• vom 17.05.2018, 07:34 Uhr

Weltpolitik

Update: 17.05.2018, 08:05 Uhr

Venezuela

Die große Farce




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Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

  • Wenn am Sonntag in Venezuela Präsidentschaftswahlen anstehen, ist die Opposition nahezu ausgeschlossen.

Jubeln ihrem Idol Maduro zu: Venezolaner bei einer Kundgebung in Charallave bei Caracas. - © afp

Jubeln ihrem Idol Maduro zu: Venezolaner bei einer Kundgebung in Charallave bei Caracas. © afp



Alle Macht in seiner Hand: Präsident Nicolas Maduro lässt sich im Amt bestätigen.

Alle Macht in seiner Hand: Präsident Nicolas Maduro lässt sich im Amt bestätigen.© reuters Alle Macht in seiner Hand: Präsident Nicolas Maduro lässt sich im Amt bestätigen.© reuters

Rio de Janeiro. Rote Papierschnipsel fliegen in die Luft, links und rechts der kleinen Straße, die Nicolas Maduro in Caracas entlang schreitet, rufen die Menschen etwas gequält "Viva Nicolas, Viva Chavez". Es sind Anhänger der Sozialisten, die Maduro ordnungsgemäß feiern. Es ist fast immer die gleiche Zeremonie, die Maduro abliefert. Er lobt die venezolanische Revolution und verspricht: "Die besten Jahre liegen vor uns." Der harte Kern seiner Anhänger, die überwiegend im Staatsdienst oder staatlichen Unternehmen angestellt sind, glaubt den Aussagen des Präsidenten, dass die tiefe Krise, die das Land nun seit Jahren fest im Griff hat, nicht die Schuld der alle Institutionen dominierenden Sozialisten ist, sondern ein von den USA gesteuerter Wirtschaftskrieg. Die Staatsmedien übertragen live, Maduro feuert Breitseiten gegen US-Präsident Donald Trump und dessen jüngste Sanktionen. "Trump, lass Venezuela in Frieden", brüllen seine Anhänger. Maduro sieht zufrieden aus.

Herausforderer in Haft

Es ist Wahlkampf in Venezuela, ein Wahlkampf, der eigentlich keiner ist. Denn, diejenigen, die den Präsidenten herausfordern könnten, sitzen entweder in Haft, in Hausarrest oder sind im Exil. Leopoldo Lopez etwa, seit fünf Jahren hinter Gittern beziehungsweise in Hausarrest. Henrique Capriles, beim letzten Urnengang knapp unterlegener Kandidat der Opposition und inzwischen mit einem Berufsverbot belegt. Nicolas Maduro, der ehemalige Busfahrer und Gewerkschaftler, hat im Vorfeld der Wahlen am kommenden 20. Mai nichts dem Zufall überlassen. Wer ihm gefährlich werden könnte, ist aus dem Weg geräumt. Die Wahlen wurden vor ein paar Wochen so überstürzt ausgerufen, dass der Rest der Opposition nicht einmal mehr Zeit hatte, in Vorwahlen einen eigenen Kandidaten zu bestimmen. Weil ihrer Meinung nach zudem Garantien fehlen, dass es freie und faire Wahlen gibt, boykottiert das Oppositionsbündnis "Tisch der Einheit" (MUD) den Wahlgang. Und selbst das ist umstritten.

Damit ist der Weg frei für Maduro. Denn der Teil, der für ein anderes Venezuela ist, hat resigniert. "Die Menschen haben gewählt, doch ihre Stimme zählt nichts mehr", sagt Gabriel (25), ein Maschinenbau-Student aus Valencia, der inzwischen in die kolumbianische Hauptstadt Bogota geflohen ist. "Der endgültige Absturz kam nach den Parlamentswahlen 2015. Da haben die Leute gemerkt, dass sie keine Chance mehr haben, dieses Regime auf demokratische Weise abzulösen", sagt Gabriel, der aus Rücksicht auf seine in Valencia gebliebene Familie nur seinen Vornamen nennen will.




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Dokument erstellt am 2018-05-16 17:39:58
Letzte Änderung am 2018-05-17 08:05:32



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