• vom 14.04.2018, 17:18 Uhr

Weltpolitik

Update: 14.04.2018, 19:15 Uhr

Syrien-Konflikt

Trump: "Auftrag erfüllt"




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Von WZ Online, APA, Reuters

  • Moskau kritisiert die USA im UN-Sicherheitsrat scharf, das syrische C-Waffen-Arsenal soll zerstört worden sein.

Die Trümmer des Wissenschafts- und Forschungszentrum (SSRC) im Norden von Damaskus. - © APAweb / AFP Photo, Louai Beshara

Die Trümmer des Wissenschafts- und Forschungszentrum (SSRC) im Norden von Damaskus. © APAweb / AFP Photo, Louai Beshara

Karte Syriens mit Angriffszielen, Chemiewaffenlagern und von Assad-Truppen konrollierten Gebieten.

Karte Syriens mit Angriffszielen, Chemiewaffenlagern und von Assad-Truppen konrollierten Gebieten.© APA Karte Syriens mit Angriffszielen, Chemiewaffenlagern und von Assad-Truppen konrollierten Gebieten.© APA

Damaskus. Nach ihren schweren Luftangriffen in Syrien wollen die USA den Konflikt mit Russland zunächst nicht weiter anheizen. "Auftrag erfüllt", twitterte US-Präsident Donald Trump am Samstag. Wie seine Alliierten Großbritannien und Frankreich machte er klar, dass keine weiteren Attacken geplant seien. Allerdings dürfe Präsident Bashar al-Assad nicht erneut Chemiewaffen einsetzen. In diesem Falle sei die USA zu
weiteren Luftangriffen bereit. Dann werde das US-Militär mit neuen
Angriffen reagieren, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Nikki Haley, am Samstag bei einer von Russland einberufenen
Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zu Syrien.

Auch Assads Verbündeter Russland zeigte kein Interesse an einer Zuspitzung. Vize-Außenminister Sergej Rjabkow erklärte, Moskau sei an einer Zusammenarbeit mit Washington interessiert. Am Abend befasste sich der UN-Sicherheitsrat auf russischen Wunsch mit den Angriffen auf vermutete Produktions-, Forschungs- und Lagerstätten von Chemiewaffen der syrischen Regierung befassen.

USA und Verbündete wie "Hooligans" 

Dort hat Russland die USA scharf angegriffen. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja nannte den Angriff eine aggressive Aktion Amerikas und seiner Alliierten. Die USA machten eine bereits katastrophale humanitäre Situation in Syrien noch schlimmer, sagte Nebensja.

Die von Washington betriebene Eskalation destabilisiere den gesamten Nahen Osten. Unverhohlen ignorierten die USA und ihre Verbündeten internationales Recht, sagte Nebensja. Dies sei neokoloniales Auftreten und erinnere an das Verhalten von "Hooligans". Der Sicherheitsrat werde völlig ignoriert, seine Autorität unterminiert.

Nebensja sagte, es gebe keinerlei Beweise für den Einsatz chemischer Waffen vergangene Woche in der Stadt Douma, welchen der Westen der syrischen Regierung vorwirft. Nebensja fragte, ob die USA ein einstmals prosperierendes Land in die Steinzeit zurückbomben wollten.

"Perfekt ausgeführter Einsatz"

"Ein perfekt ausgeführter Einsatz vergangene Nacht", twitterte Trump. In der Nacht auf Samstag feuerten die drei westlichen Alliierten nach Angaben von US-Verteidigungsminister Jim Mattis über hundert Raketen von Schiffen und Flugzeugen auf Ziele in Syrien ab. "Wir sind darauf vorbereitet, diese Art Antworten zu geben, bis das syrische Regime den Einsatz verbotener Chemikalien aufgibt", kündigte Trump zeitgleich an. In Anspielung auf Assad und den mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Douma vor einer Woche sagte er: "Dies sind nicht die Taten eines Mannes. Es sind die Verbrechen eines Monsters."

Assad konterte, die Attacke vergrößere die Entschiedenheit Syriens im Kampf gegen "Terrorismus". Putin warf den USA und ihren Verbündete vor, die humanitäre Katastrophe in Syrien zu verschlimmern. Der Angriff werde sich verheerend auf die internationalen Beziehungen auswirken. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die eine Beteiligung Berlins an dem Einsatz abgelehnt hatte, begrüßte die westliche Strafaktion.

Im Visier hatten die Alliierten offenbar drei Ziele, davon zwei bei Homs und eines in der Hauptstadt Damaskus. Mindestens sechs laute Detonationen seien in Damaskus zu hören gewesen, sagte ein Reuters-Augenzeuge. Über der Millionen-Stadt hätten Rauchwolken gelegen. Ein zweiter Zeuge schilderte Einschläge im Viertel Barzeh (Barsah). Dort befinden sich Forschungseinrichtungen.

Gezielt Produktionsstätten von C-Waffen bombardiert

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Großbritanniens Regierungschefin Theresa May erklärten, es handle sich um gezielte Angriffe auf Gebäude, die das syrische Regime zur Produktion von Chemiewaffen nutze. Auch die USA machten deutlich, dass sie eine Konfrontation mit russischen Kräften verhindern wollten. Die Angriffe seien so geplant worden, dass das Risiko von Opfern unter russischen Einsatzkräften minimal gewesen sei, sagte US-Generalstabschef Joseph Dunford.

Die Luftschläge ändern nach Ansicht von Beobachtern kaum etwas an den Kräfteverhältnissen in Syrien, wo sich Assads Truppen dank russischer und iranischer Hilfe seit Monaten auf dem Vormarsch gegen ein gemischtes Feld von verschiedenen Rebellengruppen befinden. Zudem bekräftigte Trump noch während der Angriffe, die noch in Syrien stationierten amerikanischen Soldaten weiter abziehen zu wollen: "Amerika strebt keine unbegrenzte Präsenz in Syrien an, unter keinen Umständen."

Widersprüchliche Aussagen über Auswirkungen des Angriffs

Widersprüchliche Aussagen gab es über die Auswirkungen des Luftschlags. Ein hochrangiger Vertreter eines regionalen Verbündeten Assads sagte Reuters, der Schaden halte sich in Grenzen, weil die Ziele dank russischer Warnungen rechtzeitig geräumt werden konnten. Nach einem Bericht der russischer Nachrichtenagentur Tass wurden die meisten Raketen von der syrischen Luftabwehr abgefangen. Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, es seien drei Zivilisten verletzt worden.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte dagegen, jedes Ziel sei erfolgreich getroffen worden. Das Chemiewaffen-Programm sei für Jahre zurückgeworfen worden. Merkel stellte sich hinter die Angriffe: "Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren." In Deutschland löste die Attacke einen Parteien-Streit aus.

Sorge um Konfrontation zwischen USA und Russland

Bereits am Mittwoch hatte Trump Militärschläge angekündigt, später aber seine Aussagen relativiert. Er reagierte auf einen mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf die Rebellen-Hochburg Douma am 7. April mit Toten und Verletzten. Trumps Äußerungen hatten Sorgen vor einer Konfrontation zwischen den USA und Russland ausgelöst. Russland und der Iran sind enge Verbündete Assads.

Trump wandte sich in seiner Ansprache auch gegen Russland und Iran: "Was für eine Art Nation will im Zusammenhang mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern stehen?" Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei bezeichnete im TV-Sender Al-Manar den Angriff als kriminell. Israel wertete dagegen die Attacke als "wichtiges Signal" an den Iran und deren Verbündete, die libanesische Miliz Hisbollah. Israel fürchtet, die Islamische Republik werde ihr Engagement in Syrien nutzen, um den Einfluss des Iran in der Region auszuweiten.

Bereits vor einem Jahr hatte das US-Militär die syrische Luftwaffenbasis Shairat unter Beschuss genommen als Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Khan Sheikhoun. Der neue Militärschlag war wesentlich umfangreicher.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-14 17:21:06
Letzte Änderung am 2018-04-14 19:15:23


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