• vom 07.05.2018, 18:16 Uhr

Weltpolitik

Update: 08.05.2018, 07:48 Uhr

Waldimir Putin

Putins schwierigste Amtszeit




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Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner

  • Wirtschaftskrise und vergiftetes Verhältnis zum Westen. Putins vierte Amtszeit dürfte keine leichte werden.

Die Inauguration Putins war einmal mehr eine perfekt inszenierte Show für das russische Staatsfernsehen.

Die Inauguration Putins war einmal mehr eine perfekt inszenierte Show für das russische Staatsfernsehen.© APAweb, Reuters, Sputnik, Alexei Filippov Die Inauguration Putins war einmal mehr eine perfekt inszenierte Show für das russische Staatsfernsehen.© APAweb, Reuters, Sputnik, Alexei Filippov

Moskau. Als alle russischen Fahnen gehisst, alle Ehrengäste versammelt sind und die in rotes Leder gebundene Verfassung für den Schwur aufgelegt ist, klingelt im Büro von Wladimir Putin das Telefon. Das "Signal aus dem Kreml", erklärt die Kommentatorin aus dem Off, dass nun alles für die Angelobung angerichtet sei. Wladimir Putin steht auf, streift sich sein Sakko über und schreitet minutenlang alleine, nur von den Fernsehkameras begleitet, durch die langen, prunkvollen Gänge. Eine Limousine fährt ihn vor den großen Kreml-Palast, wo er nach dem Glockenschlag die goldenen Flügeltüren aufschwingt und von den versammelten Ehrengästen, wie auch dem deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder, unter Jubel empfangen wird.

Die Inauguration Putins war einmal mehr eine perfekt inszenierte Show für das russische Staatsfernsehen. So wurde nichts dem Zufall überlassen. Anders als noch 2012, als Putin durch gespenstisch leere Straßen der Moskauer Innenstadt kutschiert wurde, bewegte sich Putin am Montag nur noch innerhalb der Kreml-Mauern. Der Kreml-Herr in seiner Festung, der seine Arbeit nur für die kurze Zeit der Zeremonie niederlegt und der als Einziger die Geschicke des Landes lenkt.

Wirtschaft als Schlüsselfrage
Doch Putins vierte - und vorerst wohl auch letzte - Amtszeit wird keine leichte sein: Die fetten Jahres des Ölbooms sind vorbei, Russland steckt in einer Wirtschaftskrise und die Zahl jener Russen, die an der Armutsgrenze leben, steigt. Nach der Annexion der Krim, dem Krieg im Donbass, der Diskussion um die Einmischung in den US-Wahlkampf und zuletzt der Affäre um den vergifteten Ex-Spion Sergej Skripal haben die Spannungen zwischen Moskau und dem Westen wieder zugenommen. Nachdem gegenseitig Diplomaten ausgewiesen wurden, haben die USA erst vor wenigen Wochen wieder neue Sanktionen gegen Russland beschlossen. Zudem drängt die Frage, wie es nach der vierten Amtszeit Putins, die 2024 endet, weitergeht.

Es gehört zu den russischen Besonderheiten, dass Putin als jemand wahrgenommen wird, der über dem Tagesgeschäft der russischen Politik schwebt. "Der Präsident steht symbolisch für die Wiedergeburt des Landes als Weltmacht, während es die Bürgermeister, die Gouverneure und die Minister sind, die für Brände und Müllhalden zuständig sind", schreibt der Politologe Andrej Kolesnikow in einer Analyse. Wie zuletzt im Moskauer Umland, als Tausende gegen Mülldeponien demonstrierten oder im sibirischen Kemerowo, wo nach einem Brand mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen waren.

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Dokument erstellt am 2018-05-07 18:21:40
Letzte Änderung am 2018-05-08 07:48:59



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