• vom 26.04.2018, 17:48 Uhr

Weltpolitik


Moon Jae-in

Flüchtlingssohn, der den Frieden sucht




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Südkoreas Präsident Moon Jae-in.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in.© ap/Andrew Harnik Südkoreas Präsident Moon Jae-in.© ap/Andrew Harnik

(klh) Zwischen blau gestrichenen UNO-Baracken wird Moon Jae-in am Freitag einen der größten Momente seiner politischen Laufbahn erleben. Dort, an der Demarkationslinie der innnerkoreanischen Grenze, wird der südkoreanische Präsident nämlich Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un empfangen. Die beiden Politiker werden gemeinsam einen Baum an der Demarkationslinie pflanzen. Die Pinie soll für Frieden und Wohlergehen stehen.

Der Gipfel ist eine wichtige Etappe am Weg der Aussöhnung der beiden Koreas - für die sich Moon Jae-in zeit seines Lebens eingesetzt hat.


Die Haltung Moons hängt mit seiner Biographie zusammen: Der 1953 auf der Insel Geoje geborene Jurist, der sich aus armen Verhältnissen hocharbeitet hat, ist selbst der Sohn von Flüchtlingen aus dem Norden, die während des Koreakrieges, der von 1950 bis 1953 wütete, in den Süden kamen. Ein Großteil der Familie blieb jedoch im Norden zurück. Etwa die Schwester von Moons Mutter. Nach mehr als 50 Jahren sahen die die beiden Schwestern bei einem der seltenen Familientreffen im Jahr 2004 im nordkoreanischen Ort Kumgangsan einander wieder. Die beiden Frauen weinten, und auch Moon, der an diesem Treffen ebenfalls teilnahm, war tief bewegt. Nun möchte er seiner Mutter noch ihren letzten Wunsch erfüllen. Sie ist bereits 91 Jahre alt und möchte unbedingt noch einmal in ihrem Leben ihre Schwester wiedersehen, bekannte gegenüber Medien im Vorfeld der Präsidentenwahl, die er im Frühling 2017 gewann.

Doch Moon geht es um wesentlich mehr als um die Erfüllung familiärer Wünsche. Der ehemalige Menschenrechtsanwalt ist davon überzeugt, dass der Dialog mit dem Regime in Pjöngjang, so kompliziert dieser auch sein mag, Südkorea mehr Sicherheit bringt als eine harte Linie. Deshalb nützte er die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongachang zu einer Charmeoffensive gegenüber Nordkorea, deshalb schickte er seine Unterhändler los, um zwischen den USA und Nordkoreas Regime zu vermitteln. Dass Kim Jong-un auch US-Präsident Trump treffen wird, ist sehr dem geduldigen Vermittler Moon zu verdanken.

Der von Weggefährten als ausdauernd und bescheiden beschriebene Moon war schon Anfang der Nullerjahre als Stabschef des damaligen Präsidenten Roh Moo-hyun einer der Gestalter der Sonnenscheinpolitik. Bei dieser wurde versucht, über den Dialog, Hilfslieferungen und wirtschaftliche Konzessionen einen Ausgleich mit Nordkorea zu finden. Doch das Projekt scheiterte, weil Pjöngjang Abmachungen brach und weiter atomar aufrüstete.

Konservative Kritiker von Moon werfen dem Mitte-links-Politiker bis heute vor, dass er sich damals von den Nordkoreanern an der Nase herumführen hat lassen - und nun diesen Fehler wiederholt. Moon riskiert innenpolitisch mit seiner Annäherung an Kim einiges. Sollte der Gipfel scheitern, ist das seine Niederlage. Doch dieses Risiko ist der frühere Häftling, der während der Diktatur in den 1970er Jahren im Gefängnis saß, bereit einzugehen. Denn sein großes Ziel ist ein Friedensvertrag zwischen den beiden Koreas - der auch wesentlich mehr Gewicht als eine Pinie hätte.




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Dokument erstellt am 2018-04-26 17:54:27


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