• vom 08.03.2018, 17:43 Uhr

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  • Die Attacke auf Sergej und Julia Skripal erinnert nicht nur an den Fall Litwinenko.

Julia Skripals (o.) Zustand ist "sehr ernst". Alexander Litwinenko (M.) starb drei Wochen nach der Vergiftung. Hamas-Führer Mahmud Mabhuh (u.) wurde in einem Hotel getötet.

Julia Skripals (o.) Zustand ist "sehr ernst". Alexander Litwinenko (M.) starb drei Wochen nach der Vergiftung. Hamas-Führer Mahmud Mabhuh (u.) wurde in einem Hotel getötet.© afp, ap, afp/Abed Julia Skripals (o.) Zustand ist "sehr ernst". Alexander Litwinenko (M.) starb drei Wochen nach der Vergiftung. Hamas-Führer Mahmud Mabhuh (u.) wurde in einem Hotel getötet.© afp, ap, afp/Abed

London/Dubai. (reuters/red) Nach dem Nervengift-Anschlag in Großbritannien bangen die Ärzte um das Leben der Opfer. Innenministerin Amber Rudd stufte den Zustand des früheren russischen Agenten Sergej Skripal und seiner Tochter Julia am Donnerstag als "sehr ernst" ein. Beide seien weiter bewusstlos. Besser sehe es für den Polizisten aus, der den beiden zu Hilfe kommen wollte und dabei offenbar mit dem Gift in Kontakt kam. Er sei wieder ansprechbar und bei Bewusstsein, sagte Rudd. Sein Zustand bleibe aber "ernst".

Zuvor hatte die britische Anti-Terror-Polizei bekannt gegeben, dass Skripal und seine Tochter zum Ziel eines "Mordversuchs durch Anwendung eines Nervenkampfstoffs" geworden seien. Sie waren am Sonntag bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum in Salisbury gefunden worden. Welches Gift genau zum Einsatz kam, wollte die Innenministerin nicht sagen. Laut BBC handelt es sich weder um Sarin, das einem UNO-Bericht zufolge zuletzt im Syrien-Krieg zum Einsatz kam, noch um VX.


Austausch am Flughafen Wien



Skripal, Ex-Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll russische Agenten an den britischen MI6 verraten haben. Im Zuge eines Austauschs zwischen Russland und den USA - auf dem Flughafen Wien-Schwechat - kam er 2010 nach Großbritannien.

Da der Fall an den Giftmord am Kremlkritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006 erinnert, hat er inzwischen eine Kontroverse zwischen Moskau und London ausgelöst. Der russische Ex-Agent war in London mit radioaktivem Polonium im Tee vergiftet worden. Sein Todeskampf auf der Intensivstation dauerte knapp drei Wochen. Litwinenko machte nicht nur Russlands Präsidenten Wladimir Putin für seinen Tod verantwortlich, er ließ sich auch sterbenskrank fotografieren. Umgekehrt hatten die Täter - Großbritannien machte die ehemaligen Agenten Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun verantwortlich - eine Tötungsart gewählt, die Litwinenko nicht umgehend sterben ließ. Die Vermutung liegt nahe, dass der Tod des Ex-Agenten so lange wie möglich in Medien behandelt werden und breitestmögliche Aufmerksamkeit erhalten sollte - als Warnsignal für alle Feinde, sie sollen sich nirgends sicher fühlen.



So ist auch die Tötung von Mahmud Mabhuh zu deuten. Der Gründer der gefürchteten Izeddin-Brigaden der radikalen Palästinenserorganisation Hamas starb 2010 in einem Dubaier Hotel. Die dortigen Kameras hielten nicht nur Mabhuhs Kommen und Gehen fest, sondern auch das jener elf Personen, die Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad gewesen sein sollen. "Israel reagiert nie auf derartige Vorwürfe, bestätigt sie nie und dementiert sie nie", kommentierte der damalige Außenminister Avigdor Lieberman die Anschuldigungen.

Von Kamera eingefangen wurden auch zwei Frauen. Sie rieben auf dem Flughafen von Kuala Lumpur 2017 dem Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, Kim Jong-nam, VX ins Gesicht. Zwei Stunden später war der 45-Jährige tot. Die USA machen das nordkoreanische Regime dafür verantwortlich.




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Dokument erstellt am 2018-03-08 17:47:49


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