• vom 12.06.2018, 18:14 Uhr

Weltpolitik

Update: 12.06.2018, 18:33 Uhr

Nordkorea-Gipfel

Trump spielt auf Risiko




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Von Klaus Huhold

  • Bei seinem Gipfeltreffen mit Kim Jong-un lässt sich Donald Trump auf eine sehr schwammige Abschlusserklärung ein. Es wird sich weisen, ob der US-Präsident damit Frieden stiftet - oder sich über den Tisch ziehen hat lassen.

Kim Jong-un und Donald Trump bei der Unterzeichnung der Abschlusserklärung. - © APAweb, afp, Saul Loeb

Kim Jong-un und Donald Trump bei der Unterzeichnung der Abschlusserklärung. © APAweb, afp, Saul Loeb



Singapur/Wien. "Fantastisch, großartig, wunderbar." US-Präsident Donald Trump war den ganzen Tag nicht um Superlative verlegen: Während der Fototermine mit Kim Jong-un, bei kurzen Zwischenstatements, und auch die abschließende Pressekonferenz hielt Trump in der typischen Trump-Diktion ab.

In sichtlich guter Stimmung berichtete der frühere Reality-TV-Star einer Heerschar von Journalisten von seinem Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber. Er ging diesmal geduldig auch auf kritische Fragen ein, verkündete gar, dass dieser Moment zu historisch sei, als dass er sich mit Journalisten streiten wolle.


Tatsächlich hat die Welt an diesem Dienstag in einem Luxushotel auf der zu Singapur gehörenden Vergnügungsinsel Sentosa noch nie Dagewesenes erlebt. Erstmals haben ein US-Präsident und ein nordkoreanischer Machthaber direkte Gespräche miteinander geführt. Und die beiden Männer dieser seit Jahrzehnten verfeindeten Staaten, die sich vor kurzem noch Zerstörung und Vernichtung angedroht und einander als "seniler Greis" (Kim über Trump) und "kleiner Raketenmann" (Trump über Kim) beschimpft haben, verstanden sich sichtlich gut, lächelten, schüttelten Hände und unterzeichneten schließlich ein Dokument, auf das Trump bei der Pressekonferenz stolz verwies.

Trump will Manöver mit Südkorea beenden
In diesem ist dann auch vom Kernproblem die Rede, das die Korea-Krise so brandgefährlich macht und die internationale Öffentlichkeit so gebannt auf diesen Gipfel blicken ließ: Nordkoreas Atomprogramm. Die isolierte Diktatur besitzt Atombomben und kann nach eigenen Angaben mittlerweile die USA mit Raketen erreichen, die mit Atomsprengköpfen bestückt sind.

Nun, in dem Gipfeldokument, verpflichtet sich das Regime in Pjöngjang, "auf eine vollständige Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten". Was auf den ersten Blick nach einem epochalen Durchbruch ausschaut, erweist sich auf den zweiten Blick als wenig Neues. Genau dasselbe hat Kim auch beim innerkoreanischen Gipfel mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in Ende April versprochen. Und in dieser vagen Formulierung fehlen die entscheidenden Details: Nordkorea hat sich zu keinem Zeitrahmen verpflichtet, bis wann es seine Atomwaffen vernichtet. Und es gibt auch keinerlei Plan, wie die versprochene Abrüstung überwacht und überprüft werden soll.

Trump meinte dazu, dass keine Zeit geblieben sei, derartige Details zu verhandeln. Dass aber Nordkoreas Denuklearisierung "sehr schnell" beginnen und international überwacht würde. Außerdem verwies er darauf, dass man erst am Anfang des Verhandlungsprozesses stehe und noch weitere Treffen folgen würden, um Details festzuzurren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-12 18:22:24
Letzte Änderung am 2018-06-12 18:33:53


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