• vom 16.04.2018, 19:58 Uhr

Weltpolitik

Update: 16.04.2018, 20:06 Uhr

Syrien-Krieg

Russlands Schattenarmee




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Von WZ Online, APA, afp, Maria Antonova

  • Ein investigativer Journalist brachte es wieder ans Licht: Russische Söldner mischen im Krieg um Rohstoffe mit.

In der Vergangenheit hatte es bereits vereinzelt Berichte über Russen gegeben, die für private Firmen in Syrien kämpften. - © APAweb, afp, Martin Bureau

In der Vergangenheit hatte es bereits vereinzelt Berichte über Russen gegeben, die für private Firmen in Syrien kämpften. © APAweb, afp, Martin Bureau

Moskau. Maxim Borodin erlag am Sonntag in einem Krankenhaus seinen Verletzungen, die er sich bei einem Sturz vom Balkon seiner Wohnung in der Stadt Jekatarinburg am Freitag zugezogen hatte. Der Journalist hatte jüngst über den Tod mehrerer Russen in Syrien geschrieben.

Die Männer, bei denen es sich nicht um Soldaten gehandelt hatte, waren nach Angaben Moskaus im Februar bei Luftangriffen der US-geführten Koalition im Osten Syriens getötet worden. Es war die erste offizielle Bestätigung nicht-militärischer, in Kampfhandlungen verwickelter Kriegsopfer.

In der Vergangenheit hatte es bereits vereinzelt Berichte über Russen gegeben, die für private Firmen in Syrien kämpften - möglicherweise, um für Präsident Bashar al-Assad Ölfelder zu sichern.

Spitzname Wagner

Bereits 2014 wurden zwei Männer in Russland zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie mehr als 200 ehemalige Militärangehörige für eine Söldnertruppe mit dem Namen Slawisches Corps rekrutiert hatten. Zweck der Rekrutierung war ein Einsatz in der syrischen Provinz Deir Essor, in der im Februar fünf Russen bei Kampfhandlungen getötet wurden.

Nach Angaben der Internetseite Fontanka, welche die Rolle privater Sicherheitsfirmen im Syrienkonflikt dokumentiert, wurde das Slawische Corps nach der Verurteilung seiner Chefs das Kernstück einer neuen Söldnertruppe unter der Leitung des ehemaligen Mitglieds Dmitri Utkin, Spitzname Wagner.

Utkin und die sogenannte Gruppe Wagner tauchen auf einer schwarzen Liste des US-Finanzministeriums auf, weil sie Soldaten in die Ost-Ukraine geschickt haben sollen, um an der Seite der pro-russischen Separatisten zu kämpfen. Laut Fontanka ist die Gruppe Wagner seit Ende 2015 in Syrien aktiv.

Zahl wird auf 2000 bis 3000 geschätzt

Eine als Konfliktinformations-Team (CIT) bekannte Bloggergruppe nennt das private Sicherheits-Militärunternehmen Wagner "Russlands Schattenarmee in Syrien". Das Unternehmen hat laut CIT etwa eine wichtige Rolle bei der Rückeroberung der syrischen Oasenstadt Palmyra gespielt. Wie viele seiner Kämpfer in Syrien im Einsatz sind, ist unklar. Der unabhängige russische Militärexperte Pawel Felgenhauer schätzte ihre Zahl im vergangenen Jahr auf 2000 bis 3000 Söldner.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern und trotz eines entsprechenden Gesetzes wurde Utkin bisher in Russland nicht rechtlich für sein Engagement belangt. Stattdessen wurde er im Dezember 2016 in Moskau ausgezeichnet - laut Kreml als Veteran.

Wagner wird Medienberichten zufolge vom Unternehmer und Putin-Verbündeten Jewgeni Prigoschin aus St. Petersburg finanziert. Prigoschin hat mit zahlreichen Aufträgen aus dem russischen Verteidigungsministerium ein Vermögen gemacht und steht wegen mutmaßlicher Einflussnahme auf die US-Wahlen 2016 mithilfe sogenannter Internet-Trolle ebenfalls auf der schwarzen Liste des US-Finanzministeriums.

Ehemalige Häftlinge

Prigoschin gründete nach Angaben eines ehemaligen Wagner-Söldners die Firma Ewro Polis, die im Auftrag der syrischen Regierung Öl- und Gaseinrichtungen sichert und dafür mit 25 Prozent an der künftigen Produktion beteiligt ist. Demnach zahle Ewro Polis jedem Wagner-Söldner zwischen 3500 und 5000 Dollar (2800 bis 4000 Euro) im Monat.

Die Wagner-Rekruten bestünden zu 40 Prozent aus ehemaligen Häftlingen, sagte das ehemalige Mitglied der Gruppe dem Magazin "Sowerschenno Sekretno". Wegen der "schlechten Qualität" der Rekruten sei es zum Bruch mit Moskau gekommen. Der Kreml übe nur begrenzte Kontrolle über die russischen Söldner in Syrien aus.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-16 19:59:26
Letzte Änderung am 2018-04-16 20:06:02


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