• vom 13.04.2018, 17:54 Uhr

Weltpolitik


Palästina

"Ihr werdet uns niemals brechen"




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Von Michael Schmölzer

  • Wütende Demonstranten in Gaza, wachsender Einfluss Irans in Syrien: In Israel geht 70 Jahre nach Staatsgründung die Angst um.

Israelische Soldaten gehen an der Grenze zum Gazastreifen in Stellung. Palästinenser zünden Müll an, um ihnen die Sicht zu nehmen.

Israelische Soldaten gehen an der Grenze zum Gazastreifen in Stellung. Palästinenser zünden Müll an, um ihnen die Sicht zu nehmen.© ap/Schalit Israelische Soldaten gehen an der Grenze zum Gazastreifen in Stellung. Palästinenser zünden Müll an, um ihnen die Sicht zu nehmen.© ap/Schalit

Jerusalem/Washington/Wien. Am 70. Jahrestag seiner Gründung sieht sich Israel mehr denn je in seiner Existenz bedroht. Während die Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten kommende Woche voll im Gange sind, klappt der kleine jüdische Staat das Visier herunter. Israelische Soldaten marschierten an der Grenze zum Gazastreifen auf, wieder kam es zu massiven Protesten der Palästinenser, wieder fielen Schüsse, wieder es gab hunderte Verletzte. "Die Soldaten schießen gemäß den Einsatzregeln", gab ein Sprecher der israelischen Armee bekannt. Kritik, dass der Schusswaffengebrauch hier völlig unverhältnismäßig ist, prallte ab.

Mit dem "Marsch der Rückkehr" demonstrierten Palästinenser am Freitag gegen die Gründung Israels 1948 und die Vertreibung hunderttausender Araber. Israels Freudentag ist für sie Tag der "Nakba", der großen Katastrophe. Die Nachfahren der Vertriebenen leben bis heute in Flüchtlingslagern im Libanon, in Jordanien und anderen umliegenden Ländern. Einige Flüchtlinge haben den sozialen Aufstieg geschafft, viele sind aber bis heute ausgegrenzt und träumen von einer Rückkehr nach Palästina.


In Israel will man davon nichts wissen und geht in die Offensive: "Ihr werdet uns niemals brechen", so Israels Außenminister Avigdor Lieberman bei einer Zeremonie zum Holocaust-Gedenktag an die Hamas, die im Gazastreifen das Sagen hat. "Der Geist, die Hoffnung und der Glaube, die uns während des Holocausts und des Unabhängigkeitskriegs begleitet haben, sind stärker als unsere Feinde."

Angst, dass sich der Iran in Syrien dauerhaft festsetzt

Israel fühlt sich bedrohter denn je: Premier Netanyahu mit einem Teil einer angeblich aus Syrien gekommenen iranischen Drohne.

Israel fühlt sich bedrohter denn je: Premier Netanyahu mit einem Teil einer angeblich aus Syrien gekommenen iranischen Drohne.© afp Israel fühlt sich bedrohter denn je: Premier Netanyahu mit einem Teil einer angeblich aus Syrien gekommenen iranischen Drohne.© afp

Israel sieht die Gefahr aber nicht nur bei der Hamas, in weit stärkerem Ausmaß fühlt man sich vom Iran und der verbündeten libanesischen Hisbollah bedroht. Mit großer Sorge beobachtet man, wie die schiitische Miliz, Seite an Seite mit Russland und dem syrischen Regime, nördlich des Golan militärische Erfolge feiert. Die Regierung unter Premier Benjamin Netanyahu befürchtet, dass sich der verhasste Iran in Syrien festsetzt und von seinen Stützpunkten Israel bedroht.

Deshalb schlägt Israel zurück. Am vergangenen Montag, nach dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Douma, griffen israelische Kampfjets aus dem libanesischen Luftraum kommend eine syrische Militärbasis an. Ein Militärschlag also - während die USA, Frankreich und Großbritannien noch zögern. Russland und das syrische Staats-TV bestätigten den Angriff und nannten "israelische Aggression" als Urheber, nachdem man zuvor von einer Attacke der USA ausgegangen war.

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Dokument erstellt am 2018-04-13 18:00:16


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