• vom 04.06.2018, 16:09 Uhr

Weltpolitik


Atomstreit

Erwartungen werden vor Nordkorea-Gipfel gedämpft




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  • Dass Trump und Kim bei ihrem Treffen eine Einigung erzielen, ist unwahrscheinlich. Das räumt mittlerweile selbst der US-Präsident ein.

Kim Jong-un spricht vor Militärs. Offenbar hat Nordkoreas Diktator in der Armee Personalrochaden vorgenommen. - © reuters/kcna

Kim Jong-un spricht vor Militärs. Offenbar hat Nordkoreas Diktator in der Armee Personalrochaden vorgenommen. © reuters/kcna

Washington/Pjöngjang. (klh) Nichts Genaues weiß man nicht. Offenbar hat Nordkoreas Führer Kim Jong-un drei führende Militärvertreter ausgetauscht. Dass Kim Su-gil zum Direktor des mächtigen militärischen Politbüros ernannt wurde, ist gesichert, schließlich haben das die staatlichen nordkoreanische Medien berichtet. Dass auch der Verteidigungsminister und der Generalstabschef durch ihre jeweiligen Vizes ersetzt wurden, ist nicht gesichert, diese Informationen beruhen lediglich auf Erkenntnissen des südkoreanischen Geheimdienstes.

Wie so oft, bleiben viele Vorgänge in diesem abgeschotteten Staat im Unklaren. So sind auch verschiedene Theorien im Umlauf, warum Kim Jong-un, diese Veränderungen, wenn er sie denn alle vollzogen hat, vorgenommen hat. Die gängigste lautet: Der nordkoreanische Staatschef hat ältere Kader durch jüngere ersetzt, die ihm gegenüber loyaler sind. Damit schloss er vor seinem Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump die Reihen und installierte Vertraute, die seinen Kurs der Annäherung mittragen.


Auch rund um das Gipfeltreffen ist vieles noch unklar. Relativ gesichert scheint momentan, dass es am 12. Juni tatsächlich in Singapur stattfinden wird. Trump verkündete, dass er fest davon ausgehe - aber auch das kann sich bei ihm schnell ändern.

Die Kosten des Gipfels sind enorm. Die 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) würde einen Teil davon übernehmen, sagte Ican-Vertreter Akira Kawasaki am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Ican wäre bereit, Teile des Preisgeldes von 850.000 Euro etwa für Hotels und Konferenzräume zur Verfügung zu stellen, um "eine atomwaffenfreie Welt zu fördern". Vor allem den Nordkoreanern könnte Ican zur Seite springen. Obwohl dort die Staatskassen leer sind, soll Kim während des Gipfels in einer Luxussuite für 6000 Dollar die Nacht residieren.

Sonst ist auffällig, wie sehr die Erwartungen gedämpft werden, je näher der Gipfel rückt. Anfang Mai hatte Trump noch verkündet, dass Kim und er versuchen würden, das Treffen "zu einem sehr besonderen Augenblick für den Weltfrieden zu machen". Nun sagte Trump, dass der Gipfel vor allem dem gegenseitigen Kennelernen diene. Eine Einigung sei noch nicht zu erwarten.

Tatsächlich liegen die Positionen weit auseinander. Washington verlangt, dass Nordkorea seine Atomwaffen aufgibt. Pjöngjang wiederum wird wohl fordern, dass auch über einen Abzug der in Südkorea stationierten US-Truppen verhandelt wird.

Das haben die USA aber bereits im Vorfeld des Gipfels ausgeschlossen. Als Gegenleistung für eine Denuklearisierung Nordkoreas sind sie nur bereit, die Wirtschaftssanktionen zu lockern. Eine kontrovers diskutierte Frage vor dem Gipfel ist aber, wie schnell die USA Nordkorea wie sehr entgegenkommen sollen. Soll Nordkorea allein für seine Verhandlungsbereitschaft belohnt werden? Oder soll es erst dann ein wirtschaftliches Entgegenkommen geben, wenn Pjöngjang konkrete Schritte zur Abrüstung gesetzt hat? Derzeit scheint die US-Linie zu sein, dass Nordkorea erst dann mit Erleichterungen rechnen kann, wenn es seine Atomwaffen verschrottet. Doch auch diese Haltung Trumps könnte sich schnell ändern.




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Dokument erstellt am 2018-06-04 16:16:19


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