch verkauft hat, wissen wir nicht."

Vom Nil in die Wüste
Das Gebiet, das den Nubiern im Zuge der Umsiedelung in den 60ern zugewiesen wurde, liegt nördlich von Aswan bei Kom Ombo, etwa 50 Kilometer vom Nil entfernt in der westlichen Wüste. "Das alltägliche Leben der Nubier bezog sich immer auf den Nil", sagt Emam. "Neugeborene wurden im Nil getauft, Ehen am Nil geschlossen." Als Fischer und Farmer seien sie auch ökonomisch vom Nil abhängig gewesen. Die neue Umgebung bedeutete für die Umgesiedelten daher einen völligen Bruch mit ihrer bisherigen Lebensweise. Aber nicht nur das. "Die vom Staat zur Verfügung gestellten neuen Häuser waren schlecht gebaut", sagt Emam. "Die Wände bekamen innerhalb kurzer Zeit Risse, der Verputz bröckelte ab." Hinzu kam, dass die Böden salzig und daher für Landwirtschaft wenig geeignet waren. Etwa 90.000 Nubier sollen heute noch in den "neuen" Dörfern leben. Genaue Statistiken gebe es nicht. "Die Regierung lässt eine Zählung der nubischen Bevölkerung nicht zu", so Emam.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-28 17:32:35
Letzte Änderung am 2018-02-28 17:35:34


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