• vom 12.06.2018, 18:11 Uhr

Weltpolitik

Update: 12.06.2018, 18:38 Uhr

Nordkorea-Gipfel

Vom "Raketenmann" zur "großen Persönlichkeit"




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Von Ronald Schönhuber

  • Der Gipfel in Singapur war vor allem in atmosphärischer Hinsicht interessant. Denn auf einmal sind Trump und Kim beste Freunde.

In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang wurde das Treffen mit großem Interesse verfolgt. - © AP

In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang wurde das Treffen mit großem Interesse verfolgt. © AP

Trump beim Boarding der Air Force One.

Trump beim Boarding der Air Force One. © AP Trump beim Boarding der Air Force One. © AP

Singapur. Eine belastetere Vorgeschichte hätte es wohl kaum geben können. Als Donald Trump am 17. September 2017 in New York sein erste Rede vor der UN-Vollversammlung hielt, hatte der US-Präsident für Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nichts als bissigen Spott über. Der kleine Raketenmann sei auf einer selbstmörderischen Mission, sagte Trump damals. Kaum weniger aggressiv fiel die Replik Kims zwei Tage später aus. Trump sei ein geisteskranker, seniler US-Greis, den er mit Feuer bändigen werde.

Doch von all dem ist knapp neun Monate später keine Rede mehr. Im Gegenteil. Als Trump sich am Dienstag kurz nach halb zwei Uhr zu Kim an den großen schweren Holztisch im Capella Hotel setzt, um die gemeinsame Erklärung nach dem historischen Gipfeltreffen in Singapur zu unterzeichnen, ist er voll des Lobes für den fast 40 Jahre jüngeren Nordkoreaner. "Es ist eine große Ehre, ihn zu treffen", sagt Trump mit fast schon überschwänglichem Ton. Kim sei eine großartige Persönlichkeit und ein sehr talentierter Mann, der sein Land sehr liebe. Zu gegebener Zeit werde er Kim daher auch ins Weiße Haus nach Washington einladen. Viel mehr Anerkennung aus dem Mund des US-Präsidenten ist kaum vorstellbar.

Der Ort der Gespräche war streng bewacht.

Der Ort der Gespräche war streng bewacht.© AFP Der Ort der Gespräche war streng bewacht.© AFP

Kim gibt die Komplimente zwar weitaus zurückhaltender zurück und spricht nur von einem historischen Treffen und davon, dass er die Vergangenheit hinter sich lassen will. Dennoch ist an diesem Dienstag unübersehbar, dass auch aus Sicht des nordkoreanischen Machthabers die Chemie mit Trump zu passen scheint. So lächelt Kim, der als Geste des Respekts schon sieben Minuten vor Trump zu dem Treffen gekommen ist, schon beim ersten Handschlag mit dem US-Präsidenten in die Kameras der versammelten Weltpresse.

Das "historische" Treffen war medial großes Thema.

Das "historische" Treffen war medial großes Thema.© ap/reuters/afp Das "historische" Treffen war medial großes Thema.© ap/reuters/afp

Auch später gibt es immer wieder fast schon vertraute Momente. So legt Kim einige Male die Hand auf die Schulter des US-Präsidenten, Trump wiederum lässt dem nordkoreanischen Machthaber immer wieder den Vortritt, etwa wenn es darum geht, wer als Erster ins Verhandlungszimmer geht. Nach dem Mittagessen, bei dem unter anderem frischer Oktopus und eingelegte Rippchen serviert werden, gibt es dann sogar einen sehr persönlichen Moment zwischen den beiden. Trump nimmt Kim nach einem kurzen Spaziergang beiseite und zeigt ihm die kugelsichere Präsidentenlimousine, die den Spitznamen "The Beast" trägt. Dass der Gipfel derart harmonisch und friktionsfrei verläuft, überrascht dabei selbst den Nordkoreaner. Die Menschen vor den Fernsehern auf der ganzen Welt müssten das Gefühl haben, sie sähen einen Science-Fiction-Film, sagt Kim bereits nach dem knapp 40 Minuten dauernden Vier-Augen-Gespräch mit Trump.

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Dokument erstellt am 2018-06-12 18:16:36
Letzte Änderung am 2018-06-12 18:38:44


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