• vom 08.05.2018, 17:13 Uhr

Weltpolitik


Malaysia

Die letzte Schlacht des Dr. M




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  • Mit 92 Jahren tritt bei der Wahl in Malaysia Ex-Premier Mahathir Mohamad noch einmal an. Diesmal für die Opposition.

Mahathir Mohamad steigt noch einmal in den politischen Ring. - © apa/afp

Mahathir Mohamad steigt noch einmal in den politischen Ring. © apa/afp



Kuala Lumpur. (dpa/klh) Wie Wahlkampf geht, das weiß Mahathir Mohamad noch. Auch wenn es schon ein paar Jahre her ist. Doch dieser Tage ist Malaysias ehemaliger Ministerpräsident, der in dem südostasiatischen Land mit dem Islam als Staatsreligion fast ein Vierteljahrhundert die Regierung führte, wieder mittendrin.

Bei der Parlamentswahl am Mittwoch tritt Dr. M, wie ihn hier alle nennen, noch einmal fürs Amt des Regierungschefs an. Allerdings mit großen Unterschieden zu früher: Erstmals kandidiert er für die Opposition. Mit 92 Jahren ist er einer der ältesten Spitzenkandidaten, die es in der internationalen Politik je gab. Und dieses Mal gilt er als Außenseiter. Favorit ist trotz eines Korruptionsskandals der amtierende Premier Najib Razak.


Für einen Mann seines Alters mutet sich "Dr. M" ein enormes Programm zu. Vier, fünf Auftritte pro Tag sind keine Seltenheit. Mit Kritik an seinem Nach-Nachfolger, dem er selbst ins Amt geholfen hatte, spart er nicht. Standardspruch, den er in keiner Rede auslässt: "Meine Damen und Herren, halten Sie Ihre Taschen zu, wenn Sie unterwegs sind. Es ist ein Dieb unter uns: der Premierminister." Dafür gibt es immer großes Gelächter und Applaus.

Die Vorwürfe beziehen sich auf eine Affäre, die Kritiker für "Kleptokratie der schlimmsten Art" halten, auch US-Justizminister Jeff Sessions. Najib wird zur Last gelegt, aus dem Staatsfonds 1MDB insgesamt 4,5 Milliarden US-Dollar zweckentfremdet zu haben. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" von 2015 flossen fast 700 Millionen Dollar direkt auf ein Konto, das ihm persönlich gehört.

Najib weist alle Vorwürfe zurück. Die Justiz im Malaysia hält die Sache für abschließend geklärt. Aber das Problem wird der Premier nicht los. Der Skandal sorgte auch für das Zerwürfnis mit Mahathir. Eigentlich kommen beide aus der Regierungspartei UMNO, die seit mehr als sechs Jahrzehnten an der Macht ist.

Jetzt jedoch tritt "Dr. M" für das Oppositionsbündnis Pakatan Harapan (PH/Pakt der Hoffnung) an. Dabei handelt es sich um ein Bündnis früherer Mitglieder der Regierungspartei UMNO, Politiker mit chinesischen Wurzeln, Demokratieaktivisten und moderater islamischer Gruppen.

Opposition benachteiligt
"Ich wollte nicht in die Politik zurück", sagt der Kandidat, Jahrgang 1925. "Aber der Premierminister hat so viel falsch gemacht. Die Leute haben mich gebeten, etwas zu tun. Ich denke, dass das jetzt auch meine Pflicht ist." In seinen Wahlkampf-Videos stilisiert sich Mahathir als gutmütiger "Großvater der Nation". Auch wenn er schon Urgroßvater ist.

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Dokument erstellt am 2018-05-08 17:18:43


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