• vom 17.05.2018, 21:31 Uhr

Weltpolitik


Syrien

Tod in der Timeline




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Von Oliver Beckhoff

  • Als einer der ersten Konflikte findet der Syrien-Krieg "live" im Nachrichtenstrom der sozialen Netzwerke statt. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz wollen Menschenrechtler die online gestellten Videos nun zur Aufklärung von Kriegsverbrechen nutzen.

Die Amateur-Aufnahmen aus Syrien sind oft unscharf und verwackelt. Mit Hilfe von Algorithmen lassen sich dennoch wichtige Details aufspüren. - © reuters

Die Amateur-Aufnahmen aus Syrien sind oft unscharf und verwackelt. Mit Hilfe von Algorithmen lassen sich dennoch wichtige Details aufspüren. © reuters

Damaskus/Berlin. (dpa) Einen Moment lang taucht der Feuerball die Landschaft in grelles Licht. Schemen von einigen Gebäuden werden sichtbar. Dann legt sich die Nacht wieder wie ein Schleier über das Geschehen. Was sich im Inneren des Krankenhauses in Idlib im Nordwesten Syriens abspielt, gegen das sich der Luftschlag richtet, lässt das Amateurvideo nur erahnen. Es ist die vierte Attacke gegen ein Krankenhaus in der Stadt innerhalb eines Monats. Nachgewiesen haben dies Menschenrechtler der Gruppe Syrian Archive. Im Berliner Büro der Gruppe, die Menschenrechtsverstöße mit Hilfe von Internetvideos aufspürt, ist der Krieg in Syrien stets präsent.

Sollte die Staatengemeinschaft Kriegsverbrechen im seit 2011 andauernden Konflikt eines Tages aufklären wollen, könnte künstliche Intelligenz (KI) dabei eine Schlüsselrolle spielen. Die App "VFrame", die die Gruppe zusammen mit Wissenschaftern entwickelt hat, könnte es möglich machen. Im Rahmen der "Open Knowledge Foundation Deutschland" wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.


Hadi Khatib spricht bedächtig, als er Anfang Mai auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin präsentiert, was die Arbeit seiner Mitarbeiter in Berlin und ihrer Unterstützer in Syrien bereits revolutioniert hat. Er ist Gründer des Syrian Archive. Die 2014 in Berlin gegründete Gruppe sammelt, verifiziert und analysiert Videos und Bilder aus öffentlich zugänglichen Quellen, um Menschenrechtsverstöße von allen Beteiligten zu dokumentieren. Der Fokus liegt auf dem Syrienkonflikt. Mehr als 1,5 Millionen Videos hat das Syrian Archive gesammelt. Das seien mehr, als ohne technische Hilfe ausgewertet werden könnten. Rund 4500 der Clips hat die Gruppe bis Anfang Mai verifiziert.

51 Mal schneller als der Mensch
Der Krieg in Syrien ist einer der ersten Konflikte, der live in die Timelines sozialer Netzwerke übertragen wird - in Form verwackelter Handyaufnahmen auf YouTube, Facebook oder Twitter. Während Menschen Videos in Gänze schauen müssen, um eventuelle Hinweise auf Menschenrechtsverstöße zu entdecken, liefert die App in Sekunden einen Zusammenschnitt verdächtiger Funde. Etwa 51 Mal schneller als Menschen sei das Programm, sagt der Wissenschafter und Mitentwickler Adam Harvey.

"Verdächtig", das sind vor allem nach internationalen Übereinkommen geächtete Kriegsmittel - Waffen und Munition, zum Beispiel bestimmte Giftgaszylinder. Achtzehn Waffentypen kann der Algorithmus bereits erkennen, selbst dann, wenn sie nur verdreckt oder beschädigt zu sehen sind. Bis Anfang Juni wollen die Entwickler dem Programm die Erkennung weiterer Munitions- und Waffentypen antrainieren. So sollen auch Ressourcen freigesetzt werden für die aufwendige Verifikation.

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Dokument erstellt am 2018-05-17 17:45:51
Letzte Änderung am 2018-05-17 21:06:51


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