• vom 15.05.2018, 11:42 Uhr

Weltpolitik

Update: 15.05.2018, 12:49 Uhr

Sex-Affäre

Ein "Adrenalin-Junkie" wird Trumps gefährlichster Gegner




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Von WZ Online, APA, AFP, Daniel Jahn

  • Stormy Daniels' Anwalt ist mediengewandt, aggressiv und will Trump mit seinen eigenen Waffen schlagen.

Donald Trump bestreitet weiterhin jeglichen sexuellen Kontakt mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels. 130.000 Dollar Schweigegeld habe er ihr trotzdem bezahlt, wie Trump nach anfänglicher Leugnung doch zugab.
 - © APAweb / Reuters, Leah Millis

Donald Trump bestreitet weiterhin jeglichen sexuellen Kontakt mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels. 130.000 Dollar Schweigegeld habe er ihr trotzdem bezahlt, wie Trump nach anfänglicher Leugnung doch zugab.
© APAweb / Reuters, Leah Millis

Washington. Brachiale Rhetorik, grobe Provokation, deftige Tweets. Die Rede ist nicht von Donald Trump. Die Rede ist von einem seiner größten Widersacher - Michael Avenatti. Der hyperaktive Anwalt des Pornostars Stormy Daniels könnte den US-Präsidenten zu Fall bringen. Er ist einer seiner geschicktesten und gefährlichsten Gegner. Ein Gegner, der den US-Präsidenten mit dessen eigenen Waffen schlagen will.

Avenatti streitet dafür, seine Mandantin von einer Vereinbarung entbinden zu lassen, in der sie sich einst gegen eine Geldzahlung zum Stillhalten über ihr angebliches Sex-Abenteuer mit Trump verpflichtet hatte. Seinen Kampf vor Gericht begleitet der Anwalt mit einer massiven Medienoffensive.

Und zumindest in der PR-Schlacht liegt der telegene 47-Jährige mit den stahlblauen Augen, dem kantigen Kinn und kurzrasierten Schädel nach Punkten klar vorn. Während Trump und seine Anwälte sich in Ungereimtheiten über die Schweigevereinbarung verwickelten, hat Avenatti es geschafft, die Affäre um die Porno-Darstellerin zum Politikum zu machen. Der Stormy-Skandal werde Trump letztlich zwingen, vorzeitig sein Amt abzugeben, sagt der forsche Anwalt sogar voraus.

Stephanie Clifford, alias Stormy Daniels, mit ihrem Anwalt Michael Avenatti. Der Advokat pfelgt beruflich "einen gewissen aggressiven Stil". Er hat sich in Trump verbissen. Bringt er ihn zu Fall?

Stephanie Clifford, alias Stormy Daniels, mit ihrem Anwalt Michael Avenatti. Der Advokat pfelgt beruflich "einen gewissen aggressiven Stil". Er hat sich in Trump verbissen. Bringt er ihn zu Fall?© APAweb / afp, Eduardo Munoz Alvarez Stephanie Clifford, alias Stormy Daniels, mit ihrem Anwalt Michael Avenatti. Der Advokat pfelgt beruflich "einen gewissen aggressiven Stil". Er hat sich in Trump verbissen. Bringt er ihn zu Fall?© APAweb / afp, Eduardo Munoz Alvarez

Twitternd durch Talkshows

Der unermüdlich twitternde und durch die Talksendungen ziehende Avenatti pocht darauf, dass es in dem Fall noch um viel mehr gehe als die pikanten Details einer außerehelichen Eskapade - tatsächlich gehe es um Trumps Haltung zu seinem Amt. Die angeblichen Vertuschungsversuche des Präsidenten und seines Teams prangert Avenatti als Wählertäuschung an: Die Bürger hätten das Recht, von ihren gewählten Vertretern "nicht belogen zu werden".

Und die angeblichen Gewaltandrohungen und anderen Druckmethoden gegen seine Mandantin bezeichnet er als "gangsterhaftes Verhalten von Menschen an der Macht". Avenatti hat massiven Gegendruck aufgebaut - zuletzt per Veröffentlichung von Dokumenten über Beraterverträge von Trumps persönlichem Anwalt Michael Cohen mit Großunternehmen und einem russischen Oligarchen. Gegen Cohen laufen Ermittlungen wegen seines Geschäftsgebarens.

Pornostars, Christina Aguilera, gefährliche OP-Kittel

Mit Hilfe des Pornostars ist Avenatti selber zum Star geworden. Doch ein Unbekannter war er vorher keineswegs. Erst vergangenes Jahr erzielte er seinen bisher spektakulärsten Erfolg - mit einer Sammelklage gegen Hersteller von OP-Kitteln, die nicht ausreichend gegen Ebola und andere Viren geschützt haben sollen. Eine Jury verurteilte zwei Firmen zu Zahlungen in der Rekordhöhe von 454 Millionen Dollar (378,71 Mio. Euro). Der Fall ist allerdings noch in der Berufung.

Auch einige Promi-Mandanten hatte Avenatti schon früher, darunter die Popsängerin Christina Aguilera und die Schauspielerin Zeta Graff, die er in einem Streit mit dem Partygirl Paris Hilton vertrat. Und auch mit Trump hatte Avenatti bereits zu tun: Er vertrat einst einen Mandanten, der anführte, die Idee zu Trumps TV-Show "The Apprentice" sei von ihm gestohlen. Der Streit wurde 2006 außergerichtlich beigelegt.


Im Mittelweststaat Missouri auf und studierte Politologie an der University of Pennsylvania sowie Jus an der George Washington University in Washington. Seine Studien finanzierte er sich unter anderem mit Jobs für Wahlkampagnen von Republikanern wie Demokraten, indem er Recherchen über die jeweiligen politischen Gegner anstellte.

"Aggressiver" Advokat im Rennwagen

Eine Karriere in der Politik strebte Avenatti aber nicht an. Nach dem Studium zog er nach Los Angeles, um als Anwalt zu arbeiten. Seit mehr als zehn Jahren hat er seine eigene Kanzlei. Neben dem Anwaltsberuf gibt es in seinem Leben übrigens noch eine zweite große Passion - die Rennfahrerei. Er ist unter anderem das 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans gefahren.

Von seinem ehemaligen Hochschullehrer Jonathan Turley wird Avenatti als "Adrenalin-Junkie" beschrieben. "In Rechtsstreitigkeiten wie im Leben zeigt er einen gewissen aggressiven Stil", sagte der Jusprofessor der "Washington Post". Trump und sein Team können davon bereits ein Lied singen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-15 11:43:46
Letzte Änderung am 2018-05-15 12:49:56


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