• vom 26.04.2018, 16:11 Uhr

Weltpolitik

Update: 27.04.2018, 06:59 Uhr

Korea-Gipfel

"Kim will Koreas Wiedervereinigung"




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Man darf schöne Bilder und symbolische Gesten erwarten, und eine Reihe von dramatisch wirkenden Konzessionen beider Seiten. Die zwei Koreas brauchen einen hinreichend großen Erfolg, um sich gegen ein eventuelles Scheitern des Gipfels mit Trump abzusichern, oder um ein Fiasko am besten gleich zu verhindern. In Washington könnte man ein solches Scheitern nämlich als Anlass für eine militärische Lösung nehmen, und die will niemand - Pjöngjang nicht, Seoul nicht, und Peking auch nicht. Kim und Moon sind also zum Erfolg verpflichtet, und das wissen beide auch sehr genau.

Moon hat als langfristiges Ziel eine vollkommene Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel genannt, die USA fordern von Nordkorea, dass es atomar vollständig abrüstet. Ist es irgendwie vorstellbar, dass Nordkoreas Regime tatsächlich auf seine Atomwaffen verzichtet?

Aus derzeitiger Sicht erscheint das sehr unwahrscheinlich. Das heißt aber nicht, dass es keine Versprechungen für die ferne Zukunft geben wird. Papier ist geduldig. Auf dem Weg zu diesem Sankt-Nimmerleins-Tag sind aber realistische Zwischenschritte denkbar, wie ein Einfrieren des Programms, internationale Inspektionen, und diverse Zusicherungen zur Nichtweiterverbreitung.

Wie weit kann man Nordkorea überhaupt trauen? Gegner der Annäherung argumentieren, dass in der Vergangenheit Nordkorea Verhandlungsbereitschaft nur vorgetäuscht hat, um ein paar wirtschaftliche Hilfen zu erhalten, und heimlich weiter aufgerüstet hat.

Wer in den internationalen Beziehungen irgendjemandem vertraut, der sollte sich schnell einen anderen Job suchen. Es geht immer darum, ob und inwiefern eine Vereinbarung zum gegenseitigen Nutzen ist, oder ob die Nichteinhaltung größeren Schaden anrichtet als die Einhaltung. Entsprechend klug muss man verhandeln. Man kann Konzessionen schrittweise gewähren und von Teilerfolgen abhängig machen, es muss Sanktionsmöglichkeiten geben und Anreize zur Vertragstreue.

Welche Rolle spielt hier China. Sieht Nordkorea in Peking einen Verbündeten in seiner Auseinandersetzung mit den USA?

Nordkorea nimmt jede Hilfe, die es bekommen kann. Permanente Verbündete gibt es aber nicht, nur permanente Interessen. China ist nützlich, gleichzeitig aber noch vor den USA die größte Bedrohung für Nordkoreas Sicherheit. Das Misstrauen gegenüber Peking ist in Nordkorea sehr groß, das höre ich dort immer wieder aus verschiedenen Richtungen. Ein kleines Land hat zwei Möglichkeiten: Man unterwirft sich der einen Großmacht und hofft auf Schutz vor der anderen, oder man versucht, beide gegeneinander auszuspielen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Kim letzteres tun wird. Sein Land hat damit seit Jahrzehnten viel Erfahrung; in den 1950ern hat man dieses Manöver sehr erfolgreich mit China und der Sowjetunion gespielt.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-26 16:18:30
Letzte Änderung am 2018-04-27 06:59:25


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