• vom 03.05.2018, 17:20 Uhr

Weltpolitik

Update: 04.05.2018, 09:47 Uhr

Karl Marx

Marx-Statue aus dem Reich des Marxismus




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Finn Mayer-Kuckuk aus Peking

  • Trier, die Geburtsstadt von Karl Marx, kommt zu dessen 200. Geburtstag in Fernost zu neuer Berühmtheit.

Der chinesische Künstler Wu Weishan schenkt der Stadt Trier zum 200. Geburtstag von Karl Marx eine Marx-Statue.

Der chinesische Künstler Wu Weishan schenkt der Stadt Trier zum 200. Geburtstag von Karl Marx eine Marx-Statue.© Harald Tittel/dpa/AFP Der chinesische Künstler Wu Weishan schenkt der Stadt Trier zum 200. Geburtstag von Karl Marx eine Marx-Statue.© Harald Tittel/dpa/AFP

Peking. In keinem Land spielt Karl Marx heute noch so eine große Rolle wie in China: Die Schriften des deutschen Denkers sind dort Grundlage der offiziellen Ideologie. Für Wu Weishan war es daher eine große Sache, eine Marx-Statue anzufertigen. Nicht irgendeine Statue: Der Auftrag kam direkt von der Regierung - und war als Geschenk für die Stadt Trier im fernen Deutschland bestimmt. "Der Einfluss von Marx auf die chinesische Gesellschaft ist immens", sagt Wu dieser Zeitung. "Dieses Projekt war also etwas ganz Besonderes."

Am Samstag ist es so weit: Triers Bürgermeister Wolfram Leibe und der chinesische Botschafter Shi Mingde werden die Statue enthüllen. Die 2,3 Tonnen Bronze sind weit gereist: Wu hat die Skulptur in den vergangenen zwei Jahren in seinem Studio in Peking angefertigt. "Als ich Anfang März in eisiger Kälte um fünf Uhr morgens am Flughafen stand und sie in Richtung Deutschland abfliegen sah, empfand ich große Befriedigung", sagt Wu. Er hoffe, dass die Statue in Deutschland etwas davon vermittle, wie wichtig China die Gedanken des berühmtesten Sohnes der Stadt Trier immer noch nimmt.


Künstler Wu ist engagiertes Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas. Der 56-Jährige gilt als Vertreter der "jungen Generation" chinesischer Künstler, die ihr Wirken nach den Wirren der Zeit von Mao Zedong begonnen hat. Wu ist die erste Wahl, wenn der Staat Aufträge für politisch wichtige Standbilder zu vergeben hat. Wu hat bereits 2014 den Reformer Deng Xiaoping und 2013 den Staatsgründer Mao Zedong verewigt. Auch eine Doppelstatue von Marx und Engels gehört bereits zu seinen Werken.

Kunstwerke mit so viel ideologischer Aufladung darf in China nur anfertigen, wer politisch absolut zuverlässig ist. Schließlich soll das Werk die erwünschte Botschaft übermitteln - ohne versteckte Zwischentöne. Und Wu ist für die Partei genau der richtige Mann für den Job. "Als ich ein Kind war, hing bei zuhause ein Porträt von Karl Marx", erzählt Wu. Im Staatsbürgerkundeunterricht der Mittelschule führten die Lehrer ihn dann systematisch an den Marxismus heran. An der Uni war die Lehre des deutschen Denkers Prüfungsstoff: "Ein chinesischer Künstler muss sich eben mit Marx auskennen." Wu kann die deutsche Diskussion um die Angemessenheit des Geschenks aus China daher nicht nachvollziehen. Schließlich sei Marx einer der einflussreichsten Deutschen und der bekannteste Sohn der Stadt Trier. "Ich hoffe, dass die Statue dabei hilft, dass in Zukunft mehr Menschen seine Philosophie nachvollziehen können."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-03 17:24:36
Letzte Änderung am 2018-05-04 09:47:11



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Buk-Rakete kam von russischer Armee
  2. Nordkorea sprengte Atomtestgelände
  3. Rohingya-Miliz verübte Massaker in Myanmar
  4. "Ein solches Treffen ist derzeit nicht angemessen"
  5. Merkel und Li für Freihandel und Multilateralismus
  6. Auswirkung über Europa hinaus
  7. Wahl entscheidet über Zukunft des Friedensprozesses

Werbung




Werbung