• vom 16.05.2018, 17:33 Uhr

Weltpolitik

Update: 16.05.2018, 18:00 Uhr

Syrien

Chemiewaffen-Experten weisen Chlorgas-Einsatz in Syrien nach




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  • In der Stadt Sarakib wurde am 4. Februar chemischer Kampfstoff aus Zylindern freigesetzt.

Der Einsatz von Giftgas in Duma wird noch untersucht. - © afp

Der Einsatz von Giftgas in Duma wird noch untersucht. © afp

Amsterdam. Bei einem Angriff in der nordsyrischen Provinz Idlib im Februar ist nach Angaben der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) vermutlich Chlorgas eingesetzt worden. In Labortests von Proben aus der Stadt Sarakib seien Spuren der Chemikalie nachgewiesen worden, so die OPCW.

Zur Frage, welche Seite in dem seit Jahren andauernden Bürgerkrieg die international geächtete Waffe bei dem Angriff auf das von Rebellen kontrollierte Gebiet eingesetzt hat, äußerten sich die Experten nicht. Dazu haben sie auch nicht das Mandat.

Die Chemiewaffen-Experten hätten festgestellt, dass Chlorgas aus zwei Zylindern freigesetzt worden sei, heißt es in der OPCW-Erklärung. Die Bewertung basiere auf der Untersuchung der Zylinder, in denen Chlorgas nachgewiesen worden sei, auf Zeugenaussagen und Umweltproben, die eine ungewöhnliche Konzentration von Chlor ergeben hätten. Zudem seien nach dem Angriff am 4. Februar zahlreiche Menschen in Krankenstationen wegen Atembeschwerden und anderen Symptomen behandelt worden, die typisch für den Kontakt mit Chlorgas oder anderen giftigen Chemikalien seien.

Die OPCW hatte im Auftrag der UNO schon in der Vergangenheit in Syrien den Einsatz von Chlorgas und des Nervengifts Sarin nachgewiesen und dafür die syrische Regierung verantwortlich gemacht. Die Rebellen haben nach OPCW-Erkenntnissen einmal Senfgas eingesetzt. Die syrische Regierung streitet den Einsatz von Giftgas ab und beschuldigt Rebellen, den Giftgaseinsatz inszeniert zu haben.

Ein Untersuchungsergebnis der OPCW-Experten zum mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der damaligen Rebellenenklave Duma vom 7. April liegt noch nicht vor. Als Reaktion auf den mutmaßlichen Angriff hatten die USA, Frankreich und Großbritannien Chemieeinrichtungen in Syrien bombardiert.

Rebellen ziehen ab
Unterdessen haben die Aufständischen ihre letzte Bastion im dicht bevölkerten Zentrum Syriens aufgegeben. Nach Angaben des syrischen Staatsfernsehens wurden die letzten Oppositionellen am Mittwoch aus dem Raum zwischen Hama und Homs in Rebellen-Gebiete im Norden gebracht.

Damit bringt die Regierung von Machthaber Bashar al-Assad ein weiteres Stück der strategisch wichtigen Nord-Süd-Verbindung unter ihre Kontrolle. Im Gegenzug für sicheres Geleit haben zuletzt immer mehr Aufständische Enklaven im Westen und in Zentralsyrien geräumt. Insgesamt dürften so über 100.000 Rebellen und Zivilisten umgesiedelt worden sein.

Die Aufständischen halten noch immer breite Landstriche im Nord- und Südwesten des Landes unter ihrer Kontrolle. Diese liegen an den Grenzen zur Türkei und Jordanien, von wo aus sie zeitweise unterstützt werden. Weil die Nachbarländer begrenzte Waffenruhen an ihren jeweiligen Grenzen garantieren, werden die dortigen Rebellen bisher nicht von den Truppen Assads belagert.

Zu der nun evakuierten Rebellen-Enklave zählen die Orte Houla, Rastan und Talbize sowie die sie umgebenden Dörfer. Die Abzugsvereinbarungen zwischen den Aufständischen und der Regierung wurden wiederholt von Russland ausgehandelt, dem wichtigsten militärischen Verbündeten Assads. Das einzige Gebiet, dass von der syrischen Armee noch belagert wird, liegt im Süden der Hauptstadt Damaskus im Palästinenser-Lager Yarmouk. Dort sind IS-Kämpfer nicht bereit, abzuziehen.




Schlagwörter

Syrien, Chemiewaffen, Chlorgas

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Dokument erstellt am 2018-05-16 17:39:52
Letzte Änderung am 2018-05-16 18:00:56



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