• vom 26.04.2018, 16:11 Uhr

Weltpolitik

Update: 27.04.2018, 06:59 Uhr

Korea-Gipfel

"Kim will Koreas Wiedervereinigung"




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Von Klaus Huhold

  • Experte Rüdiger Frank erklärt, warum sich Nordkoreas Führer plötzlich konziliant gibt.

Kim Jong-un (r.) und Südkoreas Nationaler Sicherheitsdirektor Chung Eui-yong bei einem Treffen im Vorfeld des Gipfels. Auch bei diesem darf man laut Frank "symbolische Gesten erwarten". - © APAweb, Korean Central News Agency/Korea News Service via AP

Kim Jong-un (r.) und Südkoreas Nationaler Sicherheitsdirektor Chung Eui-yong bei einem Treffen im Vorfeld des Gipfels. Auch bei diesem darf man laut Frank "symbolische Gesten erwarten". © APAweb, Korean Central News Agency/Korea News Service via AP



Auch bei diesem Treffen darf man laut Experte Rüdiger Frank "symbolische Gesten erwarten".

Auch bei diesem Treffen darf man laut Experte Rüdiger Frank "symbolische Gesten erwarten".© APAweb / Reuters, Korea Summit Press Pool Auch bei diesem Treffen darf man laut Experte Rüdiger Frank "symbolische Gesten erwarten".© APAweb / Reuters, Korea Summit Press Pool

An der Grenze zwischen Nord-und Südkorea spielt sich am Freitag Historisches ab. Erstmals seit dem Ende des Koreakrieges wird mit Kim Jong-un ein nordkoreanischer Staatschef südkoreanischen Boden betreten. Kim wird mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in an der Demarkationslinie zwischen den beiden Staaten zusammenkommen, später werden sie im Grenzort Panmunjon an der südkoreanischen Seite die Zukunft der innerkoreanischen Beziehungen verhandeln. Die "Wiener Zeitung" sprach im Vorfeld des Gipfels mit Rüdiger Frank, einem der renommiertesten Experten zu Korea-Fragen, was von dem Treffen zu erwarten ist und welche langfristige Strategie Nordkorea verfolgt.

"Wiener Zeitung": Im vergangenen Jahr hat Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un den USA noch mit Vernichtung gedroht, nun gibt er sich konziliant. Wie erklären Sie sich diesen Wandel seiner Politik?

Information

Rüdiger Frank ist Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens ander Universität Wien und Vorstand des Instituts für Ostasienwissenschaften. Er befasst sich seit 28 Jahren mit Nordkorea, bereist das Land regelmäßig und ist Autor des Buches "Nordkorea: Innenansichten eines totalen Staates".

Rüdiger Frank: Das ist kein Wandel, sondern die nächste Phase in einer mehrstufigen Strategie. Diese ist uralt und stammt schon aus dem 19. Jahrhundert, damals nannte man das "puguk kangbyong", also "reiches Land und starke Armee". Die neueste Fassung dieser Idee wurde Ende März 2013 unter dem Namen "pyongjin" verkündet. Grob gesagt geht es Kim darum, mit einsatzfähigen Atomwaffen im Rücken die Wirtschaft zu entwickeln, um den Abstand zu Südkorea zu verringern und eine von Nordkorea geführte Wiedervereinigung zu erreichen. Egal, für wie realistisch man das hält: Das geht nicht in völliger Isolation. Derzeit ist für einen Erfolg auch ein positives Verhältnis zu den USA nötig, wenngleich ich mittelfristig eine Verschiebung der Macht im globalen Wirtschaftssystem in Richtung China sehe. Kim braucht die Öffnung westlicher Exportmärkte für nordkoreanische Produkte, die Beteiligung Nordkoreas am internationalen Finanzsystem, Direktinvestitionen westlicher Unternehmen in den über 20 nordkoreanischen Sonderwirtschaftszonen, und vieles mehr.

Wie hart wurde Nordkorea von den Sanktionen getroffen und welchen Einfluss hatten sie auf Nordkoreas politische Entscheidungen?

Die Sanktionen haben Nordkorea geschadet, aber sie haben kein Umdenken ausgelöst. Sie sind der Preis, den Kim bereit ist, für seine langfristige Strategie zu zahlen.

Wie viel ist nun von dem innerkoreanischen Gipfel zwischen Kim und Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in zu erwarten? Kann hier schon Substanzielles beschlossen werden oder ist er nur eine Art Vorbereitung auf das Treffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump?




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-26 16:18:30
Letzte Änderung am 2018-04-27 06:59:25


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