• vom 20.03.2018, 17:19 Uhr

Weltpolitik

Update: 21.03.2018, 07:59 Uhr

Migration

Flucht vor dem Klima




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  • Bis 2050 könnten in Afrika, Südasien und Lateinamerika 143 Millionen Menschen durch die Folgen des Klimawandels vertrieben werden.

Unterkunft in Malakassa bei Athen. - © afp

Unterkunft in Malakassa bei Athen. © afp



Washington/Brüssel. (czar/apa) Missernten, Dürre, Anstieg des Meeresspiegels: Die Folgen des Klimawandels haben Auswirkungen auf Migrationsbewegungen. Das Ausmaß dessen kann bedeutend sein. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Weltbank. Bis zum Jahr 2050 könnte demnach die Zahl der Klimaflüchtlinge auf 143 Millionen Menschen steigen. Allein in der Subsahara-Region Afrikas könnten 86 Millionen Personen betroffen sein. In Südasien könnten es 40 Millionen und in Lateinamerika 17 Millionen Menschen sein.

Das ist das Szenario, das die Weltbank für den Fall entwirft, dass keine oder nur geringe Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ergriffen werden. In einer weniger pessimistischen Prognose geht die Organisation von 31 bis 72 Millionen Vertriebenen aus. Dafür aber müssten die Treibhausgasemissionen verringert und gezielte Investitionen getätigt werden, müsste Migration in Entwicklungsplänen berücksichtigt werden, heißt es in dem Dokument. Wenn die Politik "an mehreren Fronten" tätig werde, sei davon auszugehen, dass die Zahl der Flüchtlinge um 80 Prozent reduziert werden könne.


Ruf nach Vorkehrungen
Dennoch sei der Klimawandel schon jetzt unaufhaltsam zu einem "Motor für Migration" geworden, erklärte Weltbank-Geschäftsführerin Kristalina Georgieva. Betroffen seien Individuen, Familien, aber auch ganze Gemeinschaften, die nach lebenswerteren Orten suchten. "Mit jedem Tag wird der Klimawandel zu einer größeren wirtschaftlichen, sozialen und existenziellen Bedrohung", warnte die ehemalige EU-Kommissarin.

Zwischen 2030 und 2050 könnte es laut dem Bericht immer mehr Hotspots für die Klimamigration geben. Daher müssten Länder langfristige Vorkehrungen treffen und die Prognosen in ihre Entwicklungspläne einfließen lassen. Es sind dabei in den meisten Fällen die ärmsten Staaten, die sich diesen Herausforderungen stellen müssen. Für Bangladesch beispielsweise wird vorausgesagt, dass dort jeder dritte Klimaflüchtling aus Südasien unterkommt. Äthiopiens Bevölkerung wiederum könnte in gut 30 Jahren um 85 Prozent wachsen - bei gleichzeitig sinkender landwirtschaftlicher Produktivität. Daher müsste das Land sein ökonomisches System umstellen.

Viele Menschen werden dabei Binnenflüchtlinge bleiben, also versuchen, in ihrem Land und so nah wie möglich an ihrem Herkunftsort eine Unterkunft zu finden. Dennoch sind Grenzen nicht unbedingt ein Hindernis. Zwar hat sich der Weltbank-Bericht nicht spezifisch mit grenzüberschreitender Flucht befasst, doch weist er darauf hin, dass Klimawandel durchaus der Grund für Migration über Grenzen hinweg sein kann.

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Dokument erstellt am 2018-03-20 17:23:55
Letzte Änderung am 2018-03-21 07:59:19


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