• vom 12.06.2018, 07:33 Uhr

Weltpolitik

Update: 12.06.2018, 18:02 Uhr

Nordkorea-Gipfel

Korea-Krieg soll "bald enden"




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Von WZ Online, APA, dpa, Reuters, AFP

  • Das historische Treffen ist vorbei: Nordkorea verpflichtet sich zu kompletter Denuklearisierung.

Nach dem Gipfel gibt Trump eine Pressekonferenz, in der er weitere Details der Vereinbarungen mit Nordkorea bekannt gibt. - © APAweb/AFP, Saul Loeb

Nach dem Gipfel gibt Trump eine Pressekonferenz, in der er weitere Details der Vereinbarungen mit Nordkorea bekannt gibt. © APAweb/AFP, Saul Loeb

Eine Pause in ihrem Gespräch nutzen der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und der amerikanische Präsident Donald Trump für einen gemeinsamen Blick auf die anwesenden Medienleute.

Eine Pause in ihrem Gespräch nutzen der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und der amerikanische Präsident Donald Trump für einen gemeinsamen Blick auf die anwesenden Medienleute.© APAweb / AFP PHOTO / The Straits Times / Kevin LIM Eine Pause in ihrem Gespräch nutzen der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un und der amerikanische Präsident Donald Trump für einen gemeinsamen Blick auf die anwesenden Medienleute.© APAweb / AFP PHOTO / The Straits Times / Kevin LIM

Singapur. Das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ist nach etwas mehr als acht Stunden vorbei. Nach Kim verließ am Dienstagnachmittag (Ortszeit) auch Trump das Hotel "Capella" auf der Insel Sentosa, wo der erste Gipfel in der Geschichte beider Nationen stattgefunden hatte.

Zuvor hatte sich Trump in einer ungewöhnlich langen Pressekonferenz mehr als eine Stunde lang den Fragen von Journalisten gestellt. Kim gab über einige Sätze bei der Unterzeichnung einer gemeinsamen Vereinbarung keine weitere Stellungnahme ab.

Trump wollte sich gegen 19 Uhr Ortszeit (13 Uhr MESZ) auf den Heimflug in die USA machen. Die Abflugzeit des nordkoreanischen Machthabers war offiziell nicht bekannt. Insidern zufolge sollte er gegen 21 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) aus Singapur abreisen.

Unklare Absichten für Südkorea

Südkoreas Präsident Moon Jae-in lobte den Mut und die Entschlossenheit von Kim und Trump. Man werde die dunklen Zeiten des Krieges für immer hinter sich lassen, erklärte Moon am Dienstag.

Ein weiterer historischer Moment: die beiden Machthaber unterzeichnen ein Dokument.

Ein weiterer historischer Moment: die beiden Machthaber unterzeichnen ein Dokument.© APAweb / AP, Evan Vucci Ein weiterer historischer Moment: die beiden Machthaber unterzeichnen ein Dokument.© APAweb / AP, Evan Vucci

Zum vom US-Präsidenten angekündigten Stopp der US-Militärmanöver hieß es von südkoreanischer Seite, man müsse ergründen, was Trumps Absichten seien. Die Streitkräfte der beiden Verbündeten trainieren bisher regelmäßig gemeinsam.



Zusage Kims, militärisches Trestgelände zu schließen

Kim habe ihm zugesagt, ein militärisches Testgelände zu schließen, sagte Trump. Nordkorea werde ein "großes" Raketentestgelände zerstören, sagte Trump. Einzelheiten nannte er allerdings nicht. Vor dem Gipfel hatte Nordkorea in einem als Zeichen des guten Willens dargestellten Schritt bereits sein Atomtestgelände Punggye Ri unbrauchbar gemacht.

Ein historischer Handschlag zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un.

Ein historischer Handschlag zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un.© APAweb / Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd via AP Ein historischer Handschlag zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un.© APAweb / Host Broadcaster Mediacorp Pte Ltd via AP

Trump sagte, er habe mit Kim auch über die Menschenrechtslage in Nordkorea gesprochen. Er habe das Thema "mit Nachdruck" angesprochen, sagte der US-Präsident. "Wir werden uns darum kümmern", fügte er hinzu. Das Menschenrechtsklima in Nordkorea sei "rau" - wie "übrigens" an vielen anderen Orten auch.

An den Sanktionen gegen Nordkorea werde er vorerst festhalten, kündigte Trump an. "Die Sanktionen werden aufgehoben, wenn wir sicher sind, dass die Atombomben keine Größe mehr sind", sagte Trump wörtlich. Er hoffe darauf, dass dies schon "bald" der Fall sein werde. Er "freue" sich sogar schon darauf, die Sanktionen "zu einem bestimmten Zeitpunkt" aufzuheben.

US-Sicherheitsgarantien für Nordkorea

Bei ihrem Gipfel hatten Trump und Kim eine Normalisierung der Beziehungen und eine "Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel vereinbart. Kim willigte bei dem Treffen in die "vollständige Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel ein. In einem zum Abschluss des Treffens von beiden Staatenlenkern unterzeichneten Dokument sagte Trump im Gegenzug "Sicherheitsgarantien" für Nordkorea zu.

Die Vereinbarungen in dem Gipfeldokument blieben allerdings vage. Laut dem Dokument bekräftigte Kim seine "entschlossene und unerschütterliche Verpflichtung" zur "kompletten Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel". Was aber darunter genau zu verstehen sein soll, blieb offen.

Russland bietet Hilfe an



Trump kündigte für kommende Woche Gespräche über die Details der Entnuklearisierung Nordkoreas an. Dabei arbeiteten die USA auch mit Südkorea, Japan und China zusammen.

Russland bot seine Hilfe bei der atomaren Abrüstung Nordkoreas an. Das Treffen zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber sei positiv gewesen, aber "der Teufel steckt im Detail", erklärte das russische Außenministerium nach Berichten russischer Nachrichtenagenturen.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe bezeichnete die Vereinbarung zwischen Trump und Kim als ersten Schritt hin zu einem umfassenden Abkommen und einer Entnuklearisierung Nordkoreas.

Kim: "Großer Wandel"

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un hatte sich mit den Ergebnissen bei der gemeinsamen Unterzeichnungszeremonie ebenfalls zufrieden gezeigt. "Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen", sagte er. "Die Welt wird einen großen Wandel erleben." Das Treffen in Singapur war der erste Gipfel in der Geschichte beider Staaten.

Information

Die Gemeinsame Erklärung der USA und Nordkoreas

Es folgt eine Übersetzung der Nachrichtenagentur Reuters:

Präsident Donald J. Trump aus den Vereinigten Staaten von Amerika und der Vorsitzende Kim Jong-un von der Kommission für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) haben am 12. Juni 2018 in Singapur einen ersten, historischen Gipfel abgehalten.

Präsident Trump und der Vorsitzende Kim Jong-un führten einen umfassenden, eingehenden und aufrichtigen Meinungsaustausch über die Fragen im Zusammenhang mit der Einrichtung neuer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen Volksrepublik Korea sowie dem Aufbau eines dauerhaften und robusten Friedensregimes auf der Koreanischen Halbinsel. Präsident Trump verpflichtete sich, der DVRK Sicherheitsgarantien zu geben, und der Vorsitzende Kim Jong-un bekräftigte seine feste und unerschütterliche Verpflichtung, die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel abzuschließen.

Überzeugt davon, dass die Schaffung neuer Beziehungen zwischen den USA und der DVRK zum Frieden und Wohlstand der Koreanischen Halbinsel und der Welt beitragen wird und dass gegenseitige Vertrauensbildung die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel fördern kann, erklären Präsident Trump und der Vorsitzende Kim Jong-un Folgendes:

1. Die Vereinigten Staaten und die DVRK verpflichten sich, neue Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen Volksrepublik Korea zu schaffen im Einklang mit dem Wunsch der Völker beider Länder nach Frieden und Wohlstand.

2. Die Vereinigten Staaten und die Demokratische Volksrepublik Korea werden gemeinsame Bemühungen einsetzen zur Schaffung eines dauerhaften und stabilen Friedensregimes auf der Koreanischen Halbinsel.

3. In Bestätigung der Panmunjom-Erklärung vom 27. April 2018 (Gipfel Kims mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, Anm.) verpflichtet sich die DVRK, auf eine vollständige Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten.

4. Die Vereinigten Staaten und die DVRK verpflichten sich, die sterblichen Überreste der Kriegsgefangenen und Vermissten zurückzuführen, einschließlich der sofortigen Repatriierung derer, die bereits identifiziert wurden.

In Anerkennung, dass das Gipfeltreffen zwischen den USA und der DVRK - das erste in der Geschichte - ein epochales Ereignis von großer Bedeutung war, das die jahrzehntelangen Spannungen und Feindseligkeiten zwischen den beiden Ländern überwindet und eine neue Zukunft öffnet, verpflichten sich Präsident Trump und der Vorsitzende Kim Jong-un, die Bestimmungen in dieser gemeinsamen Erklärung vollständig und zügig umzusetzen. Die Vereinigten Staaten und die DVRK verpflichten sich, zum frühestmöglichen Zeitpunkt von US-Außenminister Mike Pompeo und einem hochrangigen DVRK-Beamten geleitete Folgeverhandlungen zur Umsetzung der Ergebnisse des USA-DVRK-Gipfels abzuhalten.

Präsident Donald J. Trump aus den Vereinigten Staaten von Amerika und der Vorsitzende Kim Jong-un von der Kommission für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik Korea haben sich dazu verpflichtet bei der Entwicklung neuer Beziehungen zwischen den USA und der DVRK sowie bei der Förderung von Frieden, Wohlstand und Sicherheit der koreanischen Halbinsel und der Welt zusammenzuarbeiten.

12. Juni 2018

Insel Sentosa

Singapur


Bis vor wenigen Monaten tauschten Kim und Trump noch heftige Beschimpfungen aus, bis hin zur Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen. Nach der Unterzeichnung in Singapur sagte Trump über Kim: "Ich habe gelernt, dass er ein sehr talentierter Mann ist, und ich habe außerdem gelernt, dass er sein Land sehr liebt."

Schon nach dem Mittagessen sagte Trump: "Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse." Die persönliche Begegnung im Luxushotel "Capella" auf der Insel Sentosa sollte ein Neuanfang in dem bisher angespannten und teils offen feindlichen Verhältnis werden. Nach einem ersten Handschlag mit Trump hatte Kim gesagt: "Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier."

13-Sekunden-Handschlag

Trump und Kim hatten sich zum Auftakt vor jeweils sechs Flaggen der USA und Nordkoreas in dem Kolonialbau den Kameras gestellt. Bei dem 13 Sekunden dauernden, historischen Handschlag wirkten beide Politiker ernst und angespannt, doch fasste Trump seinem Gegenüber freundschaftlich kurz an die Schulter. Das Treffen hat für Nordkorea immensen symbolischen Wert. Es signalisierte, mit der Supermacht USA auf gleicher Augenhöhe zu stehen.

Trump nach G7-Eklat unter Erfolgsdruck

Nach dem Eklat am Wochenende auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) in Kanada stand Trump zusätzlich unter Druck, einen Erfolg vorzuweisen. Nie zuvor war ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Führer des isolierten Landes zusammengetroffen.

Nordkoreas Machthaber sucht außer starken Sicherheitsgarantien eine Aufhebung der scharfen Sanktionen, welche die Vereinten Nationen und auch die USA auch einseitig als Reaktion auf seine Atom- und Raketentests verhängt haben. In einem Entgegenkommen hatte Kim im April einen Atom- und Raketenteststopp erklärt und verkündet, sich künftig auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrieren zu wollen.

Politisch will Nordkorea diplomatische Beziehungen zu den USA. Nordkorea schlägt zur Lösung des Atomkonflikts ein "synchrones" und "phasenweises" Vorgehen vor. Den USA geht es auch darum, dass Pjöngjang seine Langstreckenraketen sowie jene Raketen mit kürzerer Reichweite beseitigt, die zwar nicht die USA, aber Südkorea oder Nachbarn wie Japan treffen können.

65 Jahre nach Ende des Korea-Krieges und 70 Jahre nach Gründung Nordkoreas streben beide Seiten als Grundlage für die atomare Abrüstung auch eine Friedenslösung an. Damals wurde nur ein Waffenstillstandsabkommen besiegelt. Insbesondere Nordkorea wünscht sich vertragliche Vereinbarungen, dass die Führung in Pjöngjang nicht durch einen Angriff gestürzt wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-12 07:35:30
Letzte Änderung am 2018-06-12 18:02:19


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