• vom 16.04.2018, 17:32 Uhr

Weltpolitik

Update: 16.04.2018, 18:10 Uhr

Landminen

Die Botschafterin




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Die meisten Landminenopfer in Uganda sind Kleinbauern. Mit den Beinen oder Armen verlieren sie auch ihre Existenzgrundlage.

Die meisten Landminenopfer in Uganda sind Kleinbauern. Mit den Beinen oder Armen verlieren sie auch ihre Existenzgrundlage.© Jelca Kollatsch Die meisten Landminenopfer in Uganda sind Kleinbauern. Mit den Beinen oder Armen verlieren sie auch ihre Existenzgrundlage.© Jelca Kollatsch

Regierungssoldaten finden sie später in einem Feld, auf der Ladefläche eines Lkw schafft sie es ins Krankenhaus. Dort besuchen sie Mitarbeiter eines Behindertenverbands und bitten sie, an einer Konferenz für Menschen mit Behinderung in Harare, Simbabwe, teilzunehmen. Orech ist geeignet, weil sie Englisch spricht. Das Landminenverbot war erst im Vorjahr unterzeichnet worden. Für sie beginnt damit ein neuer Abschnitt: ein Leben als Aktivistin. Die Kampagne gegen Landminen, eine NGO in Genf mit drei Mitarbeitern, ausgezeichnet 1997 mit dem Friedensnobelpreis, ernennt sie 2006 zu einer ihrer vier Botschafterinnen.

Einer der Kampagnenforderungen lautet: "Finish the job", erledigt die Aufgabe. Zwar ist der Einsatz von Minen heute mit internationaler Ächtung verbunden. Abgeschafft sind sie aber nicht. China, Russland, die USA, Indien und Pakistan horten große Minenvorräte. Einzelne Länder wie Myanmar produzieren nach wie vor Minen, die burmesische Armee setzt sie sogar als Waffe ein. Minen finden sich nun auch in Syrien, dem Jemen und der Ukraine. Noch immer haben 33 Länder das Antiminen-Abkommen nicht unterschrieben. Noch immer liegen in den Böden von fast 60 Ländern Landminen, die jederzeit Menschen töten oder verstümmeln können. Meistens trifft es Zivilisten wie Margaret Orech.

Ein Bauer braucht zwei Beine

"Die meisten Landminenopfer in Uganda bestellten als Kleinbauern Felder", sagt Orech. "Ohne Beine oder Arme geht das nicht mehr." Mit ihrer Hilfe organisieren sich Landminenüberlebende und Familienangehörige von Opfern in den Städten, in Gulu, Lira, Kigum, Yumbe. Manchmal schaffen sie es, Spenden aufzustellen, damit Amputierte eine Ausbildung absolvieren können. Damit sie lernen, einen Computer zu bedienen oder Geflügel zu züchten, und somit keine Belastung mehr für ihre Familien sind.

Am Abend, nachdem Orech den Ort ihres Unfalls besucht hat, sitzt sie in einem Hotel in der Stadt Gulu und atmet durch. Sie trägt einen weinroten Pullover und eine schwarze Weste, ihre Haare hat sie zu einen Knoten zusammengebunden. Durch eine Brille blickt sie konzentriert auf einen Laptop, der mit Stickern beklebt ist. Zwei Dreiecke zeigen explodierende Minen, ein anderer schreit in Großbuchstaben "Verbietet Streumunition". Sie ist unterwegs, um Opfer zu besuchen, sich ihre Geschichten und Probleme anzuhören, Neuigkeiten zu erfahren. Der Norden Ugandas ist ihr vertraut, sie spricht die lokale Sprache Lango. Im Hotel beantwortet sie E-Mails und schreibt für die Kampagne gegen Landminen auf, was sich in Uganda tut. Es ist nicht viel, sagt sie.

Hilflose Helfer

Orech wünscht sich mehr Unterstützung für ihre Arbeit. "Besonders frustrierend ist es, missverstanden zu werden", sagt sie. Das beginnt bereits mit dem Titel Botschafterin der Kampagne gegen Landminen. Botschafterin klingt nach einem hohen Amt, nach Einfluss und nach Geld. Besucht sie das ländliche Uganda, noch dazu mit weißen Journalisten, versammeln sich Amputierte um sie. Sie können sich weder eine Prothese leisten noch die Fahrt nach Gulu, wo die staatliche Orthopädie-Werkstatt Prothesen kostenfrei anfertigt. Sie erwarten sich Hilfe. Aber Orech kann nichts Konkretes anbieten. Nur Ratschläge und Ideen. Ihr Titel ist symbolisch. Ihre Organisation, die Uganda Landmine Survivors Association, ist pleite.




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Schlagwörter

Landminen, Uganda, Margaret Orech

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-16 17:36:18
Letzte Änderung am 2018-04-16 18:10:12


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