• vom 16.05.2018, 17:51 Uhr

Weltpolitik

Update: 16.05.2018, 18:04 Uhr

Atomstreit

Nordkorea will den Spieß umdrehen




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Von Klaus Huhold

  • Das Regime in Pjöngjang ist erzürnt über Forderungen aus Washington und ein Militärmanöver der USA mit Südkorea.

Sorgen für Ärger in Nordkorea: die Militärübungen von USA und Südkorea . . .

Sorgen für Ärger in Nordkorea: die Militärübungen von USA und Südkorea . . .

. . . sowie Trump-Berater John Bolton.

. . . sowie Trump-Berater John Bolton.© ap . . . sowie Trump-Berater John Bolton.© ap

Washington/Seoul. Einen provokanteren Vergleich hätte John Bolton gar nicht wählen können: Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump verkündete, dass das "libysche Modell" auch auf Nordkorea angewandt werden könnte. Der nordafrikanische Staat hatte vor 15 Jahren unter Muammar al-Gaddafi einer Zerstörung seiner Massenvernichtungswaffen zugestimmt, wenn die internationalen Sanktionen aufgehoben würden. Später wurde Gaddafi dann mithilfe einer vom Westen angeführten militärischen Intervention gestürzt.

Genau das Beispiel Libyen wurde von der nordkoreanischen Führung immer wieder als Grund genannt, warum man Atomwaffen brauche. Den USA sei demnach nicht zu trauen, und wer sich nicht genug vor Washington schütze, dem drohe ein militärischer Angriff der USA, wenn diese einen Regimewechsel erzwingen wollen.


"Die Welt weiß sehr gut, dass wir nicht Libyen oder der Irak sind, die ein bedauernswertes Schicksal ereilt hat", verkündete Nordkoreas Vizeaußenminister Kim Kye Gwan. Und außerdem: "Es ist absolut absurd, die Demokratische Volksrepublik Korea, einen Atomstaat, mit Libyen zu vergleichen, das erst am Anfang seines Nuklearprogramms stand."

Geplatzte Euphorie
Nordkorea hat deshalb eine Drohung ausgestoßen, die all die Euphorie der vergangen Tage ob der Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel wie einen Luftballon platzen ließ: Das Regime in Pjöngjang überlegt, das für den 12. Juni in Singapur angesetzte Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un platzen zu lassen.

Bolton, der, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, "über den bevorstehenden Gipfel spricht, als wären es Kapitulationsverhandlungen", hat bereits ganz klar die Bedingungen der USA definiert: Der als Falke und Hardliner bekannte Politiker, der schon in der Vergangenheit von Nordkorea als "Blutsauger" bezeichnet wurde, forderte, dass Pjöngjang sofort, nachweisbar und vollständig seine Atomwaffen vernichte. Erst dann würden die Sanktionen der USA gelockert werden.

"Wir sind nicht länger an Verhandlungen interessiert, deren Ziel lediglich ist, uns in eine Ecke zu drängen", verkündete daraufhin Nordkoreas Regime. Wenn die US-Regierung dagegen den Gipfel mit ehrlichen Absichten plane, wolle Pjöngjang angemessen reagieren. Prinzipiell sei es aber eine irrige Annahme, dass Nordkorea sein Atomprogramm im Tausch für Handel mit den USA aufgeben werde.

Ein hochrangiges Treffen mit einer südkoreanischen Delegation hat Nordkorea am Mittwoch bereits platzen lassen. Bei diesem hätte darüber verhandelt werden sollen, wie die Beschlüsse des innerkoreanischen Gipfels zwischen Kim Jong-un und Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in konkret umgesetzt werden. Bei dem Gipfel waren ja unter anderem wirtschaftliche Kooperationen, Treffen zwischen in Nord und Süd getrennten Familien und ein Friedensvertrag, der den Korea-Krieg (1950-53) formell beendet, als Ziele ausgegeben worden.

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Dokument erstellt am 2018-05-16 17:57:53
Letzte Änderung am 2018-05-16 18:04:24


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